Volltext: Hessenland (1.1887)

348 
Rommel gibt in seiner Geschichte von Hessen 
dem Landgrafen Ludwig das schönste Lob, las 
man einem Fürsten ertheilen kann. Er schreibt 
u. a.: „Die würdigste Art, einen Fürsten zu 
loben, ist die Aufzählung seiner Thaten. Daher 
sei es genug, zu sagen, daß Ludwig der Fried 
same alle seine Vorgänger übertroffen in plan 
mäßiger Ausführung weiser, zeitgemäßer und 
von einem Geiste belebter Maßregeln. Durch 
einen geraden, in allen menschlichen Angelegen 
heiten entscheidenden klaren Menschenverstand, 
durch eine alle Stände ansprechende Biederkeit, 
durch fromme Bescheidenheit im Frieden, un 
widerstehliche Tapferkeit im Kriege, überall durch 
die Kunst mehr zn sein als zu scheinen, ward 
er der Rathgeber und Schiedsrichter aller benach 
barten Fürsten, und der zweite Schöpfer unseres 
Vaterlandes Hessen." Und dieses Urtheil des 
Ludwig, gepriesen und tüchtig und fromm im Leben 
und züchtig. 
Ruht hier in der Arche, ein Fels und Hessens Monarche. 
An des Antonius Fest er endet, des immer gedenket, 
Mög ihm durch Gott gelingen, die himmlische Palm 
zu erringen. 
gewiegten hessischen Historikers wird gewiß jeder 
unterschreiben, der sich mit der Geschichte des 
Landgrafen Ludwig des Friedsamen vertraut ge 
macht hat. Aber seltsam, gerade die Geschichte 
dieses vortrefflichen Regenten, eines der bedeutend 
sten Fürsten seiner Zeit, der frei vom Ballast 
der Vielwisserei, gleich hervorragend als Staats 
mann, Heerführer und Gesetzgeber, ein Muster 
bild an Fürstentugenden war, ist nur wenigen 
bekannt. Die Erinnerung an ihn wachzurufen, 
ist der Zweck unserer flüchtig hingeworfenen 
historischen Skizze, in der wir uns kurz fassen 
mußten und die Thaten des Friedens dieses 
Friedensfürsten zumeist nur andeuten konnten. 
Zum Schlüsse sprechen wir die Hoffnung aus, 
daß sich recht bald ein Historiker von Beruf der 
Ausarbeitung einer auf gründlichen Quellenstudien 
beruhenden umfassenden Geschichte des Landgrafen 
Ludwig des Friedsamen und seiner Zeit unter 
ziehen möge. Er würde sich durch eine solche 
wissenschaftlich sehr lohnende Arbeit ein ganz 
besonderes Verdienst um die Geschichte unseres 
engeren Vaterlandes Hessen erwerben. 
llrichstein im Uogelsberg. 
Von Dr. August Dorschen. 
(Schluß.) 
Im Frühjahr 1759 beschloß Herzog F e r d i n a n d 
von Braunschweig, der nach glücklichem Feld 
zuge in Westfalen seine Winterquartiere bezogen 
hatte, in Hessen, das fast gänzlich in Feindeshand 
war, einzufallen. Um nun diesen seinen Plan 
vorzubereiten und alle Hindernisse wegzuräumen, 
ließ er verschiedene kleine Streifzüge unternehmen, 
unter anderen auch einen solchen gegen das Berg- 
schloß Ulrichstein. Am 6. April wurde durch 
den Prinzen von Holstein eine Rekognoszierung 
von Ulrichstein und Umgegend vorgenommen. 
In der folgenden Nacht wurden die hessischen 
Bat. „Garde. Grenadier, Erbprinz, Gilsa", die 
preußischen Dragoner von „Fmkenstein," einige 
Abteilungen hessischer und preußischer Jäger 
und 3 Schwadronen der preußischen Husaren 
von „Ruesch" mit dem Angriffe auf die Burg 
betraut. Frühmorgens, um 2 Uhr, versammelten 
fich diese Truppen unter dem Befehle des hessischen 
Obersten von Ditfurth bei Eichelhain, einem 
Dorfe zwischen Herbstein und Ulrichstein, eine 
kleine Meile in östlicher Richtung von letzterem 
gelegen. Unter den: Schutze eines dichten Nebels 
erreichte man das Bergstädtchen; die Dragoner 
marschierten in einer Entfernung von etwa 800 
Schritten von demselben auf, während die Jäger 
und Husaren jenseits des Schloßberges Stellung 
nahmen, um hier den Franzosen den Rückzug 
abzuschneiden. Die Besatzung des Schlosses be 
stand aus 150 Mann Infanterie und 30 Mann 
Kavallerie vom berüchtigten, aber tapfern 
Fischerschen Freicorps, unter dem Kommando 
des Oberstlieutenant von Ried. Dieser hielt 
gute Wacht; so blieb ihm denn nicht lange die 
Annäherung des Feinoes verborgen, dem er 
einen hartnäckigen Widerstand entgegenzusetzen 
beschloß. Oberst von Ditfurth schickte nun sofort 
sämtliche Sappeure vor, denen die schwierige 
und..gefährliche Aufgabe wurde, das Thor mit 
den Äxten zu öffnen. Zur Deckung der Sappeure 
wurde das Bat. Grenadier nebst 2 Geschützen 
bestimmt. Mit höchster Todesverachtung wurde 
der Angriff auf das Hauptthor von dem aus 
dem Städtchen führenden steilen Wege aus unter-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.