Full text: Hessenland (1.1887)

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lag halber des von Nassau (im Stippacher Thale 
1419) da der von Hengstberg auch mit gewest 
war, in Hülste des von Nassau, und hatte 
Schaden von den Hessen entfangen, vnd zu Rache 
gab er denen von Och vor, der Landtgrave were 
darum ausgezogen, ein Fuge zu suchen, die von 
Och zu beschedigen, und die stad einzunehmen. 
Die von Oche gaben dem Graven schwachen 
Glauben, doch von des Graven mannigfaltigen 
Anredens, bethedigten sie den Fürsten darumb, 
er antwortet ihnen und sprach in verwundern: 
Lieben Freund ich ylaub nicht daß es euer Ernst 
sehe, und haltet mich nicht für den Mann, daß 
ich mit solchen Stücklein solte umgehen die un- 
fuglich weren; darzu sie antworteten: Sie glaubten 
ihme keiner Unthaten zu, doch so were ein wol- 
geborner Grave uf dem Rathaus der es von 
ihme saget, und wolte er für ihme bekantt sehn, 
da möchte er sich verantwortten. Der Landtgraf 
wolte die verdacht nicht uff ihme behalten, gieng 
mit ihnen vnd fand den Grasten, welcher diese 
Ding öffentlichen uff ihne gesagt hatte, und in 
einer Ghenwerdigkeit noch redete, der Landtgraf 
agt unter andern Worten: Du Grase du sagst 
)ie Gewalt uff mich, ich habe der Gedancken nie 
gehabt, und so warlich du mir unrecht thuest, 
so helffe mir die heilige Frau S. Elisabeth, 
unser welcher unrecht habe, daß er tobent, wütend 
uno rasend werde, hie angesicht dieser frommen 
leuthe. 
Alsbald zu der stette ward der Graf thorecht, 
und rasete sich zu tobe; das mirackel nahmen 
die von Ache zu Hertzen, und lobeten des Fürsten 
Unschuld, und erbotten Ihm viel Ehren mit ge- 
schencken vnd andern." — 
War es dem Kurfürsten Ludwig auch nicht ge 
lungen, das Herzogthum Brabant wieder an sein 
Haus zurückzubringen, so war er doch all 
zeit ein Mehrer seines Heimathlandes Hessen. 
Er erwarb u. a. demselben durch Kauf die zwischen 
der Diemel und Weser gelegenen Güter der 1429 
ausgestorbenen Dynasten von Schonenberg, das 
Gericht Heringen an der Werra, mehrere Denen 
von Falkenberg gehörige Dörfer und die Uslar'sche 
Burg Neuengleichen. Andere Dynasten, wie die 
Grafen von Waldeck und die Herren von Weste 
trugen ihm ihre Herrschaften zu Lehn auf und 
öffneten ihm ihre Burgen und Schlösser. Den 
bedeutendsten Zuwachs aber erhielt sein Land 
durch die Erwerbung der Grafschaften Ziegenhain 
und Nidda, die ihm zufolge kluger Berechnung 
nach dem am 14. April 1450 erfolgten Tode 
des letzten Grafen von Ziegenhain, Johann des 
Starken, durch Bermächtniß zufielen. — 
Im 15. Jahrhundert blühten die s. g. ge 
heimen Wiffenschaften, die Astrologie und Alchemie. 
Auch Landgraf Ludwig, in dieser Beziehung ein 
Kind seiner Zeit, huldigte ihnen. Einst hatte 
man dem Landgrafen aus den Sternen geweistagt, 
daß er fünfzig Jahre lang glücklich regieren werde, 
dann nicht mehr. Im Jahre 1457 verbanden 
sich mehrere westfälische Dynasten gegen ihn. 
Landgraf Ludwig sandte ihnen hessische Ritter 
unter Anführung seines Marschasts Johannes 
von Meysenbug entgegen, die auf dem Sinnfelde 
geschlagen und zum großen Theile gefangen 
wurden. Diese Niederlage brachte dem Land 
grafen jene Prophezeiung in Erinnerung. „Meine 
glückliche Regierung ist zu Ende, ich will mich 
schicken zu friedlicher Tageleistung", rief er aus 
und er bereitete sich auf sein Hinscheiden vor. 
Kurz darauf besuchte er ein hessisches Kloster, dessen 
Namen nicht bekannt geworden ist. Der Land 
graf und der Abt des Klosters, welche sich zu 
einer Reform geeinigt hatten, speisten mit den 
Mönchen. Hierauf starben beide kurz nach ein 
ander, der Landgraf, nachdem er das Schloß zu 
Spangenberg erreicht hatte, am 13. Januar 1458. 
Aeneas Sylvius schreibt den Tod beider einer 
Vergiftung zu.') Dies stimmt zwar mit einer 
Notiz des Frankenberger Chronisten Wigand 
Gerstenberger überein, doch läßt letzterer es 
zweifelhaft, ob nicht eine zufällige Vergiftung 
bei den chemischen Versuchen des Landgrafen den 
Tod des letzteren verursacht habe. *) Die Ge 
beine des Landgrafen Ludwig ruhen zu Marburg 
in der St. Elisabethkirche. Sein Grabmal trägt 
folgende Inschrift: 
Xnclitus Ludovicus pius universis pudicus 
Hac clauditur archa Cephas Hassiaeqne 
monarcha 
Anthonii festo migrat, cujus nemor esto. 
Coelesti palme vacet is per te ded^&lme. *) 
') Die angezogene Stelle bei Aeneas Sylvius lautet: 
Ludovicus Landgravius dum reformaturus moua- 
sterium quoddam suae ditionis ingreditur et in- 
vitatus cum monachis edit venenum pro cibo inter 
edendum sumpsisse creditus est. Nam et ipse et 
abbas, qui reformationem petierat, paulo post ex- 
tincti feruntur. 
2 ) Zn der Thür. und Hess. Chronik von Wigand 
Gerstenberger sS. Schmincke, Monimenta Hassiaca, 
tom. II, pag. 543) heißt es: 
In der nuwen Chronicken die man zu Nurenberg drucket, 
dar stebit inne, wie dußer Fürste in ehn Cloister ging in 
willen dasselbe zu reformiren, unde habe darinne mit den 
Cloister luden die spitze genommen. Da mehnt man, he 
habe vergifft gessen, want he unde der apt die der Refor 
mation begerte storben beydesampt balde darnach. Aber 
etzliche sprechin, nachdem er plag die Alchemie, so habe he 
darvonne die vergifft entphangin, das er so stürbe. Wie 
dem alle, so wart dieser Fürste Ludewig Lantgrave zu 
Hessen, Grave zu zu Cziaenhehn unde zu Nidde kranck, 
unde starp von der vergifft, altz er LVI jar alt was, 
unde das geschach, do man schreib nach Gots gebürt 1458 
uff sent Anthonius taa, unde ist zu Mqrgburg begraben. 
*) Nach der Übersetzung des Professors Dr. Creeelius 
zu Deutsch:
        

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