Volltext: Hessenland (1.1887)

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die Heirnath wiederzugewinnen und dessen Verleumder 
zu entlarven. Ihr zur Seite kämpfen zwei Freunde, 
deren einer jugendlich ungestüm der Partei des Kur 
prinzen angehört, während der andere als preußischer 
Diplomat eine zurückhaltendere Stellung einnimmt. 
Eine steche Mutter und ein Bruder stehen Edith schützend 
zur Seite. Jene ist durch die Schicksalsschläge ermattet, 
dieser will durch sein Wirken, als solches, will in seinen 
Predigten von der Kanzel herab die Sitten des 
herrschenden Hofes läutern und so die Einsicht in 
den Frevel der Verbannung seines Bruders erwecken. 
In einem unscheinbaren Hause sehen wir das Walten 
der Grubers und von hier aus Edith bald ihrem 
Berufe als Sängerin am Theater, bald jenen ver 
schlungenen Wegen nachgehen, die zur Rettung ihres 
Bruders führen sollen. Wie es ihr gelingt, die Rück 
kehr desselben zu erwirken, wie sie die Kurfürstin 
gewinnt, wie sie an Kraft des Wollens der Gräfin 
Reichenbach überlegen ist, wird durch die mehr als 
zweihundert Seiten des Buches entwickelt. Die Natur 
wirft ihren stimmungsvollen Wechsel auf Ediths 
Wege. Zwischen Glanz und Schimmer, im Theater, 
auf Bällen, im Gefängniß und in der Einsamkeit 
gewahren wir den Wechsel der Jahreszeiten. 
Mit breiten Zügen malt die Dichterin die Geschichte 
der Zeit in die Geschichte der Grubers. Sie wahrt 
die historische Treue, soweit es sich um geschichtliche 
Thatsachen, die geschichtlichen Charaktere des Kurfürsten, 
der Fürstin und der Gräfin Reichenbach handelt. 
Das Leben der Hauptstadt, die Pracht im Palais, 
das musikalische Treiben unter Spohr's Führung 
werden in lebendigen Farben geschildert. Die Kasseler 
Aue und Wilhelmshöhe wirken auf uns in ihrem 
bestrickenden Zauber. 
Die Eigenart der Verfasserin tritt auch in ihrem 
neuesten Buche zu Tage. Die Sprache hat Kraft 
und Wohllaut und wirkt im Dialoge wie in der Er 
zählung durch die Unmittelbarkeit der Empfindung. 
Der Dialog ist von seltener Gedankenfülle und die 
Handlung voller Leben und Bilder. Der Austausch 
und Einklang im Leben der Natur und der Menschen 
erhebt uns in der Freude, versöhnt uns an den Stellen 
des Mißgeschicks. Ein breiter Strom von Humor 
mildert die Schroffheit der Gegensätze. Jene Kunst 
des Dichters, das psychologische Verständniß zu steigern 
und den Leser tiefer in die Handlung einzuweihen, 
als die Einweihung der handelnden Personen selbst 
reicht, erhöht den kritischen Genuß bei der Lectüre 
der Grubers. 
Dieselben bestehen würdig den Vergleich mit den 
früheren Schöpfungen der Dichterin. Die ethische 
Natur des Problemes stellt «Die Grubers" der ^Na 
talie" zur Seite, die breite Anlage und Feinheit in 
der psychologischen Durchführung der «Hacienda Fe- 
lieidad". In Bezug auf die Schöpfung eines neuen 
Charakters, wie ihm Edith bietet, tritt die mexikanische 
Novelle «Dolores" den Grubers zur Serie. An 
Kraft der Entwicklung und Kühnheit des Schluffes 
treten ,Die Grubers" neben die Novelle «Ein Traum". 
Erhöhte Berechtigung zu ihrer hessischen Dichtung 
schöpft Frau H. Keller-Jordan aus ihrer hessischen 
Abstammung. Ihr freier dichterischer Schwung mahnt 
an die Beredtsamkeit ihres Vaters, jenes Sylvester 
Jordan, des Vorkämpfers der kurhessischen Verfassung. 
München. 1887. 
Dr. F*aut Hesdorpf. 
Es liegt uns die kürzlich in der Elwert'schen Buch 
handlung zu Marburg erschienene Schrift von Dr. 
Wilhelm Falcken Heiner «Philipp der Groß 
müthige im Bauernkriege," (mit urkundlichen Beilagen) 
vor. Wegen Mangels an Raum müssen wir die 
Besprechung dieses interessanten Buches für eine 
spätere Nummer unserer Zeitschrift verschieben. 
P. L. Freund des „Hessenland" Kassel. Zu Pos. l. 
Seiber wahr, aber nicht uns trifft die Schuld. Dem 
Uebelstande ist übrigens, wie Sie sich leicht überzeugen 
können, schon seit Monaten, so lange unsere Zeitschrist in 
der Druckerei des Herrn Scheel hergestellt wird, gründlich 
abgeholfen. Zu Pos. 2. Selbstverständlich. Zu Pos. 3. 
Wie Sie aus der heutigen Nummer ersehen, bereits in 
Betracht gezogen. — Für Ihre Berichtigungen sind wir 
Zhnen zu Dank verpflichtet. Die Berichtigung des ersten 
Passus war bereits erfolgt, ehe Ihr Brief eintraf; was den 
zweiten Passus anbelangt, so haben wir die entsprechende 
Mittheilung sofort dem Verfasser zugehen lassen und diesen 
gebeten, das Weitere zu veranlassen. — Wir bitten um 
gefällige genaue Angabe Ihrer Adresse. 
F. L. Stuttgart; M. H. Melsungen; L. M. Nordhausen: 
Einstweilen freundlichsten Dank für das Gesandte. 
Dr. W. F. Kassel. Mit Dank angenommen. 
W. F. Kassel. Das Mundartgedicht ist allerdings 
etwas lang, doch werden wir dasselbe gelegentlich zum Ab 
druck bringen. Jedenfalls sind wir Ihnen für die Zu 
sendung verbunden. 
E. W. Kassel. Ihrem Wunsche wird in den nächsten 
Tagen entsprochen werden. 
Berichtigungen. 
In dem Artikel der Nummer 21 des „Hessenlandes" 
„Aus einem Kasseler Bürgerhause vor 60 Jahren", muß 
es Seite 298 Zeile 8 von unten Lieutenant von Gierse 
wald statt Giesewald heißen. — 
Wir haben ein Versehen richtig zu stellen, das in dem 
Artikel „Hessische Ehrentafel" in der vorigen Nummer 
unserer Zeitschrift vorgekommen ist: Hinter.„1704. 15. 
Juli Schlacht am Schellenberge" muß die Notiz schließen, 
während die weiteren Worte „Hier nahmen" re. hinter den 
Worten des folgenden Absatzes „1704. 13. August" „Re 
vanche pour Speierbach" zu stehen kommen müssen. 
MF“ Die auswärtigen Streifband-Abonnenten, 
welche «och mit der Zahlung der Abonnements- 
brträge im Rückstände find, werden ergebenst er 
sucht, dieselben vermittelst Posteinzahlung bald 
gefälligst an nnS einsenden zu wollen. 
Nerlag der Zeitschrift „Hessenland", 
Jordanstrabe IS.
        

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