Full text: Hessenland (1.1887)

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Herr Kirchenrath, will ich's dann thue/ legte sein 
Haupt auf den Block, das Beil fiel und sein 
Kopf rollte in den Sand. Auf das anwesende Volk 
machte diese Scene einen unbeschreiblichen Eindruck 
und daß das Ansehen und der Einfluß des Kirchen 
raths Engel durch diese Komotragödie in den 
Volksschichten Gießens nur noch zunehmen konnten, 
braucht wohl nicht erst versichert zu werden. — So 
erzählte der frühere Gießener, seit 1852 Genfer Pro 
fessor Karl Vogt vor einigen Jahren in der Wiener 
«Reuen freien Presse-. 
A. I. 
Aus Heimath und Fremde. 
Die Monatsversammlung des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde am 28. November war 
außerordentlich zahlreich besucht. Nachdem der Vor 
sitzende Major C. von Stamford geschäftliche 
Mittheilungen gemacht und mit warmen Worten der 
seit der letzten Monatsversammlung verstorbenen fünf 
Mitglieder des Vereins ehrende Erwähnung gethan 
hatte, hielt Bibliothekar Dr. Hugo Brunner den 
angekündigten Vortrag über «Öffentliches Leben in 
Kassel unter König Jvröme-. Der Redner erntete 
reichen Beifall für seinen nach Inhalt wie nach Form 
gleich gediegenen, hochinteressanten Vortrag, der auf 
der gründlichsten Forschung beruhte und sehr viel 
Neues bot. Wir werden in einer späteren Nummer 
auf diesen Bortrag zurückkommen. 
Der «Allgemeine Deutsche Sprachver 
ein- hat sich die sehr lobenswerthe Aufgabe ge 
stellt, «1) die Reinigung der deutschen Sprache 
von unnöthigen fremden Bestandtheilen zu för 
dern, — 2) die Erhaltung und Wiederherstellung 
des echten Geistes und eigenthümlichen Wesens der 
deutschen Sprache zu pflegen — und 3) auf diese 
Weise das allgenieine nationale Bewußtsein im deut 
schen Volke zu kräftigen/ Auch bei uns in Hessen 
haben der Verein und seine Bestrebungen Wurzeln 
zu schlagen angefangen. Am 15. November hielt der 
in Kassel bestehende Zweigverein im Saale von 
Schaub's Garten seine erste Jahresversammlung ab. 
Nachdem der 1. Vorsitzende, Herr Generalmajor 
Sucro, mit einer kurzen, kernigen Ansprache die 
zahlreich erschienenen Zuhörer und Zuhörerinnen be 
grüßt hatte, gab der Schriftführer Herr Realschul 
lehrer vr. Quiehl einen ausführlichen Jahresbericht, 
dem wir das Folgende entnehmen. Nach etwa andert 
halbjährigem Bestände zählt der Zweigverein 150 
Mitglieder, darunter auch fast sämmtliche Spitzen der 
in Kassel befindlichen Behörden. Der Vorstand hat 
durch sehr zahlreiche persönliche und briefliche Ein 
wirkungen auf Behörden, Vereine, Gasthofsbesitzer, 
Wirthe, Geschäftsleute, Urheber von Zeitungsanzeigen 
u. s. w. mit bald größerem bald geringerem Erfolge 
sich bemüht, die Sprache des öffentlichen Verkehrs 
von überflüssigen Fremdwörtern zu reinigen. Hun 
derte von Anschlägen, welche in gefälliger Ausstattung 
gedruckt den Wahlspruch tragen: «Kein Fremdwort 
für das was gut Deutsch ausgedrückt werden 
kann-, sind an öffentlichen Verkehrsstellen Kassels 
und der Umgegend angebracht worden. Bei dem Be 
streben, auch auf die Sprache der Tagesblätter ein 
zuwirken, hat der Verein bei den Leitern und Besitzern 
derselben meist ein wenigstens grundsätzlich freund 
liches Entgegenkommen gefunden. Auf weitere Ein 
zelheiten können wir hier nicht eingehen; manches 
hat der Verein bereits erreicht, mehr natürlich bleibt 
zu thun übrig, aber das seither Geleistete berechtigt 
zu bester Hoffnung auf ein gedeihliches und erfolg 
reiches Wirken in der Zukunft. — Es folgte der 
Bericht über die am 8. und. 9. Oktober in Dresden 
abgehaltene erste Hauptversammlung des Gesammt- 
vereines, erstattet von Herrn Bibliothekar Dr. Loh 
meyer. Redner gab den Hauptinhalt der Ver 
handlungen kurz an, hob die warme Theilnahme her 
vor, mit welcher die Versammlung seitens der Be 
hörden, der Bevölkerung und der Presse Dresdens 
begrüßt worden sei und glaubte den Dresdener Sprach 
vereinstag als einen entschiedenen Erfolg der guten 
Sache bezeichnen zu dürfen. Der Gesammtverein, 
der gegenwärtig etwa 100 Zweigvereine und 7000 
Mitglieder zählt, findet in ganz Deutschland immer 
mehr Anerkennung und werkthätige Theilnahme, seine 
Forderungen werden mehr und mehr zu Forderungen 
der gesammten öffentlichen Meinung, eine nicht ge 
ringe Zahl der bedeutendsten Schriftsteller und Ge 
lehrten unseres Volkes haben sich für ihn erklärt oder 
sind als Kämpfer in seine Reihen eingetreten. Frei 
lich fehlt es auch nicht an Gegnern, aber irgend et 
was Stichhaltiges gegen Grund und Wesen der 
Vereinsbestrebungen hat keiner derselben vorzubringen 
vermocht. Und so darf denn der Verein mit Genug 
thuung zurück auf seine kurze Vergangenheit und mit 
guter Zuversicht und Hoffnung vorwärts in die Zu 
kunft blicken, zumal wenn er stets wie bisher daran 
fest hält, daß die zwei starken Säulen seiner Kraft 
sind und bleiben müssen -.Mäßigung und Beharr 
lichkeit. Redner schloß mit einer warmen Auf 
forderung an die Anwesenden, dem Vereine immer 
zahlreicher beizutreten und in seinem Sinne und 
Geiste zu wirken, im Dienste und zu Ehren der 
deutschen Muttersprache und damit des deutschen 
Volksthumes, des deutschen Vaterlandes. 
Auf Antrag des Herrn Gymnasialdirektors Dr. 
Wittich wurde der seitherige Vorstand durch Zuruf 
wiedergewählt, worauf der Vorsitzende die Versammlung 
schloß. — Auch wir wünschen von Herzen dem 
Vereine gedeihlichste Weiterentwickelung und glauben
        

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