Full text: Hessenland (1.1887)

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Grätz, wenn auch nicht der Mörder Robert 
Blum's, so doch der Sohn desselben. Kaum 
aber war es bekannt, daß das Gerücht blos von 
einem müßigen Spaßvogel herrühre, da erschien 
auch Gundlach wieder. Er gab vor. er habe 
eine unaufschiebbare Reise vorgehabt, aber Nie 
mand war da, der ihm Glauben schenken wollte, 
und noch lange uzte man ihn mit einem gewissen 
Gartenhäuschen, worin er sich bei der vorgerückten 
Jahreszeit eine rothe Nasenspitze geholt habe. 
Er ist später vor der hereinbrechenden Reaktion, 
besonders der geistlichen, die ihm an dem Zeug 
flicken wollte, nach Kalifornien ausgewandert. 
Auch Galina schwand seit jenem Abend von 
der Homberger Bildfläche. Er war nach Kaffel 
gereist, hatte sich in das Jägerbataillon aufnehmen 
lassen, und da es ihm dort gefiel, um eine 
Versorgung gedient. Ob er wohl jetzt, wenn er 
einsam durch die Forsten streift, sich jener Todten- 
feier noch erinnert?! Jedenfalls, das weiß ich be 
stimmt, bereut er nicht, Windisch-Grätz den Kopf 
zurecht gesetzt zu haben; ist er doch mit seinem 
Geschick zufrieden, und war jene Operation die 
erste Ursache, daß ihm ein freudigeres Loos im 
Leben fiel. 
■Hfc-Sr- 
Da« Hessendenkttml;tt Frankfurt a./M. 
2. December 1792. 
Euch grüß' ich in Ehrfurcht Ihr tapferen Hessen, 
Die siegend Ihr fielet gen gallische Macht! 
Daß Euer nicht werde je später vergessen. 
Deß nahm Preußens König hochherzig Bedacht. 
Schuf Er doch ein Denkmal zu Euerer Ehre, 
Das stolz sich erhebt auf der Wahlstatt am Main, 
Wo stürmend Ihr rieft mit gefälltem Gewehre: 
»Den Tod dem »»Custinus""! Ja tot muß er sein!" 
Als einziges Zeichen für hessische Krieger 
Stehst Denkmal du da, von Epheu umrankt. 
Wie oft auch Ihr Braven gekämpfet als Sieger, 
In Erz noch in Marmor ward nie Euch gedankt. 
Im Lande des Colon, an Schottlands Gestaden, 
In Holland, Morea, da habt Ihr bewährt 
Althessische Treue als tapfre Soldaten 
Im blutigen Streit, der Bewunderung werth. 
Sie konnt' auch der Corsische Held Euch nicht wehren, 
Als stüchtend gen Frankreich am Denkmal er stand; 
»Man halt' auch den Feind, wenn er tapfer, in Ehren" ! 
So sprach er und schützt' es vor frevelnder Hand. 
So ruht denn in Frieden, Ihr wackere» Streiter, 
Von Eueren Müh'n bis zum großen Appell! 
Es verstummt, was ersannen die hämischen Neider, 
Bor Eueren Thaten, so strahlend, so hell! 
Schwank. 
Ans der Höste. 
Gleich wie der Aar mit kühner Schwinge 
Empor zur Morgenröthe steigt, 
Bis sich ihm dort in Wolkennähe 
Der Erde ganze Schönheit zeigt; — 
So schwingt sich auch im hehren Fluge 
Mein Lieben über Berg und Thal, 
Empor zu Dir. Du morgenheller, 
Du meines Lebens Sonnenstrahl! 
Und dort, in Deines Glanzes Fülle, 
Wo all des Trübsinns Nebel fällt, 
Da seh' ich erst mit trunknem Auge 
Die ganze Schönheit dieser Welt! 
Kathaty ». chschstruth. 
Aus alter und neuer Zeit. 
— Inserviendum Tempori. (Man muß 
sich in die Zeit schicken.) Noch in keinem Jahre hatte 
am Fastnachtstage in Kassel ein so munteres, reges 
Treiben in den Straßen der Stadt geherrscht und 
waren so viele Lustbarkeiten aller Art veranstaltet, als 
in dem für Napoleon und in Folge davon auch für 
den westfälischen König so verhängnißvoll gewordenen 
Jahre 1812. 
Besondere- Aufsehen erregte ein nach Pariser Sitte 
veranstalteter Aufzug der Metzgerzunft, welche unter 
Borantritt eines Musikkorps einen reich mit Bändern 
geschmückten fetten Ochsen durch die Straßen der 
Stadt führte und dann dem Königspaare zum Ge 
schenk machte. Allerhöchst Dieselben geruhten dieses, 
wie der Moniteur berichtete, mit jener alle Herzen 
mit Liebe und Treue erfüllenden Güte anzunehmen.
        

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