Full text: Hessenland (1.1887)

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Marter vnd Pein, auch onzimlicher Worte, So 
das Halberstadische Kriegsuolck resxioitius ann 
etzlichen meinen amtsbevolenen gevbet vnd geredt", 
Signathum Ulrichstein, den 22. Julh Anno 
(1) 622, hinterlassen. Professor Philipp Dieffen- 
bach hat diese Urkunde, die ein würdiges Gegenstück 
zu jener bekannten Erzähluttg des Simplicissimus 
gebens halben. Sein Caspars weih haben sie gebrennet 
vnnd darnach bis auf den todt geschlagen. Caspar Ruln, 
Rachsperson, vnnd sein Weib haben sie gebrennet, ge 
schlagen vnnd gegurgelt, vnd ist er an einer Halsgeschwulst 
Kurtzhernacher ohne Zweifel von gemeltem gestorben. Heintz 
Gudenhain einen alten Rathsgenoßen, haben sie geldt- 
gebens Halben durch einen arm geschossen«, darvon er in 
wenigen Tagen hernach gestorben. Conradt Aßmußen 
haben fie geldtgebens halben erschoßenn. Henrich Beckers 
witibe haben sie geldtgebens halben bis vff den todt ge 
schlagen vnnd gar Jämmerlich gemartert, ist fast ein achtzig 
jähriges weib. re. re."" —- 
bietet, im 5. Bande des Hess. Arch., Heft I, IV, 
S. 95 ff. veröffentlicht. 
Auch im siebenjährigen Kriege spielte 
das feste Bergschloß Ulrichstein eine bedeutende 
Rolle. Wiederholt war es Zeuge höchster Tapfer 
keit unserer Landsleute. Besonders in den letzten 
Jahren dieses Krieges bildete das Ohmthal den 
Schauplatz blutiger Kämpfe. ') 
9 Wir folgen hier hauptsächlich dem klassischen Werke 
von Renouard, Geschichte des Krieges in Hannover, 
Hessen und Westfalen von 1757—1763, 3 Bände, Kassel 
,863—1864 (Ueber diesen verdienstvollen Schriftsteller 
vgl.Nr. 2 des,Hessenlandes/S. n—12). —Außer 
dem müssen wir hier noch nennen ein kleineres, aber treff 
liches Werk: „Der siebenjährige Krieg der Hannoveraner 
und Hessen, Celle 1883," sowie noch eine andere, nicht 
minder treffliche Schrift: „Ein Dutzend Gedichte aus 
hessischer Kriegs-Geschichte. Mit erläuternder Schilderung 
der Begebenheiten und begleitender Umstände, Melsungen 
1879/ — 
folgt.) 
Kilöer aus Wessen. 
Von Ludwig Mohr.. 
Der Windisch-GrStz kömmt! 
„Himmelwetter! Ich meine, ich müsse Sie 
im Leben mehr als einmal gesehen haben!" 
Mit diesen Worten redete mich ein Forstmann 
an, welcher aus dem nahen Busche am Hange 
des Meinhardt's getreten war und sich mir 
näherte, der ich mich, müd vom Aufstieg, an dem 
Stamm einer breitästigen Buche gelagert hatte 
und von diesem Auslug die liebliche Fernsicht 
in das Werrathal zu meinen Füßen genoß. 
„Entschuldigung, mein Herr, Sie sind doch nicht 
von Homberg? — sind " 
Ich nannte meinen Namen und ergänzte lachend: 
„Und Du, gelt Fuchsen — verzeih den Spitz 
namen — Fuchsen " 
„Galina; sprich nur aus! Wozu die Umstände! 
Erinnern uns doch gerade die Spitznamen mehr 
als alles Andere an die frohe Kinder- und 
Burschenzeit. Ich glaube es sind dreißig Jahre 
her, daß wir uns nicht sahen. — Ja, ja, man 
wird alt; Dein Scheitel hat sich merklich ver 
breitert, und mein Haar ist kitzegrau geworden." 
Noch während er diese Worte sprach, stellte er 
ein Jagdgewehr neben an die Buche und ließ 
ich zu mir in das Waldgras nieder, und nun 
B es an ein Fragen und Erzählen, das uns 
en so sehr behagte, daß wir nicht merkten, 
wie die Sonne immer tiefer sank und sich all 
gemach den Umrißen des Meißner näherte. 
Erst als ihre Strahlen die Baumwipfel um 
uns her vergoldeten, mahnte das, im Thale sich 
geltend machende Dämmerlicht. zum Aufbruch. 
Noch mußte ich meinem Landsmann versprechen, 
ihn zur Kirmeß in seinem Walddorse zu besuchen, 
dann trennten wir uns; er verschwand auf dem 
Fußsteig seitlich im Gebüsch, und ich trat auf 
dem Waldpfad, der mich hergeführt, die Nieder 
fahrt vom Berge an, um vor vollständiger Dun 
kelheit zu Hause in Eschwege zu sein. 
Auf dem Heimwege aber beschäftigte mich der 
Spitzname meines Landsmanns, Galina, und rief 
ein Bild aus meiner Jugendzeit in mir wach, 
das ich in den nächstfolgenden Zeilen kurz zeich 
nen will. 
Es war in dem aufgeregten Jahre 1848. 
Robert Blum fiel am 9. November in der Bri- 
gitten-Au zu Wien durch die Kugeln stehrischer 
Jäger dem Rachegerichte des Fürsten Windisch- 
Grätz zum Opfer. Nie hat wohl eine Nachricht 
das Deutsche Volk mehr aufgeregt, als die Kunde 
von dem Tode des Freiheitsmannes. Namentlich 
legten davon die Todtenfeiern Zeugniß ab, die 
man zu Ehren des großen Volkstribunen in 
Stadt und Land in Scene setzte. Aber „wie vom 
Erhabenen zum Lächerlichen oft nur ein Schritt 
ist", zeigten oft gerade diese, so die in meiner 
Vaterstadt Homberg. 
Dort war der' Veranstalter der Führer der
        

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