Full text: Hessenland (1.1887)

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Landgrafen Heinrich von Hessen und seinen Sohn 
Heinrich, der sich gegen den Vater aufgelehnt 
hatte, rücksichtlich der Teilung ihrer Lande dahin, 
daß Landgraf Heinrich der Jüngere auf das Teil 
zu Hessen Verzicht leiste, dagegen das Teil zu 
Marburg, Grunenberg nebst dem Wald zu 
Ulrich st ein, Geyzen, Merlowe, Hohenburg, rc. 
haben soll (vgl. Kuchenbecker, Anal. Hass. VIII). 
Daß die zerstörte Burg jedoch bald wieder 
aufgebaut wurde, ersehen wir aus einer Urkunde 
vom 8. Dezember 1343. Nach diesem Dokument 
nämlich verleihen Landgraf Heinrich II. von 
Hessen („der Eiserne") und sein Sohn Otto 
(„der Schütz") dem Heinrich von Eyssenbach 
ihr Erbmarschallamt und dazu das Haus 
Ulrichesteyn, das Johann von Eyssenbach gebauet, 
mit dem Gerichte zu Babinhuß und (die Wüstung) 
Wolfoldishain (vgl. Kuchenbecker, Hessische Erb- 
hofämter). Von besonderer Bedeutsamkeit ist 
auch eine vier Jahre spätere Urkunde. Hiernach 
verleiht Kaiser Ludwig dem Heinrich von 
Eyssenbach, dem Marschall seines Schwagers, des 
Landgrafen Heinrich von Hessen, für seine Feste 
Ulrichstein, die er mit Mauern und Graben 
umfaßt hat, die Rechte und Freiheiten der Reichs- 
Stadt Friedberg, einen Wochenmarkt auf jeden 
Donnerstag, sowie auch das Recht, in gedachter 
Stadt 6 Juden zu halten (vgl. Wenck, H. U. 
B. 367). 
Noch gegen das Ende dieses Jahrhunderts 
fiel Ulrichstein an den Landgrafen Hermann 
von Hessen („den Gelehrten"). Nach einer 
Urkunde aus dem Jahre 1397 erneuert der Land 
graf Hermann denen von Eyssenbach den Brief 
über den ihnen zustehenden Zoll zu Grünberg, 
erklärt dagegen alle früheren Briefe für ungültig; 
die Briefe über Felda, Babenhausen und Ulrich 
stein sollen dagegen gültig, und die von Eyssen 
bach im Besitze der von Ludwig von Romrod 
erworbenen Güter bleiben (vgl. Landau, Hessische 
Ritterburgen III.) Im folgenden Jahre ver 
zichtete sodann Bernhard von Eyssenbach dem 
Landgrafen Hermann gegenüber auf alle seine 
Ansprüche auf Ulrichstein, behielt jedoch seine 
Burgmannslehen allda, sowie noch zu Grünberg 
und Altenburg (vgl. Landau, a. a. O.). 
Aus dem 15. Jahrhundert müssen wir eine 
Urkunde des Landgrafen Ludwig I. von 
Hessen („des Friedfertigen") hervorheben. 
Im Jahre 1415 verlieh derselbe dem Eberhard 
Schenk von Schweinsberg die Amtmannschaft 
über den Rodensteinischen Theil von Schotten, 
owie über Ulrichstein auf 3 Jahre (vgl. Arch. 
. Hess. Gesch. I, 1,145). (Dieser Landgraf ist 
derselbe, der im Jahre 1440 von den deutschen 
Fürsten zum' Kaiser gewählt wurde, diese 
Krone jedoch ausschlug, um seinem Volke Ruhe 
und Frieden zu sichern. Bei Gelegenheit des 
großen Jubelfestes zu Rom im Jahre 1450 
überreichte ihm, als dem weisesten Regenten der 
Zeit, der Papst Nikolaus der V. die geweihte 
goldne Rose mit dem Titel prinoeps pacis.) *) 
Eine Urkunde von 1528 meldet uns, daß 
Landgraf Philipp von Hessen dem Hermann 
von Riedesel „Schloß. Behausung. Flecken und 
Amt Ulrichstein" nebst den Gerichten Felda und 
Babenhausen verpfändet, jedoch mit Ausnahme 
der hohen und niederen Jagd in den beiden 
Gehölzen der „Hylperheyner Struth" und zwar 
für 6000 fl. 
Nach dem Tode des letztgenannten Landgrafen 
fiel Ulrichstein den Grafen von Dietz zu. 
Die rechtmäßigen Söhne Philipps, Landgraf 
Ludwig III. („Testator") und Georg I. 
! „der Fromme") machten jedoch der Mißwirt- 
chaft dieses Geschlechtes ein baldiges Ende, indem 
re 1570 ihre Burg eroberten und den unwürdigen 
Grafen Christoph Ernst - gefangen setzten. Im 
Jahre 1577 fiel sodann Ulrichstein an Ludwig III., 
nach dessen Tod aber (1604) an Heffen-Darmstadt. 
Schwere Leiden brachte dem Amte Ulrichstein 
der dreißigjährige Krieg, insbesondere der 
Sommer des Jahres 1622. Bereits im Jahre 
vorher hatte Christian von Braunschweig 
mit einem Heere von gegen 20,000 Mann den 
Durchzug durch Hessen versucht, um sich am 
Rheine mit dem Heere des Grafen Mansfeld zu 
vereinigen. Amöneburg war genommen und der 
„tolle Christian" stand bereits im Busecker Thal. 
Hier wurde er jedoch am 20. Dezember 1621, 
Mischen Alten- und Großen-Buseck, von den 
vereinigten hessen-darmstädtischen, spanischen und 
bayerischen Truppen geschlagen und zum Rück 
züge nach Westfalen genötigt (vgl. Theatr. Europ. 
I, 555 ff). Im Juni des folgenden Jahres brach 
er jedoch wieder in Oberhessen ein. Sein Kriegs 
volk hauste entsetzlich. Auch Ulrichstein wurde 
hart betroffen. Ein Johann Kayßer (dessen 
Grabmal wir in der Kirche dieses Städtchens 
finden) hat uns eine genaue „Designation 2 ) der 
') Daß übrigens dieser Fürst, wo es nötig war, auch 
das Schwert zu führen verstand, zeigt die Schlacht von Groß- 
englis, wo er kaum 2- Zahre alt am 23. Zuli >427 einen 
vollständigen Sieg über das an Zahl weit überlegene 
Heer des stolzen Erzbischofs von Mainz erfocht. 
Nach einer zündenden Ansprache an seine Scharen stürzte 
er sich mit dem Rufe: „„Heute Landgraf oder keiner mehr! 
Und wer ein getreuer Hesse sein will, der folge mir!"" 
auf die feindliche Menge. — Vgl. hierzu u. A. daS „Hes 
sische Ehrenbüchlein," Kassel 138> in der Hofbuchh. v. 
Klaunig ersch., S. 33—34. 
*) Wir geben hier einen kleinen Auszug dieses Doku 
mentes: 
„„Ulrichstein. Caspar Steuernageln, haben sie ge 
fangen gesühret, Ihm Schrauben angelegt. Ihm die Füße 
aufgeschnitten vnd fünften Jämmerlich gepeinigt, nuhrn geldt-
        

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