Full text: Hessenland (1.1887)

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Schlaf wohl! Ich komme lieber. 
Mein Kino, mein Weib, zu Dir. 
4. 
Umsonst! Dn gönnst im Grab da drüben 
Nur immer kurz zu rasten Dir; 
Noch dauert fort dein treues Lieben, 
Wie kämst Du stündlich sonst zu mir? 
Du kommst im Frühlingsmorgenlichte, 
In holder Jugend Lieblichkeit; 
Du kommst, im blassen Angesichte 
Die Runen langer harter Zeit. 
Du kommst, die Hände mir zu reichen 
So sanft, wie einst sie mich gedrückt; 
Ich aber finde doch die Zeichen, 
Womit sie Mühsal einst geschmückt. 
O diese Schwielen! Heldennarben 
Sind heil'ger nicht, als sie es sind; 
Bei Denen, die in Ehren starben, 
Da rast' auch Du, mein Weib! mein Kind! 
Ich aber — nein, ich will nicht klagen, 
Daß einst ich sah der Zeiten Weh 
Dich treu und tapfer mit mir- tragen 
Und nun im Wohlstand einsam steh. 
Vom Himmel warst Du mir gegeben 
In Leid und Lust mein Schutz zu sein; 
So warst Du mein für's ganze Leben, 
So bin auch jetzt ich nicht allein. 
£t. HraSert. 
Aus Heimach und Fremde. 
Kassel. In der am 3l. Oktober d. I. abge- 
gehaltenen Monatsversammlung des Ver 
eins für hessische Geschichte und Landes 
kunde theilte der Vorsitzende Major v. Stamford 
zunächst mit, daß die Zahl der Bereinsmitglieder sich 
zwar «m einen vermehrt, der Verein aber in dem 
letzten Monat durch de» Tod mehrerer Mitglieder, 
welche sich um den Verein verdient gemacht, einen 
großen Verlust erlitten habe. Namentlich wurde da 
bei'des Landgerichtsraths a. D. Fulda gedacht, 
welcher noch kurz vor seinem so Plötzlich eingetretenen 
Tode dem Vereine einige der von ihm herausgegebenen 
Schriften zum Geschenk gemacht habe. Hierauf hielt 
Herr Landgerichts-Sekretair Nenber den angekün 
digten Vortrag: »Zur Geschichte von Stadt 
und Bad Hofgeismar. * Nach einleitender Be 
merkung, daß der jetzige Kreis Hofgeismar, der 
frühere sächsische Hesiengau, im S. und 10. Jahr 
hundert n. Chr. dem hessischen Grafengeschlechte der 
Konradiner angehört habe, jedoch während der Ver 
bindung Hessens mit Thüringen, bei welcher ersteres 
das Nebenland gewesen, in siemde Hände, namentlich 
in die des Erzbischofs von Mainz, gekommen sei, 
und nach einem Ueberblicke über die Literatur, worin 
besonders die Schriften des verstorbenen Archivars 
(früher Pfarrers zu Hofgeismar) Falckenheiner 
genannt wurden, theilte der Vortragende den wesent 
lichen Inhalt einer Urkunde vom Jahre 1082 mit, 
worin nachweisbar zuerst Hofgeismar erwähnt wird. 
In derselben schenkt der damalige Erzbischof von 
Mainz in einer Fürsten-Versammlung auf die Bitten 
der anwesenden geistlichen und weltlichen Fürsten 
seinen Hof Geismar dem von ihm gegründeten 
Kloster Hasungen. Trotz dieser feierlichen Schenkung 
findet sich derselbe, dessen Name näher besprochen 
wurde, nach 100 Jahren fortwährend im Besitze 
der Erzbischöfe von Mainz, welche von dort aus 
sogar Regierungs-Handlungen erlassen. Aus dem 
ursprünglichen Gutshofe auf dem Salb erg (wo 
her das Salbcrger Thor oder Salber Thor) ent 
steht durch Ansiedelungen ein Ort, der nach dem 
Jahre 1200 Stadt genannt wird. Redner schildert 
dann die Streitigkeiten, welche die neue Stadt mit 
dem Geschlechte der Herren von Schöneberg 
(Schonenberg) über die Beholzigungs- und Weide- 
Gerechtsame im Reinhardswald zu bestehen hatte, 
sowie das dadurch veranlaßte Eingreifen nicht blos 
der Erzbischöfe von Mainz, sondern auch der Bischöfe 
von Paderborn, der Herzöge von Braunschweig und 
der Landgrafen von Hessen, der beiden ersteren als 
Lehnsherren und der letzteren als Bundesgenossen der 
Schönebcrg, sowie die mit diesen Kämpfen in dama 
ligen Zeiten verbundene Verwüstung und Plünderung 
der ganzen Gegend. Zur Sicherung gegen Ueber- 
fälle hatte Hofgeismar mit den Nachbarstädtcn Mar 
burg, Volkmarsen, Wolfhagen und Marsberg ei« 
Schutz- und Trutzbündniß abgeschlossen (1358). Auf 
die glückliche Errettung aus einer Belagerung durch 
Braunschweig und Hessen (1400) ist die bekannte 
Sage vom Würfelthurme zu beziehen. In der 
Mainzer Stifts-Fehde (1462) mußte Hofgeismar 
wegen seiner Anhänglichkeit an dem vom Papste ab 
gesetzten Erzbischöfe Diether eine Belagerung durch 
den mit dem neuen Erzbischöfe Adolf verbündeten 
Landgrafen Ludwig II. von Hessen aushalten, und 
wurde nach Einzug des Erzbischofs Adolf Hessen als 
Pfandschast überwiesen, sodann, nachdem inzwischen in 
der Stadt die Reformation Eingang gefunden, unter 
Wilhelm IV. von Hessen förmlich abgetreten bis zum 
Erlöschen des Mannesstammes durch den Merlauer 
Vertrag (1583). 
Hofgeismar chatte im 30jährigen Kriege fast während 
der ganzen Dauer desselben beträchtliche Einquartie 
rungen, vorzugsweise von kaiserliche» Truppen, z« 
tragen, und mußte, nachdem es einem feindlichen
	        

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