Full text: Hessenland (1.1887)

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Kasseler Zeituuzea im «otigr« Iahrhaadert. 
Von 
W. RoWL-Lndwiy. 
lSchüiß). 
ei dem Ausspielen von Gegenständen war eine 
Einrichtung üblich, welche die Sache ge 
müthlicher machte, als es jetzt der Fall ist. 
So wird u. A. angezeigt: 
„Den 15. Im jus soll aüf der Ober-NeUstadt 
bei Herrn Weinhändler Müller eine gantz neue 
sehr schöne tabatiere, so inwendig verguldet, mit 
einem schönen Portrait verspielt werden. Der 
Einsatz ist 16 albus. Der Einsetzer giebt jedem 
Spieler ein Viertel Maß guten Rheinwein, der 
Gewinner aber giebt einen Thaler für Wecken 
und Butterbretzeln." Ferner: „Es soll Mittwochen 
den 22. Juli bei dem Caffetier Herrn Roeder am 
Neuen Thore N. M. 4 Uhr ein sauberes schwarzes 
aus dem Duisberger Wald gefangenes wildes, 
nun mehr zahm gemachtes kleines Pferdchen 
ausgespielt werden. Der Einsatz ist 7* Thlr. 
Es soll dabei mit Casfee, Thve, Pfeifen und 
Taback ohne jEntgeld aufgewartet werden." — 
Bei den Personen, welche Diener suchen, oder sich 
als solche anbieten, wird immer besonders her 
vorgehoben, daß der betreffende Diener Perüquen 
und Haare wohl akkomodiren kann. Zu den 
Stellen eines Kammerdieners oder Laquaien 
melden sich Leute, die sich auch noch auf andere 
Kenntnisse berufen. Johannes Hunoldt osferirt 
seine Dienste als Laquai mit dem Bemerken, 
daß er gut schreiben könne und sein Latein ver 
stehe. „Ein Student suchet bei einer Fürst 
oder Gräflichen Herrschaft Kammerdiener, Laquai 
oder Schreiber zu werden." „Ein sluäiosus 
theologiae suchet Condition zu Jnformiren oder 
als Kammerdiener, welcher in Humamoribus, 
Arithmeticis und Musicis exereiret." 
Von dem damaligen Zustande der Wege giebt 
uns die Mittheilung folgenden Unglücksfalls 
einige Andeutung: 
„Am 26. Delember (1731) ist eine sehr 
hagere, schwächliche, unbekannte Weibspersön, 
mit lauter elenden Lumpen bedecket, nahe bei 
dein Dorfe Maden in einem sehr bösen Wege 
todtgefunden worden, wobei man deutlich wahr 
nehmen können, daß sie sich eine ziemliche Zeit 
lang in dem kothigen Wege muße gewehrt 
haben." 
Ueber die Preise der Lebensmittel in Kassel 
vor 150 Jahren geben die wöchentlich ver 
öffentlichten Brot-, Fleisch- und Wildprcttaxen 
amtliche Auskunft. Danach bekam man durch 
schnittlich für vier Heller 15 bis 17 Loth Wecke, 
für 1 albus 2 Pfd. 10 Loth Brot. Das Pfund 
Fettochsenfleisch kostete 20 Heller, Stierenfleisch 
16 Heller, Kalbfleisch 12, Schweinefleisch 19, 
Hammelfleisch 12 bis 16 Heller. Ein Auerhahn 
kostete nach der Wildpretstaxe 1 Thlr., ein 
Phasan 21 albus 4 Heller, eine Schnepfe 2 albus 
8 Heller, ein Dutzend Lerchen 4 albus, ein 
Hase 10 albus 8 Heller, ein Reh 1 Thlr. 
10 albus 8 Heller, ein Frischling 1 THU-, bis 
1 Thlr. 8 albus. Im Einzelnen kostete das 
Pfund Roth- oder Damwild 1 albus. 
Kartoffeln erschienen als große Seltenheit nur 
bei festlichen Gastereien. 
Aus einer Anzeige der Madame Mary geht 
hervor, daß der Unterricht damals noch sehr- 
billig war. Dieselbe macht jedermann zu wissen, 
daß sie künftigen Montag eine Schule will an 
fangen , worin sie die Kinder perfect lesen,
        

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