Full text: Hessenland (1.1887)

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genießbarer Mensch zu werden, denn mein ewiges 
Kranksein hat mich nicht gerade liebenswürdiger 
gemacht. 
Doch leben Sie nun recht wohl, lieber Herr 
Medicinalrath, und empfehlen Sie mich Ihrer 
Frau Gemahlin angelegentlichst. 
Freundlichst und ergebenst 
Sophie Gilsa. 
Nauheim, im September 1842. 
Ewiges Kranksein! Ja das war es, was ihr 
Leben trübte und stets ihrer regen Schaffenslust 
so hemmend im Wege stand. Seltsamer Weise 
waren die Meisten geneigt, ihr Leiden für Ein 
bildung zu nehmen, bis sie demselben am 9. Sep 
tember des Jahres 1858 erlag, im Alter von 
einundfünfzig Jahren. 
Auf dem Friedhof zu Fulda liegt sie unter 
ihren Standesgenossinnen begraben. Nicht ganz 
drei Jahre später folgte ihr die Aebtissin Karo 
line von Gilsa nach und wurde ihr zur Seite 
beigesetzt. Ein Gitter umfriedigt Beider Grab 
stätten, und der Frieden des Todes hat die 
Schwestern versöhnt und vereinigt, die Beide so 
edle und hochgesinnte Naturen waren und doch 
im Leben sich niemals recht verstanden haben. 
Ernste, hohe Tannen rauschen darüber, und an 
Sophiens Grabstein liest man die göttliche Ver 
heißung, die ihr die ewige Krone gesichert: 
„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden 
Barmherzigkeit erlangen." 
Wohl verkündet auch eine Lyra an dem ein 
fachen Grabmale, daß hier ein Dichterherz ge 
bettet liegt, aber fast Alle gehen achtlos daran 
vorüber. Wer kümmert sich auch in unsrer so 
hastig vorwärts stürmenden Zeit um die Klänge 
eines längst verhallten Saitenspieles? Für solche 
bescheidenen Talente hat die Nachwelt keine Lor 
beeren, und die Kränze, welche einst von nun 
kalten Händen Sophie von Gilsa dargereicht 
wurden, sind längst verwelkt. Doch gleichviel: 
sie hat treu für das Gute und Schöne gekämpft 
und damit ihre Bestimmung erfüllt. 
Am Sarge fällt die Blüthe ab, 
Zerrinnt der Glorie Zauberschemen, 
Das Lorbeerreis, es bleibt am Grab, 
Du kannst es nicht hinüber nehmen; 
Doch vor dem Richter kannst du knien, 
Die reinen Hände hoch gefaltet: 
„Sieh, Herr, die Pfunde, mir verliehn, 
Ich habe redlich sie verwaltet.* 
Und mit diesen schönen Worten, welche einst 
Annette von Droste einer anderen gleichfalls 
hessischen Dichterin nachgerufen, wollen wir dieses 
Gedenkblatt beschließen, um es als ein frisches 
Liebeszeichen verehrungsvoll auf das Grab der 
Dichterin Sophie von Gilsa niederzulegen. Möge 
ihr Andenken im Hessenlande in Ehren bleiben! 
Mochmals von öm Kchähm des allen Durfürsten 
In dem Aufsatz ,Bon den Schätzen des allen 
Kurfürsten* in Nr. 9. dieser Zeitschrift, S. 112 
oben, wird meinem Großvater, dem Kriegsrath Knatz, 
große Leichtgläubigkeit schuld gegeben. Die Stelle 
kann nicht wohl anders aufgefaßt werden, als daß die 
Leichtgläubigkeit der kurfürstlichen Kommissare auf 
das Zustandekommen des für den Kurfürsten un 
günstigen Vergleichsabschlusses eingewirkt habe und 
daß dies umsomehr zu bedauern sei, als an demselben 
Tage (7. August 1812) die Schlacht bei Borodino 
geschlagen wurde, mit welcher sich bekanntlich das 
Kriegsglück Napoleons wendete, daß also, mit andern 
Worten, der Verlust nicht eingetreten wäre, wenn 
man nur noch kurze Zeit gewartet hätte. 
Der unbefangene Leser der Stelle wird es wohl 
nun zunächst unwahrscheinlich finden, daß zwei ge- 
schäftsgewandte Finanzbeamte der Behauptung des 
Agenten, die Schuld fti an Napoleon bezahlt, ohne 
weiteres Glauben geschenkt haben sollten, während es 
nahe lag, die Vorzeigung der über die Zahlung sicher 
vorhandenen Quittungen zu verlangen. Noch viel unwahr 
scheinlicher wäre es, wenn der, wie geschichtsbekannt 
und auch nach der eigenen Darstellung des Herrn 
Verfassers in Nr. 9, mißtrauische und in Geldgeschäften 
vorsichtige Kurfürst dem deßhalbigen Berichte seiner 
Räthe ohne Weiteres Glauben geschenkt hätte. Ganz 
unbegreiflich aber wäre es schließlich, daß der Kurfürst 
auch, nachdem er die Leichtgläubigkeit seiner Räthe nach 
1815 entdeckt hatte und ihnen also den Geldverlust 
schuld geben konnte, sie dennoch nicht nur in ihren 
Ämtern und Würden belassen, sondern ihnen weitere 
Beweise seines Vertrauens gegeben hätte, wie dies 
wenigstens bei meinem Großvater bis zum Tode des 
Kurfürsten und ausweislich seines Testaments in der 
That der Fall gewesen ist. 
Abgesehen hiervon ist es aber auch den damaligen 
Zeitumständen ganz unangemessen, daß Baden bereits 
1812 mit der Behauptung aufgetreten sein sollte, 
das Geld sei an Napoleon bezahlt. Napoleon be 
herrschte Europa. Daß er diese Herrschaft in ah-
        

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