Full text: Hessenland (1.1887)

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Der Leuchtkäfer. 
Bei Tage, als im Sonnenlicht 
Der bunte Lenz mich angelacht, 
Da, kleines Ding, sah ich dich nicht, 
Hab' nicht an deinen Schein gedacht! 
Nun Alles farblos worden ist. 
Und keinen Glanz der Tag mehr hat, 
Nun seh' ich dich, sei mir gegrüßt, 
Dein Funkeln hellt den düstern Pfad! 
Geb' Gott, daß wenn das Leben mir 
Nicht Blüthen mehr und Strahlen beut, 
Bescheidne Freude dann gleich dir 
Den dunkeln Weg mit Licht bestreut! 
Thomas Moore. 
Ein besonderer Vorzug des Buches ist, daß 
immer der Originaltext der Uebersetzung bei 
gedruckt ist; wie getreu sich aber die Dichterin an 
jenen gehalten, das mag ein Vergleich dem Leser 
beweisen: 
The day is done. 
The day is done and the darkness 
Falls from the wings of Night, 
As a feather is waffcet downward 
From an eagle in his flight. 
I see the lights of the village 
Gleam through the rain and the mist, 
And a feeling of sadness comes o’er me, 
That my soul cannot resist. 
A feeling of sadness and longing, 
That is not akin to pain, 
And resembles sorrow only, 
As the mist resembles the rain. 
Come, read to me some poem, 
Lome simple and heartful lay, 
That shall soothe this restless feeling, 
And banish the thoughts of day. 
Not from the grand old masters, 
Not from the bards sublime, 
Whose distant footsteps echo 
Through the corridors of time. 
For, like strains of martial music, 
Their mighty thoughts suggest 
Life’s endless toil and endeavour, 
And to night I long for rest. 
Eead from some humbler poet, 
Whose songs gushed from the heart, 
As showers from the clouds of summer, 
Or tears from the eyelids start. 
Who through long days of labour, 
And nights devoid of ease, 
Still heard in his soul the music 
Of wonderful melodies. 
Such songs have power to quiet 
The restless pulse of care, 
And come like the benediction 
That follows after prayer. 
Then read from the treasured volume 
The poem of thy choice, 
And lend to the rhyme of the poet 
The beauty of thy voice. 
And the night^shall be filled with music 
And the cares that infest the clay, 
Shall fold their tents like the Arabs, 
And as silently steal away. 
Longfello w. 
Der Tag ist hin. 
Der Tag ist hin und das Dunkel 
Den Schwingen der Nacht entfliegt. 
Wie die Feder dem Adler entschwebet, 
Der kreisend im Aether sich wiegt. 
Es scheinen die Lichter des Dorfes 
Durch Nebel und Regen daher — 
Und Trauer bemächtigt sich meiner, 
Bewält'gen nicht kann ich sie mehr. 
Gefühle von Trauer und Sehnsucht, 
Doch nicht aus des Schmerzes Reich; 
Sie gleichen nur so viel dem Kummer, 
Als Nebel dem Regen ist gleich. 
Komm! magst ein Gedicht mir lesen. 
Ein einfach, gefühltes Lied, 
Das die ruhlose Brust mir beruhigt, 
Bor dem der Gedanke entflieht. 
Doch Keines von alten Meistern, 
Von den großen Barden nicht, 
Bon deren fernen Schritten 
Das Echo der Zeiten spricht. 
Denn ihre erhab'nen Gedanken 
Erinnern wie Schlachtengesang 
An des Lebens Arbeit und Mühen, 
Und zur Ruhe nur fühle ich Drang. 
Nimm einen einfachen Dichter, 
Deß Lieder entquollen der Brust 
Wie Schauer aus Sommerwolken, 
Wie Thränen der Wehmuth und Lust. 
Dem mitten im Treiben des Tages 
Und in der schlaflosen Nacht 
Die Melodien, die schönen, 
Im tiefsten Busen erwacht.
        

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