Full text: Hessenland (1.1887)

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Uekvo^og. 
Heute schon, in der ersten Nummer unseres Blattes, 
müssen wir eines Hingeschiedenen gedenken, der dem 
„Hessenland" seine warme Theilnahme gewidmet hatte, 
des am 21. October verstorbenen Lehrers Wilhelm 
Wolf in Kassel. Geboren in Balhorn (Kreis Wolfi 
Hagen), im Jahre 1856 wandte er sich dem Lehrer 
berufe zu, in welchem er seine volle Befriedigung fand. 
Wenn er aber in der treuen und begeisterten Er 
füllung seiner Pflichten seine Lebensaufgabe erblickte, 
so suchte er anderseits Erholung in der beständigen 
Fortbildung seiner geistigen Anlagen. Schon frühe 
warf die Poesie ein verklärendes Licht auf sein Da 
sein und vor einem Jahre veröffentlichte er ein Bänd 
chen „Gedichte", das trotz mancher ungereifter Ver 
suche von poetischer Begabung zeugte. Und bei dem eif 
rigen Drang, vorwärts zu kommen, der Wolf be 
seelte, ist nicht zu bezweifeln, daß sein poetisches 
Streben noch schönere Drückte gezeitigt haben würde. 
Das „Hessenland" zählt ihn mit zu seinen ersten 
Freunden; er wohnte den Besprechungen, die zu der 
Gründung des Blattes führten, bei und wandte ihm 
seine volle Theilnahme zu. In unseren Händen be 
findet sich eine Anzahl seiner letzten Gedichte, die er 
uns zur Verwendung übersandte; wir werden einige 
derselben gelegentlich mittheilen. — Wolf starb nach 
nur dreitägigem Krankenlager am Scharlach und 
hinterläßt eine Ehefrau und zwei unmündige Kinder. 
Er war ein treuer Vater und Gatte, ein guter Ka 
merad! R. i. p! 's. 
Hessische Mcherschau. 
Eine sehr bemerkenswerthes literarhistorisches Werk 
ist „Schillers Jungfrau von Orleans, neu 
erklärt von vr. G. F. Eysell, k. Gymnassaldirektor 
a. D., Hannover. Verlag von Carl Meyer (Gustav 
Prior 1886." Es dürfte wohl kaum — schreibt der 
fachkundige Kritiker der „Fuld. Ztg." — eine dra 
matische Dichtung in der deutschen Literatur geben, 
welche sich zur Lektüre an höheren Lehranstalten in 
so hohem Grade eignet, als Schillers Jungfrau von 
Orleans. Bezüglich der Auffassung und Erklärung 
sowohl im Ganzen wie im Einzelnen sind bekanntlich 
von der Kritik mancherlei Fragen aufgeworfen, Be 
denken erhoben und wirkliche oder vermeintliche Schwie 
rigkeiten aufgefunden; aber der Verfasser weiß sie 
alle in befriedigendster Weise gründlich zu beant 
worten und zu lösen. Wir begrüßen seine Arbeit 
als die reife Frucht liebevollster Hingabe an den 
Dichter, gründlichen Nachdenkens und fleißigen 
Studiums, und sind überzeugt, daß das warm und 
sorgfältig geschriebene Werk in betheiligten Kreisen 
wohlverdiente Anerkennung finden wird. — Wir fügen 
hinzu, daß der Verfasser, einst Gymnasialdirektor in 
t ersdeld, dem Studium der Jeanne dÄre ei» ganzes 
cken gewidmet hat. K. 
Johann Lewalter veröffentlichtiu dem Verlag 
von Paul Voigt, Kassel und Leipzig, wie 
der mehrere Tonschöpfungen, welche wir unserem Leser 
kreis empfehlen. In erster Linie wollen wir eines 
Gegenstückes zu den vor einiger Zeit erschienenen 
Klavierstücken „Aus Wintertagen" Erwähnung 
thun. Die neue Komposition, welche den Titel „Aus 
Sommer tagen" führt, bringt eine Reihe die 
Sommerzeit in gedankenreicher Weise schildernder, den 
kindlichen Sinn belebender Melodien. Die einzelnen 
Stücke betiteln sich: „Mairegen", „Unter der Dorf- 
Linde", „Leiermann", „Glühwürmchen am Johannis 
tage", „Vöglein im Walde" u. s. w. — Die neuen 
Lieder „Böglein im liefen Wald" (op. 10 für Sopran, 
„O, lieb so lang du lieben kannst" (op. 13 Nr. 1 
für Sopran und Alt und „So laß mich sitzen ohne 
Ende" für Sopran oder Tenor, lassen erkennen, daß 
der Komponist sich voll und ganz in den Text der 
Dichtungen versenkt hat. „Vöglein im tiefen Walde" 
von Oskar von Redwitz spricht nicht nur in seinem 
musikalischen Gewände sehr zu Herzen, sondern ist 
auch, was Begleitung und Stimmlage anlangt, für 
jede Sopranstimme ein leicht zu singendes Lied. Die 
letzten beiden Lieder, Gedichte von Freiligrath, zeich 
nen «q, ebenfalls durch gefühlvolle Melodien und 
klare Harmonisirung aus. Wir sind der Ueberzeugung, 
daß sich die genannten Gesangs-Kompositionen schnell 
einen großen Keeis von Freunden erwerben und 
sich wohl bald Eingang in den Konzertsaal verschaffen 
werden. — Außerdem wollen wir noch erwähnen, 
daß in demselben Verlage . ein Tonstück Lewalters: 
Präludium und Fuge (dreistimmig für Klavier, op. 8) 
erschienen ist, welches den durchgebildeten Musiker in 
hervorragender Weise erkennen läßt H. 
Krlkstllstk«. 
A. Kassel. Wie aus unserer Abonnements- 
Einladung zu ersehen, erscheint das „Heffenland" in 
der Stärke von l l l 2 Bogen. Wir mußten eine Probe- 
Nummer von 2 Bogen ausgeben, weil in dieser eine 
Theilung der Aufsätze nicht thunlich war. 
Herrn 8. H. Kassel. Besten Dank für Ihre 
freundliche Zusendung. 
N. in B. bei Marburg. Gern nehmen wir 
mundartliche Beiträge entgegen, da die Pflege der 
Dialektdichtung nicht znnr letzten in den Kreis unserer 
Bestrebungen gezogen ist. 
8. 8. in Marburg. Sehr erwünscht. 
Dr. 8. iu F. Sehen baldgefälliger Mittheilung mit 
Spannung entgegen. Gruß. 
8. Sch. Wanfried. Wir haben Ihr Büchlein 
mit Interesse gelesen nnd werden darauf zurückkommen. 
Abonnent, Hanau. Wir sind Ihnen wie 
allen Freunden selbstverständlich dankbar, wenn Sie 
das „Hessenland" in Ihren Kreisen empfehlen wollen. 
Einzelnummern stehen in der gewünschten Zahl zu 
diesem Zwecke zur Verfügung. 
K. Z. Eichen. Die gewünschten Probenummern 
werden Sie erhalten habev. Ihren freundlichen Brief 
werden wir in den nächsten Tagen beantworten. Für 
den zugesandten Artikel besten Dank. 
O. , Berlin. Ihr Wunsch wird schon in einet 
der nächsten Nummern erfüllt werden. 
Verantwortlicher Redakteur F. Zw enger. Druck und Verlag von F. Zw eng er in Kassel.
        

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