Full text: Hessenland (1.1887)

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Wesen, zuerst mit Ernestine von Rouch aus Heilbronn, 
dann mit Agnes Trott zu Solz, Tochter des früheren 
kurhessischen Ministers und Bundestagsgesandten 
Friedrich Trott zu Solz. Aus erster Ehe hinterläßt 
er zwei Söhne und zwei Töchter, aus zweiter Ehe 
einen Sohn und zwei Töchter. Sein Andenken wird 
in vielen dankbaren Herzen fortleben! 
r. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Der älteste Vorfahr der Familie Grimm, 
den man bis jetzt kennt, ist Johannes Grimm, 
1654 Bürger und Gasthalter in der Altstadt Hanau. 
Ueberhaupt ist die Familie Grimm zweifellos eine 
althanauische (Mittheilung meines verehrten Freundes, 
des Herrn Gymnasialoberlehrers Dr. Wolfs zu Hanau.) 
Vom 2. bis 7. Mai 1661 wurde nun zu Worms 
ein Provinzialkapitel des Malteserordens abgehalten, 
dessen Akten sich abschriftlich im hiesigen Staatsarchiv 
befinden. 
In diesem Kapitel erklärt Herr Johann Friedrich Korf 
genannt Schmiesing, Komtur der Häuser Frankfurt, 
Mosbach, Rüdigheim, Dorlisheim und St. Johann 
zu Basel: es sei die Komturei Rüdigheim in der 
Grafschaft Hanau zum zweitenmal abgebrannt und 
wäre cs unmöglich, solche wieder aufzubringen ohne 
einen vermöglichen Pächter, der nur unter Zusicherung 
pachtfreier Jahre zu gewinnen sei. Also habe er mit 
Herrn Johansen Grimb, Bürger zu Hanau, akkordirt, 
daß er die Komturei pachtweise auf 12 Jahre über 
nehme und Haus, Scheuer, Stallung und Mühle 
wieder von neuem aufbaue. Den Bauschilling solle 
er von dem Ertrag der Ernte nehmen, die auf 
100 Malter angeschlagen werde. Die Grundstücke 
beständen in 300 Morgen Land, einem Garten am 
Haus und Wiesen. Auch solle der Pächter den 
Zehnten von Rüdigheim, Raffholzhausen und Ober- 
Jsheim zu genießen haben. 
Das Kapitel genehmigte diesen Vertrag. Ob nun 
der Pächter wirklich seine Pacht angetreten und seine 
12 Jahre ausgehalten hat, darüber könnten am besten 
die Kommendeakten, wenn sie noch erhallen sind, 
Auskunft geben. 
Daß unser Johannes Grimb — an der ver 
schiedenen Schreibart wird sich Niemand stoßen, der 
mit der Kanzleischrift jener Zeit vertraut ist — mit 
jenem 1654 genannten Hanauer Gastwirth Joh. 
Grimm identisch ist, dürfte wohl keinem Zweifel 
unterliegen. 
Die Kommende Rüdigheim ist eine ins 13. Jahr 
hundert fallende Stiftung der Familie von Rüdigheim. 
Dieselbe findet sich auch mehrfach in dem Johanniter- 
orden vertreten, so war Helfrich von R. in der Zeit 
von 1305 bis 1313 Großpräceptor von Deutschland, 
Böhmen und Polen. Er hat sich wahrscheinlich an 
der Eroberung von Rhodos (1310) betheiligt. Als 
letztes Glied dieser Familie ist wir vorgekommen 
Otto Philipp v. R. in Diensten des Grafen Anton 
Günther von Oldenburg und Schloßhauptmann zu 
Jever (1615). — 
Osnabrück. K. Kerquet. 
In dem Aufsatz „Belagerte Hessen« in 
Nr. 17 dieser Zeitschrift ist bei Erwähnung der ruhm 
vollen Vertheidigung des Hohentwiel durch den aus 
Hessen gebürtigen Konrad Wieder hold gesagt 
worden, „daß die heute im Württembergischen Heeres 
dienst vorfindlichen Wiederholde doch nicht etwa zur 
Sippe dieses Helden gehören.« 
Von betreffender Seite wurden wir um Berichtigung 
dieser Angabe ersucht und uns zu diesem Behufe ein 
auf sicheren Quellen beruhender Aufsatz über die 
Abstammung der württembergschen Familie Wiederhold, 
welcher in Nr. 34 der Schwäbischen Kronik vom 
11. Februar v. I. erschienen ist, mitgetheilt. Diesem 
entnehmen wir Folgendes: „Das in Württemberg 
angesessene Geschlecht der Wiederholde (bis in die 
zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts „Widerhall 
geschrieben), welches auf dem Gebiete friedlicher und 
bürgerlicher, ganz besonders aber auf dem der kriegerischen 
Thätigkeit eine ansehnliche Reihe hervorragender und 
hochverdienter Männer geliefert hat, stammt aus dem 
Hessischen und gehört, nachdem zwei seiner Angehörigen, 
der berühmte Konrad und sein Vetter Johann Georg 
in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der eine 
aus Hessen, der andere aus Oesterreich nach Württemberg 
sich wandten, diesem Lande an und zählt jetzt zu den 
Familien der unmittelbaren, freien Reichsritterschaft. 
Als der erste zuverlässige Ahnherr dieses Geschlechts 
wird Heinrich Widerholt von Weidenhofen, im letzten 
Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, Landvogt von Wiß- 
kappel genannt. Von seinen beiden Söhnen war 
Heinrich der Gründer der älteren und Johannes der 
der jüngeren Linie. Des letzteren Sohn Reinhard, 
Obrist in hessischen Diensten, war der Vater des am 
20. April 1598 in Ziegenhain geborenen Konrad. 
Dieser war in seinem 17. Jahre in den Militairdienst 
getreten und im Jahre 1619, nachdem er an ver 
schiedenen Orten in und außerhalb Deutschlands, 
zuletzt in Venedig, Kriegsdienste geleistet, vom. Herzoge 
Joh. Friedrich als Trillmeister im württenbergischen 
Heere angestellt worden. Er wurde am 13. September 
1634 zum Kommandanten von Hohentwiel bestellt 
und hat sich dadurch, daß er in den Jahren 1635 bis 
1644 fünf Belagerungen- der Festung durch die 
Kaiserlichen zurückschlug, unvergänglichen Kriegsruhm 
erworben. Im Jahre 1650 schied er aus dem Dienst 
und starb, nachdem er für seine Thaten durch Ver 
leihung dreier Rittergüter und Erhebung in den 
Grafenstand, welche er aber ablehnte, belohnt war, 
am 13. Juni 1667 in Kirchheim, in dessen Kirche 
ein Denkmal seine Ruhestätte bezeichnet. Mit seinem 
einzigen, frühzeitig gestorbenen Sohne erlosch dieser 
Zweig der Familie.
        

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