Volltext: Hessenland (1.1887)

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Nekrolog. 
Am 21. September d. Js. starb auf dem Ritter 
gut Imshausen im Kreise Rotenburg der ritterschaft- 
liche Obcrvorsteher und Königliche Kammerherr 
Bodo Trott zu Solz. 
Derselbe war geboren am 17. Septbr. 1817 zu 
Imshausen als fünftes Kind und ältester Sohn des 
zu jener Zeit ans seinem dortigen Rittergut als 
Privatmann lebenden späteren Würtembergischen 
Staatsraths August Trott zu Solz. Seine erste 
Ausbildung empfing er auf dem Gymnasium zu 
Frankfurt a/M., wohin sein Vater, als der Knabe 
das sechste Lebensjahr zurückgelegt hatte, als Würtem- 
bergischer Bundcstagsgesandter versetzt worden war. 
Nachdem der begabte Knabe schon im 17. Jahr das 
Gymnasium absolvirt hatte, ergriff er, einer früh 
hervortretenden Neigung für das Leben in der Natur- 
folgend, mit Freuden den ihm von seinem Vater be 
stimmten Beruf eines Forstmannes, als welcher er 
nach tüchtiger Ausbildung durch praktische Lehrzeit 
und wiffenschaftlichcs Studium auf der Universität 
Heidelberg und dem Forstinstitut Neustadt-Eberswalde 
zuerst als Förster des Forstreviers Landpoldshausen 
bei Heilbronn im Württembergischen Staatsdienst 
Anstellung fand. 
In Folge des Todes des Vaters fiel dem 23- 
jährigen jungen Mann im Jahre 1840 die Regelung 
der Familienangelegenheiten zu, der er sich mit der 
Energie, dem praktischen Blick und der Pflichttreue, 
die ihn während seines ganzen Lebens auszeichneten, 
mit bestem Erfolge widmete. Diese Thätigkeit führte 
ihn öfters nach Hessen zurück und bald fühlte er sich 
zu dieser Heimath, der er bis an sein Ende die 
treueste Liebe bewahrt hat, so mächtig hingezogen, daß 
er sich entschloß, dem Staatsdienst zu entsagen und 
das ihm und seinem einzigen jüngeren Bruder ge 
hörende Rittergut Imshausen selbst zu bewirthschaften. 
Mit voller Hingebung ergriff er diesen neuen Beruf, 
zu dem er sich mit größter Gewissenhaftigkeit durch 
eine Lehrzeit auf einer hessischen Domäne vorbereitete, 
während welcher der gereifte Mann sich unverdroffen 
allem unterzog, was auf einer Oekonomie einem 
jugendlichen Lehrling zugemuthet zu werden pflegt. 
Er entfaltete bei der Bewirthschaftung seines Besitz- 
thumes eine rastlose Thätigkeit für dessen Verbesserung 
und Erweiterung nnd konnte mit Befriedigung auf 
deren Erfolg zurückblicken, als er das Gut beim 
Heranwachsen seiner Kinder wieder abgab, um sich 
der Erziehung der letzteren bester widmen zu können. 
Zugleich kehrte er zu seinem eigentlichen Element, 
der Forstwirthschaft zurück, indem er die Oberleitung 
der Bewirthschaftung des den Familien von Trott und 
von Verschuer gemeinschaftlich zustehenden bedeutenden 
Waldbesitzes, des sogenannten Trottenwaldes über 
nahm und zum dauernden Segen für die genannten 
Familien mit dieser Waldwirthschaft in völlig neue 
Bahnen einlenkte. 
Doch galt seine Thätigkeit keineswegs nur den eigenen 
sowie den Interessen seiner Familie, vielmehr war es 
seine höchste Freude, auf den verschiedensten Gebieten 
in uneigennützigster Weise für seine Nebenmenschen 
zu arbeiten. In der um sein Rittergut angesiedelten 
kleinen Gemeinde war er der Helfer und Berather in allen 
Verlegenheiten und Nöthen, tut Kreis der bereitwillige 
Mitarbeiter bei allen gemeinnützigen Unternehmungen. 
Für die Interessen der hessischen Ritterschaft trat er 
bei jeder Gelegenheit als thatkräftiger Wahrer und 
Vertreter ein und im politischen Leben war er stets 
auf seinem Posten zu finden, wo es galt, unerschrocken 
nach oben wie nach unten hin für das, was er als Recht 
erkannt, einzutreten. In solchem Geist entfaltete er 
eine erfolgreiche Thätigkeit als Vertreter der Ritter 
schaft auf den hessischen Landtagen wie später im 
hessischen Komunallandtag, und nachdem ihn das Ver 
trauen seiner Standesgenoffen in die Stellung eines 
ritterschaftlichen Obervorstehers berufen hatte, bewährte 
er in dieser dieselbe Umsicht und eifrige Pflichttreue, 
die er bei der Verwaltung der Angelegenheiten seiner 
Familie zu bethätigen gewohnt war. Bei der treuen 
Anhänglichkeit, die er dem angestammten hessischen 
Fürstenhaus stets bewahrt hatte und bei der Liebe, 
die ihn für das hessische Vaterland erfüllte, mußte 
ihn der Untergang der Selbstständigkeit Kurhestens 
mit tiefem Schmerz erfüllen. Aber er sah in den 
Ereignissen des Jahres 1866 eine Fügung des die 
Weltgeschicke lenkenden Gottes und er erkannte, daß 
dem engeren Vaterland weniger durch unftuchtbare 
Renitenz, als durch thätige Mitarbeit bei Gestaltung 
der neuen Verhältnisse genützt werden könne. In 
diesem Sinne wirkte er bei verschiedenen Gelegen 
heiten als Vertrauensmann für die Erhaltung hessischer 
Einrichtungen und brachte dabei stets den Stand 
punkt des die vollste Achtung für die geschichtliche 
Vergangenheit beanspruchenden Hessen mit Festigkeit 
zur Geltung. 
Seinem charaktervollen Auftreten fehlte es nicht an 
äußerer Anerkennung. Se. Majestät zeichnete ihn 
durch Verleihung der Kammerherrnwürde und des 
Kronenordens zweiter Klaffe aus. Nach solchen 
äußeren Ehren hatte jedoch Trott niemals gestrebt, 
Einfachheit und Bescheidenheit waren Grundzüge seines 
Wesens und wenn er auch mit ächtem Stolz die 
Geburtsrechte seines Standes hochhielt, so war er 
doch völlig frei von beschränktem Hochmuth, und ge 
wissenhafte Erfüllung der Standes pflichten war 
die erste Forderung die er an jeden stellte, welcher 
Standesrechte beanspruchte. Möchten solche ächt 
edelmännische Gesinnungen stets in unserer hessischen 
Ritterschaft gepflegt werden! 
Bis zu seinem 69. Jahre war Trott im Besitz 
einer seltenen Gesundheit und Thatkraft geblieben, 
da erkrankte er im vorigen Jahre plötzlich und trotz 
der sorgsamsten Pflege erlag er nach neunmonatlichem 
schwerem Leiden. Er war zweimal verheirathet ge-
        

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