Full text: Hessenland (1.1887)

285 
regten sich mancherlei Vorurtheile gegen diese 
Niederlassung, und die stammen opfermuthigen 
Krankenflegerinnen hatten vielfach dagegen zu 
kämpfen. Da wallte das für alles Gute und 
Große begeisterte Herz der Dichterin auf, und 
mit demselben ritterlichen Sinn, mit dem wohl 
einst ihre Ahnen zum Schwert griffen, um die 
Unterdrückten zu schützen, griff sie jetzt zur Feder 
und, stei von aller konfessionellen Voreingenommen 
heit, schrieb sie. die protestantische Stiftsdame, 
eine Apologie des Ordens der barmherzigen 
Schwestern. — 
Die Fluth späterer belletristischer Erzeugnisse 
hat hinweggeschwemmt, was einst von Sophie 
von Gilsa aus dem Büchermarkt erschienen; zu 
meist waren es Uebersetzungen aus dem Englischen 
wie „Hypatia" von Kmgsley; denn die Dichter 
England's waren es ja vorzugsweise, die ihr 
Gemüth wie mit einem Zauber umsponnen hatten. 
Mit Entzücken tauchte sie in die Gedankenfülle 
und Bilderpracht eines Byron, Moore, Lonyfellow, 
einer Felicia Hemans u. A., und was sie dort 
lebendig erfaßt, das drängte dann wieder mächtig 
zur künstlerischen Wiedergabe in der eigenen 
Sprache. 
Diesen Dichtern blieb sie treu bis an ihr 
Lebensende, und so war denn auch ihre letzte 
Gabe, ihr Schwanengesang, eine Anthologie 
englischer Gedichte, die mit dem feinsinnigsten 
Geschmack ausgewählt und mit leichter, sicherer 
Formgewandtheit ins Deutsche übertragen sind. 
Dieses Büchlein ist in hübscher Ausstattung im 
Verlag von Aloys Maier in Fulda, 1858 er 
schienen. Da der Herr Verleger so gütig war, 
den Abdruck einiger Gedichte zu gestatten, so 
mögen dieselben in der nächsten Nummer dieser 
Zeitschrift folgen. 
(Schluß folgt.) 
Die 53. Z«l>ll»»ns»>«l»»- it» |tnin» fit hessische Geschichte i>> 
Knsittsinnhe. °> 
(Schluß.) 
^Tadjbem der Vorsitzende des Vereins für hessische 
1 Geschichte und Landeskunde, Herr Major C. von 
^j^Stamford, in Fortsetzung seines Vortrages 
über Ulrich von Hutten erwähnt hatte, daß Hutten 
nicht bloß in Dürftigkeit seine mühevollen Tage hin 
gebracht, daß er auch seit dem Jahre 1508 ein 
schweres Leiden mit sich herumgetragen habe, welches 
von jener seit der Entdeckung Amerikas nach Europa 
verpflanzten Seuche herrührte, die so viel Unheil, so 
viel Schmerzen und schweres Siechthum für die da 
von Betroffenen zur Folge hatte, fährt Redner wie 
folgt fort: 
Huttens theuerer hochgehaltener Kaiser, der edle Max, 
war am 12. Januar 1519 zur ewigen Ruhe einge 
gangen. Im Reiche regten sich die nun ganz meister 
losen Kräfte und der schwäbische Bund beschloß dem 
Herzoge Ulrich zu Leibe zu gehen, gegen welchen 
Kaiser Max nicht ernstlich eingeschritten war. Auch 
für die Familie Hutten schien die Zeit der Vergeltung 
des Mordes ihres Angehörigen durch den Herzog 
gekommen, und unseren Ulrich finden wir im März 
in dem verbündeten in Würtemberg einrückenden Heere. 
Es hatte leichtes Spiel, da dem Herzoge die geworbene 
Hilfe aus der Schweiz abwendig gemacht worden war 
und er fast ohne Schwertschlag sein schönes Land auf 
geben mußte. Einer der höchsten Führer des Bundes 
heeres war Franz von Sickingen. Er und Hutten, 
zwei große aus der Ritterschaft hervorgegangene Ge 
stalten in deren letzter Zeit, der Eine das Schwert, 
der Andere die Feder handhabend, Beide voll Geist 
und Kraft, mußten sich anziehen. Bald schon wurde 
das Verhältniß zur Freundschaft, die beiden Männer 
waren fast stets zusammen. 
Nach dem Feldzuge hielt sich Hutten zur Cur in 
dem Wildbade auf und das Gefühl wiedererlangler 
Gesundheit schwellte seine Brust mit neuen Lebens 
hoffnungen, der Gedanke an eine Lebensgefährtin 
tauchte in ihm auf. Wir können es wohl glauben, 
daß dem durch die Verhältnisse wie durch die Unruhe 
seines Geistes und Wanderlust so vielfach Umherge- 
triebenen das Bild eines Hafens in stiller glüÄicher 
Ehe lockend erscheinen mochte. Wie er aber sich da 
rin gefühlt haben und wie sein dem Kampfe gewid 
metes Leben sich unter einer solchen Fessel gestaltet 
haben würde, muß unentschieden bleiben, da die ziem 
lich lang geführten Verhandlungen nicht zum ge 
wünschten Ende führten. Man wird gefesselt von 
Huttens Aeußerungen, in denen er beschreibt, welche 
Eigenschaften seine Frau haben müsse und was er 
an äußeren Umständen zum Leben beanspruche. Eine 
Edeldame Frankfurts scheint die Erkorene gewesen zu 
sein, denn die Hutten befreundeten Haman von Holz 
hausen und Arnold von Glauburg daselbst waren in 
der Angelegenheit thätig. Woran der Plan scheiterte, 
wissen wir nicht, vielleicht wär es besser so, der Ent 
täuschte durfte mit einem anderen großen Kämpfer, 
*) S. Nr. 17 unserer Zeitschrift.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.