Full text: Hessenland (1.1887)

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Heimen Rathes befand sich die goldene Kette, 
welche Landgraf Philipp der Großmüthige dem 
tapfern und treuen Kommandanten Heinz von 
Lttder für dessen mannhafte Behauptung der Feste 
Ziegenhain gegen die demselben vom kaiserlichen 
Kommissar Grafen von. Solms gestellte Zu- 
muthung der Uebergabe verehrt hatte. Die Sage, 
wonach Heinz von Lüder unter dem Thore von 
Ziegenhain zum Schein an dieser goldenen Kette 
aufgehängt worden sein soll, hat unsere hochgeschätzte 
Mitarbeiterin Rataly von Eschstruth in Nummer 1 
unserer Zeitschrift in einem schwungvollen Gedichte 
besungen. Heinz von Lüder starb am 23. Januar 
1559 als erster Vbervorsteher des Klosters Haina. 
Die goldene Kette verblieb als werthvollster 
Familiknschatz im Besitze.seiner Nachkommen, bis nach 
dem Tode des letzten Lüder die Vertheilung des 
Nachlasses desselben unter Leitung des Amtmanns 
Becker zu Neukirchen bei Ziegenhain unter die 
Lüder'schen Allodialerbcn:. von Baumbach zu Kirch- 
heim, von Schenk zu Rülferode und von Schenk zu 
Hermannstein vorgenommen wurde. Die Kette, 
welche aus 34 Kloben in der Größe eines großen 
Kugelringes bestand, die oval-rund waren und auf 
dem Rücken eine scharfe eingekerbte Erhöhung hatten, 
wurde nun in drei Theile zerstückelt und die einzelnen 
Theile an die Allodialerben vertheilt. Zwei der 
letzteren erhielten 11, einer .12 Kloben. A. Z. 
Der Justizsenat der ehemaligen Re 
gierung zu Marburg. In Nr. 1.6 dieser 
Zeitschrift, S. 226, ist erwähnt, daß Wildungen, ehe 
er der Themis Balet sagte, Mitglied des Justizsenats 
der Regierung zu Marburg gewesen sei. Diese Re- 
gierungsabtheilung wurde gebildet aus Wildungen als 
Vorsitzendem, aus dem Regierungsrath von Gärtner 
und dem Justizrath von Eschstruth. Wildungens 
poetischer Begabung und deren Bethätigung ist schon 
gedacht, aber auch die beiden anderen Herren waren 
Dichter, Mitarbeiter an Musenalmanachen und sonsti 
gen belletristischen Zeitschriften. Da mag es nun in 
der Justiz manchmal etwas poetisch ausgesehen haben. 
Darf man von einer Sache auf andere schließen, so 
kamen natürliche Anschauung der Dinge und Hu 
manität zur Geltung, der Billigkeit wurde Raum 
gegönnt, lauter Dinge, von denen fünfzig Jahre später, 
als noch in denselben Räumen Dekrete und Bescheide 
erlassen wurden, keine Rede mehr war. Aber zurück 
zu unseren drei poetischen Juristen. 
.Ein Einwohner von Rosenthal verklagte den dor 
tigen Feldscheer, der ihn, wie er behauptete, durch 
ungeschickte Behandlung um den Daumen der einen 
Hand gebracht, auf Schadenersatz. Der Feldscheer 
hatte seine erste Instanz vor der Regierung. Die 
Sache wurde in den bekannten vier Sätzen verhandelt. 
Weiter stand nun noch nichts fest, als daß der Kläger 
sich vom Verklagten an einem schlimmen Daumen 
hatte behandeln lassen, daß diese Behandlung in der 
Verwendung von Tabakssutter bestanden, und daß der 
Daumen amputirt war. Welche Gelegenheit zur 
Einholung von Gutachten, vielleicht von auswärtigen 
Fakultäten! Die Herren dachten anders. Die Relation 
begann mit den Worten: ,Hin ist hin! verloren ist 
verloren. Den Daumen können wir dem Mann nicht 
wieder schaffen.- So ging's denn weiter. Wildungen 
als der letzte Votant schrieb unter die Relation: »ich 
denke, wir billigen dem Mann zwanzig Thaler zu. 
Sollte Beschwerde erhoben werden, so wird sich der 
Bescheid schon rechtfertigen lassen.- 
Es wurde keine Beschwerde erhoben. Alle Be- 
theiligten scheinen zufrieden gewesen zu sein, der 
Kläger, daß er 20 Thlr. erhalten, der Verklagte, daß 
er so davon gekommen, das Gericht, daß es die Sache 
abgemacht, und die Advokaten werden sich mit dem 
Gedanken getröstet haben, daß die Rosenthaler Kühe 
keine fette Milch geben. 
Ä. v. $. 
Aus Heimach und Fremde. 
Todesfälle. Am 19. v. M. starb hier in 
Kassel Plötzlich in Folge eines Schlagfluffcs der 
Regierungssekrctar z. D. Adam Hofmann. Ge 
boren 1814 zu Burghaun, Schüler des Gymnasiums 
und Lyceums zu Fulda, das er 1834 absolvirte, um 
zunächst Theologie an der katholisch-theologischen Lehr 
anstalt zu Fulda, später Jurisprudenz an der Landes 
universität Marburg zu studiren, trat er 1845 bei dem 
Kasseler Obergerichte als Referendar in den juristischen 
Vorbereitungsdienst, ging jedoch 1852 zur Verwaltung 
über und war zunächst Kreissekretar in Hünfeld, seit 
1855 Regierungssekretar in Kaffel. Einfach und 
schlicht in seinem Wesen, von biederem Charakter, 
fest in seinen Ansichten, ein wohlmeinender zuverlässiger 
Freund, seiner Kirche und seinem engeren Baterlande 
Kurheffen in treuer Anhänglichkeit zugethan, erfreute 
sich der Verblichene der allgemeinen Beliebtheit und 
Hochachtung. Sein Andenken wird von Allen, die 
ihn kannten, hoch gehalten werden. — 
Aus Amorbach in Unterfranken erhielten wir 
die Trauerkunde, daß dort am 19. September Frau 
Elise Trabert, die Gattin unseres hochgeschätzten 
Mitarbeiters Adam Trabert, gestorben ist. Sie 
hatte sich zur Herstellung ihrer geschwächten Gesund 
heit zu Pfingsten d. I. von Wien nach Amorbach 
zu nahen Verwandten begeben, aber trotz der sorg 
samsten Pflege, in welcher dieselben wetteiferten, ereilte 
sie dort- der Tod. Elise Susette Henriette Trabert, 
geb. Haumann, war als die jüngste Tochter des 
Packhofverwalters Jakob Haumann am 15. Februar 
1825 hier in Kaffel geboren. Sie genoß eine sehr 
sorgfältige Erziehung.
        

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