Full text: Hessenland (1.1887)

276 
„Hast vergessen Häuptling Roma's, 
Was du freien Männern schuldig — 
Setzest Sklaven der Asiaten, 
Die sich gleich zur Erde beugen, 
Bei dem Rauschen deines Mantels, 
Hinter Romas edle Väter? 
Run so müssen freie Männer 
Aus dem Volke der Germanen 
Sitzen auf dem Platz der Väter. 
Denn vor Allen auf der Erde 
Ragt der Freie deutschen Blutes, 
Der sein Knie noch niemals beugte, 
Als vor seiner Götter Hoheit. 
Sind jetzt auf dem Ehrenplätze, 
Wie er sich für uns gebühret, 
Die Gesandten deutschen Volkes, 
lind — wir werden ihn behaupten. 
Zitternd stehn die Senatoren, 
Drohend murmelt rings das Volk, 
Romas zarte Damen kreischen 
Und die wilden Prätorianer 
Greifen schon nach ihren Waffen. 
Doch die deutschen Degen stehen, 
Festgestützt auf lange Schwerter, 
Blicken furchtlos ins Gedränge, 
Ragend, hoch, gleich Meeresfelsen, 
Aus dem wilden Gischt der Brandung. 
Und der Cäsar, guter Laune, 
Hält vor Lachen sich das Bäuchlein 
Bei der rohen Deutschen Trotzen 
Und der Angst der Senatoren, 
Winket Ruh' den Prätorianern, 
Ruft den Deutschen lachend zu: 
„Setzt Euch nieder, Ihr Barbaren, 
Habt den Ehrenplatz. erworben, 
Riemand soll Euch sein berauben. 
Wollte, meine feinen Römer 
Hielten stetig so auf Ehre"! 
Und die Deutschen blieben sitzen. 
Und es hofft, der dies gesungen, 
Daß der Ehrenplatz der Völker, 
Stets von Deutschen eingenommen, 
Daß auch allzeit deutsche Helden 
Sind bereit ihn zu erkämpfen. 
Kran» Hrelker. 
Gin fallende» Klatt. 
Daß es den Himmel finde 
Vom Erdenthum erlöst, 
Giebt sich das Blatt dem Winde, 
Der es zu Boden stößt. 
O Herz, so laß dir sagen: 
Du bist wie dieses Laub; 
Was dich soll aufwärts tragen, 
Das wirst dich in den Staub. A. Sank. 
Aus alter und neuer Zeit, 
Vom 1. Oktober 1586 datirt eine schriftliche Er 
mahnung des Landgrafen Wilhelm IV., des 
Weisen, an seinen Neffen, den Herzog Friedrich von 
Holstein-Gottorp, als dieser znr Regierung kam. Es 
sind goldene Rathschläge, welche hier der Landgraf 
seinem Schwestersohne ertheilt, die seinen frommen, 
rechtlichen Sinn, seine christliche Nächstenliebe und 
die Sorge für das Wohl seiner Unterthanen wieder 
spiegeln. Nachdem er seinen Neffen ermahnt, die 
Mutter zu ehren, diesem Glück zum Antritte der 
Regierung gewünscht, und demselben die Gottesfurcht 
und den Schutz des Evangeliums an das Herz gelegt 
hat, fährt er fort (wir bedienen uns des Landgrafen 
eigener Schreibweise): 
»Fürs ander, Nachdem der Atmechtge Ew. Liebden 
in Fürstlichen Standt gesetzt, so wollen E. L. sich ja 
nicht lassen bereden, oder sonst in sie lasten, daß E. 
L. die zeitliche Gütter allein zue Ihrem tust vndt 
Wohlleben geben seindt, Sondern ste seindt E. L. von 
Gott darumb geben, daß Sie damit pro suo talento 
die Kirch Gottes, auch Ihre anbefohlne Vnterthanen 
schützen vndt schirmen, reine vndt trewe lehrer dem 
volck vorstellen vndt gleichsame jnstiosc den armen 
wie den reichen et e contra halten, vndt die armen 
für Vnbillicher Vntertruckung beschützen sollen, Da 
rumb lassen sich E. L. diese curam negst den vorigen 
hochangelegen sein, vertrawens nicht allein ihren 
Rethen sondern sehen auch selbst mit zue, wie mit 
Ihren armen Bnderthanen gehauset, vndt vmbgangen 
wirdt, in ansehung, daß Gott der Herr daß volck 
E. L. principaliter befohlen, vndt vornemblich von 
E. L. gubemationis rationem auf jenem tag fordern 
wirdt, Darumb wollen auch E. L. Ihres Herren 
Vatters fromme probirte Reihe vnd Dienere, die der 
Sach vnd lande gelegenheil wissen, trewen rath folgen, 
vnd nicht wie Rheobeam Salomonis Sohn thete, sie 
für den Kopfs stoffen, vndt etwa auf junger vner- 
fahrner leute angeben Ihre vnderthanen wieder recht 
vndt Herkommen beschwehren vndt wieder sich erregend 
Man sieht, Landgraf Wilhelm IV. von Hessen 
verdiente nicht blos wegen seiner Gelehrsamkeit den 
Beinamen „der Weise". 
Probatum est. Drastisches Mittel zur 
Heilung einer „bösen Sieben." Es ist bekannt' 
daß noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
im Fürstenthum Fulda die Sitte bestand, die Ver 
letzung der männlichen Oberherrlichkeit an den Weibern, 
oder besser zu reden, die Feigheit an den Männern, 
auf die sonderbarste und empfindlichste Art zu rügen. 
Wenn ein Mann überwiesen wurde, von seiner Frau 
Schläge bekommen zu haben, so hatte das fürstliche 
Hofmarschall-Amt das Recht die Sache zu untersuchen, 
und wenn die That begründet war, eine ganz außer 
ordentliche Strafe zu erkennen, welche darin bestand,
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.