Full text: Hessenland (1.1887)

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sich Lorbeer« errungen, weit mehr noch hat er 
sich ausgezeichnet, als der stets um das Wohl 
seines Landes, seiner Unterthanen besorgte Fürst, 
als Gesetzgeber, als Staatsmann. Seltsam, der 
Name und die Geschichte dieses durch seine Re 
gententugenden hervorragenden Fürsten sind wenig 
bekannt geworden und doch verdient gerade Land 
graf Ludwig I. in der langen Reihe berühmter 
hessischer Landgrafen in erster Linie genannt zu 
werden. Und hoch verdient hat er sich auch um un 
sere Vaterstadt Kassel gemacht. Er war bürger 
freundlich gesinnt gleich seinem Vater, dem Land 
grafen Hermann dem Gelehrten. Durch seine 
Bauthätigkeit verschaffte er den Bewohnern Be 
schäftigung und lohnenden Verdienst, und bei 
sämmtlichen Verordnungen, die er erließ, hatte 
er nur die Wohlfahrt der Bürger im Auge. 
Welchen hohen Ansehens er sich im Rathe der 
Fürsten und der Großen des Reiches erfreute, 
das geht aus dem Umstande hervor, daß man 
ihn zumeist zum Vermittler in Fehdeangelegen 
heiten erwählte, und gut waren die Parteien 
berathen, denen er seine Dienste widmete. Von 
strenger Gerechtigkeitsliebe beseelt und abhold 
unfruchtbaren Streitigkeiten vermittelte er den 
Frieden. Und wenn Papst Nikolaus V. ihm 
die „goldene Rose" und den Ehrentitel »Prin- 
ceps pacis“ verlieh, wohl der schönste, der einen 
Fürsten zieren kann, so waren diese Auszeich 
nungen wohl an den Würdigsten der Würdigen 
gelangt. Ein nicht minder ehrenvolles Zeugniß 
gab ihm Aeneas Sylvius, des deutschen Kaisers 
Friedrichs III. geistvoller Geheimschreiber, der nach 
malige Papst Pius II., indem dieser ihn als den 
einzigen Fürsten seiner Zeit hinstellte, der nie 
in seinem Leben ein ungerechtes Urtheil gefällt 
habe. 
Sollen wir hier noch einer der trefflichen 
Eigenschaften des an Regententugenden so reichen 
Landgrafen Ludwig Erwähnung thun, so ist es 
die Frömmigkeit des Herzens, die keinen unlauteren 
Gedanken aufkommen ließ, verbunden mit der 
Demuth und Sanftmuth seines wahrhaft edlen 
Sinnes, Eigenschaften, wie dieselben in solcher 
Vereinigung, wie bei ihm, nur höchst selten bei 
den Führern der Völker vorkommen. — 
Es ist nicht unsere Absicht, hier ein um 
fassendes Lebensbild des Fürsten des Friedens, 
Ludwigs I. von Heffen, zu entwerfen, das müffen 
wir berufeneren Historikern überlassen, uns ist 
es vielmehr nur darum zu thun, die Haupt 
momente aus dem Leben eines Regenten zu 
schildern, den zu besitzen wir Heffen vor anderen 
deutschen Stämmen stolz sein können. Wenden wir 
uns nun nach vorstehender Einleitung in unserer 
nächsten Nummer zu unserer Aufgabe selbst. 
(Fortsetzung folgt.) 
abern. 
Von W. Rogge-Tuöwig. 
sohl kein anderes Land war in früheren 
Zeiten so reich an prunkvollen fürstlichen 
Schlössern, als das Hessenland, jetzt aber 
zeigen viele derselben nur noch geringe Spuren ihrer 
einstigen Pracht und Herrlichkeit, da sie im Laufe der 
Zeit zu praktischeren Zwecken, zu Gerichtslokalen 
oder gar zu Strafanstalten verwendet worden sind. 
So hat auch das stolze und historisch bedeutsame 
Schloß zu Marburg, einst dazu bestimmt, Philipps 
alte Stadt zu hüten, dem Geschicke nicht entgehen 
können, viele Jahre hindurch zur Verwahrungs 
anstalt der schwersten Verbrecher des Landes zu 
dienen und ist erst in neuerer Zeit einer seiner Ver 
gangenheit würdigen Bestimmung zurückgegeben. 
Ein noch härteres Schicksal hat das in den Jahren 
1704 bis 1707 von dem Landgrafen Karl erbaute 
und zum Lustschloß seiner Gemahlin Marie 
Amalie bestimmte Schloß zu Wabern betroffen. 
Einst der Lieblingssitz hessischer Fürsten, ist es 
jetzt all seines einst so reichen Schmuckes im 
Innern entkleidet, völlig umgebaut und zu einer 
Verwahrungs- und Befferungsanstalt für jugend 
liche Verbrecher bestimmt worden. Da möchte 
es wohl angezeigt sein, einen Rückblick auf die 
Zeit zu werfen, in welcher dort nicht die Zucht 
ruthe, sondern nur Lust und Fröhlichkeit herrschte, 
zumal es, soweit mir bekannt ist, an einer Geschichte 
desselben noch gänzlich fehlt. 
Landgraf Karl, welcher das Gebäude mit zwei 
Stockwerken massiv und in einem nicht ungefälligen 
Stil erbauen und mit einem Park umgeben ließ, 
hatte in der großen, weiten und fruchtbarsten
        

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