Full text: Hessenland (1.1887)

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wie man es sich nicht schwieriger denken konnte. Für 
die Husaren war der Abmarsch noch gefährlicher, da 
sie mit. einer großherzoglich hessischen Eskadron (Che- 
vauxlegers) bis zum Abfahren der österreichischen 
Geschütze ausharren mußten, welche den Abzug der 
Infanterie so gut als möglich deckten. Gleich der 
großherzoglich hessischen Eskadron versuchten die beiden 
Eskadrons des Husaren-Regiments den nachdrängenden 
Feind durch eine Attaque aufzuhalten, dieselbe blieb 
jedoch ohne Erfolg, und unter dem wirksamen Feuer 
des Zündnadelgewehrs gelangten die Husaren nach 
der Mainbrücke, wo sie mit dem Bedeckungszuge des 
Premier-Lieutenants von Stamford zusammentrafen. 
Letzterer hatte am Bahnübergänge, wo sich Alles 
staute, zum Gefecht zu Fuß absitzen laffen, um der 
Batterie Luft zu schaffen und ihr den Abzug zu er 
möglichen. Die Husaren passirten als letzte Truppen 
die Brücke und erlitten hierbei wiederum Verluste, 
die noch stärker gewesen wären, wenn die Preußen 
die zwei Eskadrons im ersten Moment nicht für 
preußische 8. Husaren gehalten hätten. 
Auf der Brücke resp. beim Abzüge von derselben 
.erhielt der Chef der 2. Eskadron, Rittmeister von 
Baumbach, einen Schuß durch den Leib (in die 
Lende von hinten schräg nach vorn); dieser schweren 
Wunde erlag der brave Offizier leider 3 Tage darauf. 
Unmittelbar nach Baumbach wurde Lieutenant von 
Schachten am Kopf leicht verwundet; Rittmeister 
von Amelunxen hatte beim Vorgehen der Schwadronen 
einen bedeutenden Prellschuß gegen das rechte Schulter 
blatt erhalten. Die 2. Eskadron verlor 3 Unter 
offiziere: Stuckhardt, Stamm und Krauskopf; ersterer 
war mit einem Verwundeten zurückgeschickt worden 
und versuchte, um die Eskadron zu erreichen, mit 
eiriepr Husaren durch den Main zu schwimmen, wo 
bei Stuckhardt, ein ausgezeichneter Soldat, erschaffen 
wurde. 
Die Husaren-Division übernahm die Arriöregarde 
der 4. Division (Graf Neipperg) bis nach Baben 
hausen, woselbst sie um l / 2 4 Uhr Nachmittags eintraf 
und Bivouak bezog. Bei dem hier abgehaltenen 
Appell fehlten außer den verwundeten Rittmeistern 
von Baumbach und von Amelunxen die Aerzte: 
Assistenzarzt Dr. Leibrock, Eskadrons-Wundarzt Meyer 
und Eskadrons-Thierarzt Collmann nebst 95 Mann 
und 109 Pferden. Der verwundete Seconde-Lieutenant 
von und zu Schachten wurde von hier ins Spital 
nach Darmstadt überführt. 
Nachdem sich in den nächsten Tagen die Hand 
pferde, sowie einzelne Versprengte wieder eingefunden 
und die gefangen gewesenen 3 Aerzte zurückgekehrt waren, 
bestand der Verlust in 3 Offizieren und 17 Mann. 
Hiervon waren todt, bezw. an den Wunden ge 
storben: Rittmeister K. L. v. Baumbach (zu Baben 
hausen gestorben), Quartiermeister Stamm, Korporal 
Stuckhardt, Korporal Krauskopf (letztere drei zu 
Aschaffenburg begraben); verwundet: Rittmeister 
von Amelunxen, Divisions-Adjutant Seconde-Lieutenant 
von und zu Schachten, Husar Kersten, Karabinier 
Albert, Husar Pfister I, Quartiermeister Althaus, 
Korporal Schmoll, Husar Flies, Husar Pfister II, 
Husar Pietsch, Karabinier Sinning; vermißt 
wurden: die Husaren Knocke, Zengerle, Barthel, 
Hassenpflug, Oechsner. 
Außerdem hatte die Husaren-Division einen Ver 
lust don 18 Pferden (10 todt), wobei eine große 
Anzahl verwundeter Pferde, die milgeführt wurden, 
nicht einbegriffen sind." *) 
So lautet Heusinger's Bericht. Die Verfasser der 
»Geschichte des Husaren-Regiments" fügen demselben 
folgende Worte der Anerkennung hinzu: »Ueberblicken 
wir kurz den Tag von Aschaffenburg, so war derselbe 
trotz des Sieges der Preußen für die hessischen Hu 
saren immerhin ein Ehrentag zu nennen: sie hatten 
ihre Schuldigkeit bis zum letzten Moment gethan, 
thätigen Antheil bei Deckung des Rückzuges genommen 
und nicht unbedeutende Verluste erlitten. Das stunden 
lange Halten im Infanterie-Feuer, besonders aber 
an der Queue der Truppen durch ein enges Straßen- 
Defilee waren eine harte Probe für die Husaren- 
Division. Jedenfalls bewiesen die beiden Eskadrons 
bei diesem unglücklichen Gefecht am 14. Juli, daß 
Manneszucht und Tapferkeit ein Erbtheil der kur 
hessischen Krieger sei." 
Und der österreichische Feldmarschall-Lieutenant Graf 
von Neipperg entließ mit folgenden Abschiedsworten 
die hessische Husaren-Division, als dieselbe am 3. August 
unter das Kommando der Brigade Nassau gestellt 
wurde: 
4. Division des 8. deutschen Bundes-Armeekorps. 
Ich rechnete mir jederzeit zur besonderen Ehre, 
die kurhessische Husaren-Division meinem Kommando 
unterstellt zu wiffen, um so mehr muß ich jetzt be 
dauern, diese musterhafte Reitertruppe aus dem dienst 
lichen Verbände der Division scheiden zu sehen. Bei 
diesem Anlaffe fühle ich mich angenehm verpflichtet, 
der Husaren-Division für den stets bewährten vor 
züglichen militärischen Geist, strenge Aufrechterhaltung 
einer musterhaften Disziplin, sowie auch muthvolle 
Ausdauer in allen Kriegsstrapazen, feindlichen Be 
gebenheiten und Gefechten meine vollste Anerkennung, 
desgleichen dem Herrn Kommandanten und den 
Herren Offizieren meinen wärmsten Dank für die 
mir von ihnen zu Theil gewordene aufopfernde 
Unterstützung auszusprechen und Allen meine besten. 
Wünsche für die Zukunft entgegen zu bringen. 
*) Wir erwähnen an dieser Stelle als merkwürdiges 
Vorkommniß, daß die Pferde des gefallenen Rittmeisters 
von Baumdach, welche an einen württemdergifchen Offizier 
übergegangen waren, im späteren Verlaufe des Krieges, 
als die dessischen Husaren das Bivouak eines württem- 
deraischen Reiterregiment passirten, ihre alten Gefährten 
wiedererkannten, freudig wieherten, sich los rissen und sich 
mit Gewalt den Escadrons anschließen wollten.
	        

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