Full text: Hessenland (1.1887)

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eine ebenso unterhaltende wie belehrende Lektüre und 
verdient auf das Beste empfohlen zu werden. Bor 
allem aber liefert uns die Geschichte dieses Regi 
ments einen neuen Beweis der heldenmütigen Tapfer 
keit, von welcher von jeher die hessischen Truppen 
beseelt waren., 
Es ist uns nicht darum zu thun, hier eine ein 
gehende Kritik des Werkes zu liefern, wohl aber ge 
statten wir uns, einen kurzen Auszug aus demselben 
zu geben, der das Treffen bei Aschaffenburg am 
14. Juli 1866 zum Gegenstände hat, in dem gerade 
das 2. kurhessische Husaren-Regiment (Herzog von 
Sachsen-Meiningen) in hervortretender Weise be 
theiligt war. *) 
An dem eigentlichen Kriege des Jahres 1866 
nahm von der kurhessischen Armee wie bekannt nur 
das 2. Husaren-Regiment aktiven Antheil, die übrigen 
kurhessischen Truppentheile befanden sich in der Festung 
Mainz. 
Das 2. kurhessische Husaren-Regiment war der 
von dem Feldmarschall-Lieutenant Grafen v. Neipperg 
kommandirten österreichischen Infanterie-Division des 
8. Armeekorps, welches unter dem Oberbefehl des 
Generals der Infanterie Prinzen Alexander von 
Heffen stand, zugetheilt und in eine Division zu 
2 Feld-Eskadrons h 140 Pferden formirt worden. 
Zu dieser Division waren folgende Offiziere rc. kom- 
mandirt: Divisionsstab: Kommandeur Major Heu 
singer von Waldegg, Adjutant Seconde-Lieutenant 
von und zu Schachten, Zahlmeister Rübsam, (Divi 
sionsschreiber Q. M. Stehling, Büchsenmacher Haefner, 
Sattler Fülling, Trainführer Quartiermeister Haar); 
1. mobile Kolonne: Rittmeister von Amelunxen, 
Premier-Lieutenant Nebelthau, Premier-Lieutenant von 
der Malsburg, Seconde-Lieutenant Heym, Seconde- 
Lieutenant von Meyerfeld, Seconde-Lieutenant Dörr, 
Eskadrons-Wundarzt Meyer, Eskadrons-Thierarzt 
Collmann, (Wachtmeister Bobel); 2. mobile Eskadron: 
Rittmeister von Baumbach, Premier-Lieutenant von 
Stamford, Seconde-Lieutenant Beinhauer, Seconde- 
Lieutenant Ruhl, Seconde-Lieutenant von Ochs, 
Assistenzarzt Dr. Leibrock, Eskadrons-Thierarzt Heß 
berger, (Wachtmeister Spohr). 
Die kurfürstlich hessische Husaren-Division traf am 
2. Juli in Homburg vor der Höhe ein und machte 
bis zum 9. Juli als Avantgarde der 4. Division 
(Graf Neipperg) den Marsch durch das Vogels - 
gebirge mit. Vom 9. bis 13. Juli verblieben die 
Eskadrons in Praunheim. 
Der preußische General v. Falkenstein bedrohte nach 
den Gefechten mit den Bayern bei Kissingen und 
Hammelburg und mit den Darmstädtern bei Laufach 
durch die Division Goeben das 8.Armeekorps und die freie 
*) Die Schilderung in dem angezogenen Werke beruht 
außer den allgemeinen gedruckten Quellen speciell auf dem 
Berichte des Majors von Heusinger und dem Kriegs 
tagebuche des Premier-Fieutenanfs von Gtamforh. 
Reichsstadt Frankfurt a. M. Zum Schutz derselben 
schickte Prinz Alexander die hessische und österreichische 
Division unter dem Grafen v. Neipperg nach Aschaffen 
burg; die hessischen Husaren wurden am 13. Juli 
Nachmittags alarmirt und erhielten Marschbefehl nach 
Aschaffenburg über Seligenstadt, welchen Ort sie 
Abends 11 Uhr erreichten. 
Ueber die Theilnahme der hessischen Husaren am 
Gefecht von Aschaffenburg spricht sich der Bericht des 
Kommandeurs derselben, Majors von Heusinger, wie 
folgt aus: 
„Am 14. Juli Morgens um 4 Uhr marschierte die 
Husaren-Division aus Seligenstadt und traf gegen 
7 Uhr an der Mainbrücke westlich von Aschaffenburg 
ein. Gegen 9 Uhr brachte der Adjutant (Neipperg's) 
den Befehl, durch die Stadt zu marschieren und vor 
dem östlichen Ausgange Aschaffenburgs Bivouaks zu 
beziehen und abzukochen. Die Division marschierte 
circa 600 Schritt östlich der Stadt, 400 Schritt 
rechts neben der Straße nach Goldbach, auf dem 
Platze der abmarschiernden großherzoglich hessischen 
Infanterie auf und hatte ihren rechten Flügel an die 
Infanterie gelehnt. Ehe jedoch abgesessen wurde, 
kam bereits die Meldung, daß der Feind *) in drei 
Kolonnen angreife, und 10 Minuten später fielen 
auch die ersten Kanonenschüsse (zwischen Vs und 
3 / 4 10 Uhr); das feindliche Feuer rückte alsbald so 
nahe, daß die Division vielfache Verluste an Leuten 
und Pferden durch Infanterie-Feuer zu erleiden hatte; 
der 4. Zug der 2. Eskadron (Premierlieutenant von 
Stamford) wurde zur Deckung einer Batterie**) 
detachirt. Ohne einen Feind zu sehen, mußte die 
Division bis nach 11 Uhr diesen Platz behaupten, 
zog sich dann links auf die nach Goldbach führende 
Straße, schwenkle hier nochmals um mib zog sich 
hierauf — nachdem die Infanterie bereits zurück 
gegangen — durch die Stadt über die Mainbrücke 
zurück. Die Bagage war von Seligenstadt nach 
Babenhausen dirigirt, die Handpferde wurden aus der 
Gefechtsstellung hinter die Brücke zurückgeschickt, ge- 
riethm hier in die österreichischen Train-Kolonnen 
und wurden nach Seligenstadt versprengt. 
Auf dem Rückzüge durch die Stadt und besonders 
beim Uebergange über die Brücke hatte die Division 
noch viel unter dem Feuer der bereits in die Stadt 
gedrungenen Preußen zu leiden, und einzelne Ab 
theilungen wurden abgeschnitten, die sich jedoch zum 
Theil über die Eisenbahubrücke bei Stockstadt retteten 
und in Seligenstadt an die Handpferde anschlössen. 
Der Rückzug aus der an und für sich nicht gün 
stigen Stellung war der wundeste Punkt in diesem 
unglücklichen Gefecht. Die Stadt Aschaffenburg mit 
einer einzigen Brücke über den Main, nach welcher 
alle Truppen sich hindrängten, bildete ein Defilee, 
*) Preußische Division Goeben. 
**) 7 ? österreichische gezogene Vierpfünder-Batterie.
	        

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