Volltext: Hessenland (1.1887)

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in welcher Hand er die, köstliche Blutnuß halte, 
die er an dem selbst gepflanzten Nußbaum gezogen. 
Mit den lustigen Jagdgeschichten war es vorbei 
und Waldmann, das kluge Thier, schlich mit 
hängendem Kopfe umher. Es wurde Abends 
kein Pfannenkuchen gebacken, denn der alte Herr 
hätte ihn doch nicht essen können. 
Drinnen in der Kammer, durch deren Fenster 
die Frühlinassonne schien, da lag er schwer er 
krankt! Und wenige Tage noch, dann war seine 
Seele der irdischen Hülle entflohen. Ein biederes, 
deutsches Herz hatte ausgeschlagen. 
Das ganze Dorf nahm Theil an dem Trauer 
fall, denn der „ahle Förschter" war ja eine be 
liebte Persönlichkeit. 
Sie wanden um den Sarg Guirlanden aus 
Eichenlaub und die Forstlaufer des Reviers 
trugen ihn hinaus zur letzten Ruhestätte. 
Kurze Zeit darauf schloß auch seine treue 
Lebensgefährtin die müden Augen für immer. 
Er war nicht mehr da, für den sie gewirkt und 
geschafft, was sollte sie noch in der Welt? 
Bald stand das schlichte, alte Haus ganz ver 
ödet. Wir Kinder aber gedachten oft und mit 
aufrichtiger Trauer unseres alten Freundes. 
Der See bei ObereUenbach. 
(Hessische Sage.) 
Fern droben in grüner Waldesnacht, 
Auf einsam-schweigender Höh', 
Vom Schatten der Eichen überdacht, 
Liegt ein tief-dunkeler See. 
Draus stiegen vor Zeiten zum sonnigen Tag 
Drei hdlde Nrxen zumal, 
Sie.wandelten durch den grünen Hag 
Und lauschten hinunter ins Thal. 
Und wenn im Dorfe drunten erklang 
Das Lied zum Reigentanz, 
Dann wanden sie sich ins feuchte Haar 
Aus grünem Schilfe den Kranz. 
Sie stellten sich mit zum fröhlichen Reih'n, 
Geschürzt das weiße Gewand, 
Sie tanzten, bis der Sonne Schein 
Fern hinter den Bergen entschwand. 
Und so tanzten sie einst, und der Lieder Klang,. 
Wie hob er der Jüngsten die Brust! 
Denn um den schönsten der Burschen schlang 
Sie den Arm in Liebe und Lust. 
Doch die Sonne sank, es kam die Nacht, — 
Da faßte sie tötliche Angst: 
„£> weh, zu schnell verrann dir die Zeit, 
„Da um den blühenden Burschen heut' 
„Die weißen Arme du schlangst." 
Laut rief und klagte das arme Kind: 
„Wo sind die Schwestern mein? 
„Warunt denn gingen sie fort geschwind, 
„Und ließen mich hier allein?" 
Sie klagte in bitterem Herzeleid, 
Es jammerte Jung und Alt. 
Und alle gaben ihr das Geleit 
Zum See hoch droben im Wald. 
Es schwieg die Flut geheimnißvoll, — 
Da sprang sie schaudernd hinab. 
Ein dumpfer Klagelaut erscholl 
Aus dem schaurig-dunkelen Grab. 
Und sieh! aus der gähnenden Tiefe quoll 
Ein Blutstrom schwarz empor, — 
Dann wieder lag geheimnißvoll 
Der See, und stunim wie zuvor. 
Wohl erklangen im Dorfe das nächste Jahr 
Die Reigenlieder so laut. — 
Die Nixen aber mit feuchtem Haar 
Hat keiner wieder geschaut! 
Armmer. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Das 2. kurhessische Husare «-Regiment 
im Gefecht bei Aschaffenburg am 14.Juli 
1866. Bei anderer Gelegenheit haben wir bereits 
des trefflichen Buches »Geschichte des königl. preu 
ßischen 2. hessischen Husaren-Regiments Nr. 14 und 
seiner hessischen Stammtruppen 1700—1886“, her 
ausgegeben von den früheren Offizieren des Regi 
ments Rittmeister Karl von Kossecki und Rittmeister 
Robert Freiherrn von Wrangel, Erwähnung gethan. 
In schöner Sprache und fesselnder Darstellungsweise 
geschrieben, nach den besten und reichhaltigsten Quellen 
bearbeitet, bietet das möglichst objektiv gehaltene Werk 
für alle, die sich für Militärgeschichte interessiren,
        

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