Full text: Hessenland (1.1887)

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Vie de Guillaume I, Electeur de Hesse* von 
Jahr zu Jahr verzeichnet. Begonnen wird mit 
dem Jahre 1748 »Cbansernent de reli^ion de 
Son Pere Frederic II en Secret.“ 1754 „Devenu 
Public.“ Auf das Verhältniß zu seinem Vater 
bezieht sich dann noch die Bemerkung zum Jahre 
1784 „Raccomodement paternel. Retour a 
Cassel sans avoir vu Son Pere depuis 29 ans.“ 
Seine Aufzeichnungen enthalten fast durchgängig 
bereits geschichtlich bekannte Thatsachen und mögen 
davon nur hier hervorgehoben werden, daß er nach 
Erwähnung der Heirath des Erbprinzen mit der 
Prinzessin Auguste von Preußen und der Hoch 
zeitsfeierlichkeiten im Jahre 1797 zum Jahre 
1800 unter den principales epoques seines 
Lebens bemerkt: „Brouilleries entre le Prince 
hereditaire et son Epouse“, und daß er bei 
Anführung des Baseler Friedens (1795) schreibt: 
„Hessen die Vormauer (le bqulevard) Preußens." 
Von besonderem Interesse ist am Schlüsse des 
Notizbuches des Kurfürsten die Aufzählung der 
Summen, welche er in Itzehoe und Prag für die 
Wiedererlangung seiner Staaten verausgabt hat. 
Zuerst kommt folgende Notiz: 
„Den 5. November 1806 schrieb zu Altona 
an den französischen Kaiser, durch Bourrienne, 
(französischer Gesandte zu Hamburg), 
und folgen dann die verausgabten Beträge: 
1. den 28. December 1806 wurde mit 
obigem durch Fürst Wittgenstein eine 
Negotiation zur Wiedererlangung Hessens 
geschlossen und bezahlt mit 200 000 Thlr., 
2. im Januar 1807 erhielt Lagrange 175 000 
Thaler, 
3. im April 1807 wurde Fürst Wittgen 
stein nach London gesandt, und da Er 
im April zu früh herausgekommen, durch 
Versicherung des ihm vorher abgeschlagenen 
Plettenbergschen Anlehens a 310 000 Thlr. 
vermocht, wieder zu retourniren und 
vorher nach Rußland zu reisen, sobald 
er die 310000 Thaler gezogen hatte, 
zog er sich heraus und hat noch keinen 
Heller Zinsen gezahlt. 
4. September 1807 wurde Gehling, der 
die Russische Reise sowie Malsburg und 
General Lehsten abgelehnt hatten, nach 
Paris geschickt. 
5. September 1807 begann Wächter seine 
Negotiationen mit 8000 Thaler. 
6. Im Mai und April 1809 wurde zu 
Prag ein Corps errichtet und kostete 
800000 fl. W. Cour. ladt, 200000 
Thlr., rückständige Zahlungen 200 000 fl., 
50 000 Thlr. Zusammen 943 000 Rthlr. 
Hess. Währung. Verlust ohne alle Reise 
kosten, Diaeten rc. 
Aus diesen Angaben ergießt sich zunächst, daß 
v. Berlepsch in seiner im Jahre 1817 erschienenen 
Schrift „Beiträge zu den Heffen-Kaffelschen Land 
tagsverhandlungen der Jahre 1815 und 1816" 
bei seiner Kritik der D. O vom 3. Febr. 1815, 
betreffend die Ausschreibung der Petri- und 
Martinisteuer, mit Recht sagen konnte „mit dem 
Anführen, daß er arm sei, wird der Kurfürst 
niemanden blenden, er hat bei seinem Re 
gierungsantritt volle Kasten gefunden und diese 
stets vermehrt, er hat sieben Jahre hindurch, ohne 
Landes- und Chatoulleeinkünfte zu beziehen, im 
Auslande anständig gelebt, sofort 200000 Thlr. 
zu Breslau in die Operationskaffe der hohen 
Verbündeten gezahlt, und wie in der V. O. an 
geführt wird zur Ausrüstung des Corps von 
26 000 Mann gegen Frankreich bedeutende Be 
träge vorgeschoben, der Staatsschatz ist noch 
beträchtlicher, als man ihn angiebt rc." 
Der Kurfürst war aber auch nach dem Notiz 
buch schon in der ersten Zeit seiner Verbannung 
in der Lage, zur Wiedererlangung seiner Staaten 
über so bedeutende Summen verfügen zu können. 
Die Hoffnung dieses Ziel zu erreichen, hat er zu 
keiner Zeit aufgegeben. Anfangs hatte er von 
den vereinigten preußischen und rusfischen Streit 
kräften, sowie von England, und im äußersten 
Falle von einem Friedensschluß eine günstigere 
Wendung seines Schicksals erwartet, und erst 
als diese Hoffnung durch den Frieden von Tilsit 
vereitelt war, noch Rettung bei Oesterreich 
gesucht und sich zu diesem Zwecke nach Prag 
begeben. 
Nachdem seine Absicht, selbst zu Napoleon 
zu reisen und mit diesem direct zu verhandeln, 
hatte aufgegeben werden müssen, auch die Unter 
handlungen seiner Agenten, des geheimen Raths 
von der Malsburg, des Kriegsraths von Stark- 
loff und des Generals von Lehsten-Dingelstädt 
mit Napoleon in Berlin nicht zum Ziele geführt 
hatten, übersendete er von Itzehoe aus dem 
russischen Kaiser ein selbstverfaßtes Memoire 
über seine Lage und knüpfte mit England Unter 
handlungen an. Zu diesem Zwecke erschien ihm 
als der geeignetste Unterhändler der frühere 
preußische Gesandte in Kassel Fürst Wilhelm 
von Wittgenstein, welcher im Auftrag Preußens 
mit England wegen einer von diesem Staate 
nach dem Norden von Deutschland zu richtenden 
Expedition unterhandelte. 
Die Erfahrung, daß es zu allen Unterhand 
lungen bedeutender Geldmittel bedürfe, hatte er 
S hon vor seiner Entthronung gemacht. Vor 
em Ausbruche des Krieges zwischen Frankreich 
und Preußen war ihm aus vertrauten Händen, 
(von Johannes von Wellenberg, dem Bevoll 
mächtigten des römischen Kaisers), ein Schreiben
	        

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