Volltext: Hessenland (1.1887)

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Proportion Kavallerie zum General Clairsait 
geschickt, und diese wird hoffentlich noch zertig 
genug kommen, um Flandern zu retten, sonst 
würde es schlimm aussehen, und wir durch diese 
starken Diversionen gezwungen werden, LandrecieS 
zu verlaffen. — H. v. 
elagerle Hessen. 
In Nr. 14. unserer lieben Zeitschrift „Heffen- 
land" findet sich ein Büchlein angezeigt über das 
Festungs-Trumm des Hohentwiels, im alten 
uns durch Scheffel's Eckehart so vertraut gewor 
denen Hehgaue (nicht: Höhgau). Gewiss darf 
beim Mahnen jenes Namens auch ein hessisches 
Herze höher schlagen; denn unlösbar hat unser 
Landsmann Konrad Wiederhold seinen mit 
dem zener schwäbisch-alemannischen Veste für alle 
Zeit zu verknüpfen gewußt. 
Es war das Ringen des zähen hessischen Geistes 
in Mitten feindseliger Welt, der immer aus sich 
selbst heraus, im Wachsen aller Widerwärtigkeit 
vielmehr neue größere Kräfte zu gewinnen scheint. 
Erwähnt sei doch, daß die heute in wirtenbergi- 
schem Heeres-Dienste vorfindlichen „Wiederholde" 
nicht etwa zur Sippe unseres Helden gehören. 
Mir drängte sich beim Lesen obiger Besprechung 
ein anderer weiterer Gedanke auf: wie viele be 
deutsam« Belagerungen, mit ausgezeichneten Tatm 
hessischer Männer und Truppen, ebenwol gerade 
unsere, überhaupt so rühmliche Kriegs-Geschichte 
aufzuweisen habe! 
Blicken wir zurück bis zum Ausgange des 
Mittelalters, so leuchtet uns zunächst die helden 
hafte Verteidigung der Festung Neuß entgegen, 
durch wenig mehr denn ein schwaches Häuflein 
Todes mutiger Heften. Hier brach sich in 1474 
so recht eigentlich die beste Kraft des bislang 
unbewältigten Burgunden-Herzoges Karl's des 
Kühnen, der vielfach als Schöpfer stehender Heere 
gefeiert, jedes Falles über eine ganz vortreffliche 
ansehnlichste Kriegs-Macht gebot. Karl's Mis- 
erfolg vor Neuß ließ ihn mit minderer Wucht 
in 1476 den Schweizern bei Murten gegenüber 
treten. 
Warum wird immer nurMurten's gedacht? Römer 
und Griechen hätten ein Ringen wie um Neuß 
doch in unsterblichen Liedem besungen. Hessen 
stund übrigens auch damals schon an der Spitze 
alles wehrtümlichen Fortschrittes. So verständig 
ten sich die hessische Besatzung im Platze und das 
hessische Entsatzes-Heer außerhalb durch Brief 
kapseln in und an Geschahen ihrer „Muserei" wie 
der älteste hessische Name des groben Geschützes 
und überhaupt der Stückwehr dann war. 
Don Neuß am Rheine darf heimatliche Liebe 
und vaterländischer Ehren-Stolz uns an die 
Schwalm gett Ziegenhain entführen, wo ein 
Heinz v.Lüder in 1546 und folgenden Jahren 
seinen Namen in Erz und Stein gegraben. Fast 
sollte man wähnen, Konrad Wiederhold habe sich 
ein Jahrhundert später am Vorbilde seines gro 
ßen Schwälmer Landsmannes im Gemüte auf 
gebaut zu gleicher Treue und Standhaftigkeit. — 
Doch bedeutsamer denn alle, durch Jahre ge 
führte Kämpfe um den Hohentwiel ist die wehe 
vollste Belagerung des ganzen dreißigjährigen 
Krieges: das Trauerspiel von Magdeburg 
Da Gustav Adolf nt 1630 — ebenwol also 
in einem Quinten-Jahre — an pommerischer 
Küste gelandet war, erkannte er sofort die hohe 
Wichtigkeit jenes starken Wasfen-Platzes an nie 
derer Elbe, gegen den ein bayrisches Heer unter 
Tilli im Änzuge sich befand, dessen Bürgerschaft 
durch Parteiungen gespalten, zum Teile gut 
kaiserlich gesonnen war. Ebenso erwies sich 
aber damals auch Kur-Brandenburg, das die 
Schweden nicht ins Reich gezogen wißen wollte, 
ablehnend wegen des Königes Durchmarsch. 
Dieserhalb gieng auf Gustav Adolfs dringende 
Bitten eine heften-kasselische Besatzung unterm 
Obristen Falkenberg, dessen Nachkommen noch 
in Niederheften leben, in Eilmärschen nach Magde 
burg ab. Die heldenmütige Verteidigung der 
kleinen Hessen-Schar ist bekannt. Da Falkenberg 
alle Mittel des Widerstandes erschöpft sah, ordnete 
er die Sprengung der Werke an. und befahl 
trotz Einspruches der Bürgerschaft, die Stadt an 
allen vier Ecken und Enden anzuzünden. Beim 
nun folgenden Sturme der Baiern blieb kein 
Hefte verschont. Falkenberg aber hatte sterbend 
seinen Zweck erreicht: Dem Feinde war die 
Festung verloren. 
Und wir kehren wiederum von der Elbe zum 
Rheine, deften getreueste Wacht durch Jahrtausende 
gerade unser Volks-Stamm gehalten hat. 
ORheinfels, hehrer Klang, Du sahest ein 
erstes Mal die Scharen jenes gekrönten franzö 
sischen Mordbrenners, des ruchlosen Ludwig's des 
Vierzehnten, an Deinen steinernen und lebenden 
Mauern blutig zerschellen! 
Mit einigen Fähnlein des kaffelischen Leib- 
Regimentes (heute Nr 82), geringem Aufgebote 
der Landwehr aus Niederer Grafschaft Katzen- 
Elnbogen, sowie der Schützen-Gilde der Stadt
        

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