Full text: Hessenland (1.1887)

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Im Mai 1639 besetzte Geyse die Grafschaft 
Waldeck und vertheidigte im Verein mit dem 
Oberst Kotze 1641 Dorsten so nachdrücklich, daß den 
Hessen schließlich freier Abzug zugestanden wurde. 
Im Jahre 1642 überfiel er ein kaiserliches 
Korps, das sich mit einem anderen vereinigen 
wollte, bei Stadtbergen und schlug es zurück, 
dann siegte er am 7. Januar desselben Jahres 
bei Huld unweit Kempen. 
Wegen seiner vorzüglichen Leistungen ernannte 
ihn die Landgräfin-Regentin im Jahre 1644 zum 
Generalmajor und sendete ihn mit einem Korps 
von 2000 Mann an den Rhein zur Unterstützung 
der dort operirenden französischen Truppen, wobei 
er Höchst eroberte. Kurze Zeit darauf wurde 
er zurückgerufen, um mit seinem Korps, das auf 
3200 Mann verstärkt wurde, zu den Schweden 
bei Magdeburg zu stoßen, das er im November 
blokiren half, und im Januar 1645 befand er 
fich mit seinem Korps im Braunschweigischen und 
half Hornburg und Wolfenbüttel einnehmen. 
Nach der im Jahre 1645 stattgefundenen Ver 
einigung der französischen Feldherren Condo und 
Turenne, wurde Geyse, der kurz vorher das 
Schloß Heldrungen in Thüringen eingenommen 
hatte, von der Landgräfin-Regentin, mit einem 
Korps von 5000 Mann zu Fuß und zu Pferd, 
zu deren Verstärkung entsendet. Geyse, der aus 
Thüringen nach Westfalen marschirt war, ver 
einigte fich bei Corbach mit Turenne, zu dem 
auch der schwedische General Königsmark mit 
2000 Mann bei Wolfhagen gestoßen war. 
Dieses hessische Korps, das auch über 9 Ge 
schütze verfügte, hatte den größten Antheil an 
dem durch Cond« (Enghien) am 3, August 1645 
erfochtenen Siege bei Allerheim, indem es, nach 
dem die Franzosen schon einige Male von den 
Bayern und Oesterreichern zurückgeschlagen waren, 
allem vorging, die Oesterreicher aus ihren Ver 
schanzungen auf dem Winneberg vertrieb, ihren 
General von Gleen gefangen nahm und dann 
die Bayern, deren General von Mersh fiel, 
nöthigte, Dorf und Schloß Allerheim zu räumen. 
Die Hessen machten 2000 Gefangene, eroberten 
16 Kanonen, sowie 40 Fahnen und Standarten. 
Nachdem Nördlingen und Dinkelsbühl erobert 
waren, rief die Landgräfin-Regentin den General 
Geyse mit seinem Korps zurück, um den Darm 
städtern den jetzt preußischen Theil von Ober 
hessen , dessen fie sich bemächtigt hatten, wieder 
abzunehmen. Hierbei eroberte Geyse den Glei 
berg und belagerte mit dem schwedischen General 
von Wrangel die Festung Gießen. Die Be 
lagerung mußte jedoch aufgegeben werden, weil 
Wrangel einen anderen Auftrag erhielt. 
, der sich nach Aufhebung der Belage 
rung gegen Ziegenhain zurückzog, eroberte Als 
feld und wendete sich dann, durch den schwedi 
schen General Löwenhaupt mit 3000 Mann ver 
stärkt, gegen den darmstädtischen General von 
Eberstein, überfiel ihn am 5. Oktober in Ober- 
S tt, unweit der Eder, und schlug ihn völl 
ig, wobei er 2 Kanonen, 7 Standarten und 
die ganze Bagage eroberte, und 1000 Mann, zum 
größten Theil Kavalleristen, zu Gefangenen machte. 
Hieraus besetzte er den Äogelsberg und nahm 
Herbstein ein. 
Als der General von Eberstein in Niederheffen 
einfallen wollte, erreichte ihn Geyse am 9. No 
vember bei Frankenberg, griff ihn an und schlug 
ihn mit einem Verluste von 1200 Mann, zwei 
Kanonen und 9 Standarten. 
Da nun Oberheffen vom Feinde frei war, 
ging er auf Befehl der Landgräfin-Regentin mit 
einem Theil seines Korps nach Kassel, und wurde, 
nach dem im Jahre 1647 erfolgten Tode des 
hessischen Feldmarschalls Mortaigne, zum General- 
Lieutenant und Kommandeur vn chef aller 
hessischen Truppen ernannt. 
Im Jahre 1648 deckte er von Westfalen aus 
Niederheffen gegen den kaiserlichen General 
Lamboy (nicht zu verwechseln mit dem General 
Lamboy, der 1636 Hanau belagerte) und griff 
denselben am 5. Juni bei Grevenbruch an. Ob 
gleich General Lamboy 6500 und Geyse nur 
4000 Mann stark war, so siegte doch Geyse voll 
ständig, denn Lamboy verlor 4300 Mann, 11 
Kanonen und 16 Fahnen, während Geyse nur 
einen Gesammtverlust von 168 Mann hatte. 
Den weiteren Unternehmungen Geyse's in West 
falen machte der westfälische Friede ein Ende. 
Aus dem Kriege zurückgekehrt, wurde Geyse 
noch Geheimer Kriegsrath und Gouverneur von 
Kassel. 
Auf Antrag des Landgrafen Wilhelm VI. 
wurde Geyse vom Kaiser in ^en Adelstand er 
hoben und erhielt den Namen „von Gehso". Er 
starb im Jahre 1661 in Kassel. 
Von Denen von Lehrbach hatte Geyse das Gut 
Gilftnhausen bei Borken, sowie einen Burgfitz 
zu Freudenthal und die niedere Gerichtsbarkeit 
nebst den Gefällen in den Dörfern Freudenthal 
und Roppershain erworben. Seine Erben traten 
jedoch diese Besitzungen an einen Herrn von Brink 
ab und kauften fich im ritterschaftlichen Gebiete 
des jetzigen Kreises Hünfeld an, wo seine Nach 
kommen noch begütert sind. Von jener Zeit 
an wurde die Familie von Geyso dem reichs 
unmittelbaren Adel zugezählt.
        

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