Full text: Hessenland (1.1887)

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Johann 
Kandgräflich Hessen-Kassel'scher Oenerallieuknant, Geheimer Kriegsrath und Gouverneur 
von Kassel. 
Biographische Mizze von August von Vau mb sch. 
*S|a Gehse während der Zeit des dreißig- 
«I jährigen Krieges eine sehr wichtige Rolle 
in der Landgrafschaft Hessen-Kassel spielte, 
und der Gründer des gegenwärtigen Adels 
geschlechtes Derer von Geyso ist, so will ich ver 
suchen, sein Leben und Wirken hier kurz zu 
schildern. 
Johann Geyse (auch Geise und Geiß ge 
nannt) wurde im Jahre 1593 zu Borken in 
Niederhessen geboren, wo sein Vater, Peter 
Geyse, landgräflicher Rentmeister war. 
Nach beendigten Schuljahren bezog Johann 
Geyse die Universität Marburg, um Jura und 
Cameralia zu studiren; er vertauschte jedoch nach 
beendigtem Studium die Feder mit dem Degen 
und trat ins dänische Kriegsdienste, in denen er 
es, im Jahre 1626, erst 33 Jahre alt, schon zum 
Major gebracht hatte und als solcher in der am 
27, August desselben Jahres geschlagenen und 
von König Cyristian IV. von Dänemark 
gegen Tilly verlorenen Schlacht bei Lutter 
am Barenberge mitfocht. 
Als König Christian IV. von Dänemark in 
Folge dieser verlorenen Schlacht zum Frieden 
gezwungen wurde und den größten Theil seiner 
Armee entlassen mußte, verlor auch Geyse seine 
Stellung und ging nach Hessen zurück, wo ihn 
der Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel zum 
Rathe und Amtmann in Eschwege ernannte. 
Nachdem der König Gustav Adolf von Schweden 
am 27. Juni 1630 mit seiner Armee in Deutsch 
land gelandet war, wurde Geyse vom Land 
grafen Wilhelm V. zum Oberstlieutenant und 
General - Ouartiermeister ernannt und mit der 
Errichtung eines Infanterie-Regimentes von 1000 
Mann beauftragt. Dieses Regiment, das weiße, 
oder auch Regiment Geyse genannt, focht mit 
Auszeichnung in den meisten Gefechten und 
Schlachten des dreißigjährigen Krieges, und bil 
dete später den Stamm des Regimentes, aus 
dem nachmals das 1. Bataillon des Kurhessischen 
Leibgarde-Regimentes hervorging. Noch im Jahre 
1630 wurde Geyse Oberst und zugleich Kom 
mandant von Kassel. 
Landgraf Wilhelm V. schloß am 12. August 
1631 zu Werben ein Bündniß mit dem König 
von Schweden, in Folge dessen er ein Korps 
ausrüstete, bei dem sich auch Geyse mit seinem 
Regiments befand, und mit demselben die Ope 
rationen im Rheingau begann. Am 9. Dezember 
1631 zeichneten sich die Hessen bei Mainz aus. 
Im Jahre 1632, und zwar im Januar, 
kämpfte Geyse mit bei Marburg, den 24. August 
bei Nürnberg und den 16. September bei Lützen, 
den 11. April 1633 bei Lippstadt und den 
28. Juni bei Oldendorf im Schaumburgischen, 
wo die Kaiserlichen total geschlagen wurden. 
Das Jahr darauf befand sich Geyse bei dem 
hessischen Korps, welches in Westfalen operirte, 
und that sich bei verschiedenen Belagerungen ganz 
besonders hervor. 
Aus Rache für den am 13. Juni 1636 
stattgehabten glorreichen Entsatz von Hanau, 
wurde im Jahre 1637 ganz Niederhessen von 
feindlichen Schaaren überschwemmt, die 18 Städte, 
300 Dörfer und 47 Rittersitze niederbrannten. 
Um sie zum Abzüge aus Hessen zu nöthigen, 
unternahm der Landgraf Wilhelm V. eme Diversion 
gegen Ostfriesland, wobei sich Geyse wiederum 
in hervorragender Weise auszeichnete. 
Nachdem Landgraf Wilhelm V. den 21. Sep 
tember 1637 zu Leer in Ostfriesland, und zwar 
während der Belagerung von Stickhaüsen, ge 
storben war, ertheilte die Landgräfin-Regentin, 
Amalie Elisabeth, geb. Gräfin von Hanau, dem 
Obersten Geyse den Befehl, Kassel mit seinem 
Regiment und 4 Kompagnien Reiter zu besetzen 
und zu vertheidigen. Er vertheidigte nicht nur 
Kassel, sondern vertrieb auch durch seine guten 
Maßnahmen den Feind aus Niederhessen.
        

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