Full text: Hessenland (1.1887)

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selber marschirt waren und, im Korn versteckt, eine 
Flasche französischen Wein gefunden hatten, der der 
köstlichste Trunk ihrer Erinnerung war. — Henel 
war gegen Abend, als Adjutant im Gefolge des 
Herzogs von Braunschweig, in den Schloßhof von 
Wilhelmsthal, wo das Hauptquartier genommen 
wurde, eingeritten und erzählte, wie rundum noch 
Alles voll blessirter und gefangener Franzosen gelegen 
habe, die den Herzog mit lauten Akklamationen 
empfangen hätten. Gesenkten Blickes, die Hand an 
den Hut legend, sei dieser zwischen ihnen durchgeritten 
und in einem Zimmer des unteren Geschosses abge 
stiegen. Hier wären die Franzosen an den Fenstern 
in die Höhe geklettert, um den Sieger zu betrachten. 
Kecke Burschen hätten auch hineingerufen: Braver 
General, wären wir so angeführt worden, wir hätten 
gesiegt. Wir sind schlecht angeführt worden; unsere 
unwissenden Generäle haben uns verrathen. Schw. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Kassel. Am 20. August, dem Geburtstage des 
letziverstorbenen Kurfürsten von Hessen, Friedrich 
Wilhelm, war ebenso wie in den Vorjahren, das 
Grabmal desselben auf dem alten Friedhofe mit Lorbeer- 
kränzen und Bändern in den hessischen Farben, sowie 
mit Blumen reich geschmückt. Auch war die Grab 
stätte vom Morgen bis zum Abend von Personen 
aus allen Ständen der Residenzstadt Kassel zahlreich 
besucht. Kränze hatten u. a. auf das Grabmal 
niederlegen lasten: sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen 
von Hanau, die Herzogin Marie von Sachsen-Mei 
ningen, die Prinzessin Moritz von Sachsen-Alienburg, 
sowie mehrere dem früheren kurfürstlichen Hofe nahe 
stehende Persönlichkeiten. 
Kassel. Am 13. und 14. August hatten 
Hessens Sänger sich in ihrer alten Hauptstadt 
zur Abhaltung eines 1. hessischen Sänger 
festes in außerordentlich großer Anzahl eingefunden. 
Am Abend des 13. fand im Klosterbräu-Park ein 
solenner Kommers statt, bei welchem der Vorsitzende 
des Fulda-Werra-Sängerbundes, Herr Lehrer Arm- 
b r ö st e r, eine herzliche Bewillkommungsansprache 
hielt. In der am anderen Morgen stattgehabten 
Delegirtenversammlung wurde die Begründung 
eines allgemeinen hessischen Sänger 
bundes beschlossen. Herr Oberbürgermeister Weise, 
welcher in der Versammlung anwesend war, brachte 
den auswärtigen Vereinen ein Hoch, welches Herr 
Armbröfter mit einem Hoch auf die Stadt Kastei 
und den Herrn Oberbürgermeister erwiderte. Den 
Glanzpunkt des Festes bildete das am Nachmittag 
des 14. im Stadtpark veranstaltete Konzert. Außer 
den hiesigen Vereinen betheiligten sich an demselben 
aktiv der Marburger „Liederverein" die Wolfhagener 
„Liedertafel", der Marburger „Liederkranz", der Mel- 
sunger „Männergesang-Verein". Unter den von Herrn 
Ellenberg vortrefflich geleiteten Mastenchören 
ist das von unserem hessischen Landsmann, dem 
kurfürstlichen Hofrathe, jetzigem fürstlich Nsmburgischen 
Kammerdirektor Karl Pr es er, dem rühmlichst be 
kannten hessischen Poeten gedichtete herrliche Lied 
„Des deutschen Mannes Wort und Lied", 
in der wirkungsvollen Komposition unseres Lands 
mannes August Münch besonders hervor zu 
heben. Stürmischer Applaus folgte diesem Vortrag. 
Der Komponist hat hier abermals einen Beweis seines 
hervorragenden musikalischen Talentes geliefert. — 
Herr Armbröster feierte am Schluß des Konzertes 
in beredten Worten die so glücklich gelungene Grün 
dung eines hessischen Sängerbundes. — Schließlich haben 
wir — für künftige Fälle — noch eine kleine Aus 
stellung zu machen. Wir finden es nämlich für 
wenig rücksichtsvoll gegen unsere deutschen 
Dichter, daß man die Titel von Liedern in das 
Programm aufnimmt und wohl die Komponisten der 
Lieder nennt, nicht aber die Dichter, und dann gehört 
es sich, daß man auf der Rückseite des Programms 
den Wortlaut des Liedes abdruckt. Wo soll denn 
die Aufmerksamkeit des Publikums herkommen, wenn 
es nur Melodien hört und nicht weiß, was die 
Herren Sänger singen? Natürlich plaudert dann 
die ganze Welt und weder von der Wort- noch Ton- 
dichtung erhält man ein Verständniß. Wir wünschen 
sehr, daß diese beiden Ausstellungen in künftigen 
Fällen, im eigenen Interesse der Gesang-Vereine, be 
rücksichtigt werden. M. 
— Auf der feit Kurzem eröffneten Akademischen 
Kunstausstellung zu Berlin sind auch wieder 
hiesige, resp. hier lebende und hessische Künstler über 
haupt mit Bildwerken vertreten. Der Direktor der 
hiesigen Kunstakademie, Profeffor Kolitz, stellte zwei 
Schlachtgemälde aus, welche schon hier berechtigte 
große Anerkennung fanden. Dieselben betiteln sich: 
„Auf der Straße nach Orleans" und „Vor Paris". 
Johannes Kleinschmidt erregt mit dem hier be 
reits bekannten „Portrait seiner Mutter" (Kniestück), 
sowie einem Mönch, der die Photographie einer 
Grätzner'schen Mönchsscene mit Behagen betrachtet, 
Berliner Kunstberichten zufolge, besonderes Aufsehen. 
Bon hier sind weiter noch zu nennen: S. Gerechter 
mit einer Knaben-Gruppe (Portrait) und Adolf 
Müller mit einem Genrebild „Auf dem Friedhof". 
Von Hanau sind zwei Künstler an der Ausstellung 
betheiligt, nämlich: Paul Andorff („Der neue 
Markt und die Bischofsstraße" und „An der Unter- 
spree bei Moabit") und Cornicelius („König 
Enzio.und Lucia Viadogli im Gefängniß", „Bei bet 
Karteuschlägerei" und „Siegfried"). Gratz-Marburg 
stellte aus: „Mädchen in Oberhessen". Endlich sind 
noch drei auswärts lebende Hessen vertreten, nämlich
        

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