Full text: Hessenland (1.1887)

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Quitter, Hofparfümeur und Destillateur Monne- 
stier. Letztere zeigt auch den Berkauf von Thee, 
Cafe nnd Chocolat mit dem bemerkenswerthen 
Hinzufügen an: Bei gemeldetem Monnestier 
wird man schriftlich oder mündlich erfahren, 
wie diese Waaren zu gebrauchen sind. Die be 
deutendsten Specereihändler waren Italiener, 
weshalb ihr Geschäft auch kurzweg beim Ita 
liener genannt wurde, ein Gebrauch, welcher sich 
bei dem damals schon hier vorkommenden Kauf 
mann Pedrazino, (wohnhaft in dem Eckhause 
am Marställerplatz nnd der Straße nach der 
Marktplatz) bis in die Mer Jahre dieses Jahr 
Hunderts erhalten hat. 
Die zu dieser Zeit hier vorkommende Fisch 
handlung war im Besitze des Holländischen Fak 
tors Wiljemars. 
Die Flasche Champagner kostete bei Telmat 
24 Albus und bei Avienny waren Ostindische 
weiße Bogelnester, das Pfund zu 5 Thaler, zu 
haben. 
Anzeigen des Verkaufs von Häusern und 
Grundstücken und die Bermiethung von Woh 
nungen kommen anfangs nur ganz vereinzelt vor. 
Unter letzteren ist bcmcrkenSwerth, daß bei der 
Anzeige einer zu vermiethenden Wonung in der 
Fleisch- und Weckeschirne, welche sich an Stelle 
des 1818 erbauten Sinning'schcu Hauses an 
der Ecke des Marktes und der Marktgasse be 
fand dieses Gebäude uoch1731 als das alte Rath 
haus bezeichnet wird, da in späterer Zeit Zweifel 
darüber erhoben sind, ob es vor Erbauung des neuen 
Rathhauses im Jahre 1408 als solches gedient hat. 
(Piderit, Geschichte der Stadt Kassel S. 67.) 
Die Miethen waren sehr billig, für ein ganzes 
Haus am Walle wurden jährlich 32 Thaler 
Miethe verlangt, und ein paar Leute, „die gar 
nichts ruinieren", suchen in der Ober-Gemeinde 
ein Logis für zehn Thaler 
Der Werth der ausgebotenen Häuser variirt 
von 500 bis 3000 Thaler. 
Für den damaligen Werth großer Landgüter 
ist folgende Anzeige bezeichnend: „Es wollen die 
Herrn von Spethen ihr Adeliches Frey-Gut im 
Dorfe Frühlingen für 7000 Thaler verkaufen. 
Es findet sich dabei ein Adeliches Wohnhaus 
nebst zwei Scheuern und Stallung, 264 Thaler 
25 Alb. 4 Heller ständiger Geldcrbzins, und 23 
Stück Gänse, 23 Hühner, 62 Hasen 8 1 l 2 
Schock Eier, ein Maaß geschmelzte Butter, 24 
Biertel Korn, 19^2 Biertel Hafer ständiger 
Zins, sowie an unständigem Zins: Triftgelder, 
Lehngelder, Siegelgebühr, vom theuersten Haupt 
(Besthaupt) praeter propter jährlich 50 Thaler 
Fischwasser nnd Forellenbächc, freie Schäferei, 
die hohe und niedere Jagd, 107 Acker Land, 
900 Acker Waldung, 33 Acker an Gärten und 
Wiesen." (Schluß folgt.) 
§n- 
„Wik ich iur Sichtkim!! kam " 
Zur Zeit, als sich in mir Grillen empörten, 
die oft, sogar im Schlafe, mich störten; 
erst brausend im Gehirne mir gährten, — 
dann durch die Feder sich Ansbruch gewährten. 
Da präsentirte der ehrliche Damm*) 
mir deutlich den heidnischen Götterstamm, 
und jetzo — kraft seiner Mythologie — 
verwechselt ich Götter und Göttinnen nie. 
Auch sammelt' ich, trotz meinem flüchtigen Lauf, 
manch' andres gelehrtes Brosamlein auf, 
Nun schrieb ich im Kämmerlein — oft tut Stehn 
am Fenster — Liederchen, ungesehn. i 
*) Christian Elias D a m m , Rektor am kölnischen Gymnasium 
zu Berlin, geb. 1699, gest. 1778, ist der Berfasser eines Handbuches 
der Mythologie der Griechen nnd Römer, welches irn vorigen ! 
Jahrhundert sehr verbreitet war und viele Auflagen erlebte. 
Ich hielt mir's für keine geringe Schande, 
das einzige Mädchen im ganzen Lande 
(so dacht' ich damals aus Irrthum) zu sein- 
mit welchem Signor Apollo sich hielte, 
und das auf der Leyer der Musen spielte, 
und sänge bald Trauer, bal Tündelei'n, 
bald identische Liebe drein: 
drum trug ich jedes beschrieb'ne Papier 
als Heiligthum in der Tasche bei mir; 
zog manches wohl mit dem Schnupftuch hervor, 
weil ich die ersten fast alle verlor. — 
so schleicht ein Kätzchen («xus comparaison) 
gar listig mit seinen Jungen davon, 
legt, sie zu verbergen, aus ehrlichem Sinn, 
in glühend heiße Asche hin..— 
Ich sagte zu Eltern und Schwestern und Brüdern 
zu keinem ein Wörtchen von meinen Liedern,
        

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