Full text: Hessenland (1.1887)

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Noch oft an Rabulisterei 
Und Advokaten denken. 
Doch werd' ich, so Diana will, 
Ihr Beißen nicht mehr hören. — 
Mich wird im Forste, kühl und still, 
Chikane nicht mehr stören. 
In Wäldern soll nun thatenreich 
Mein Leben sanft zerfließen, 
Und dort, dem edlen Hirsche gleich, 
Will ich es auch beschließen. — 
Zu näherem Verständniß der nicht juristischen 
Leser bemerken wir hier, daß Mevius, Brunne- 
m an n und Le y s er berühmte Rechtslehrer waren; 
Mevius in Greifswalde und Wismar (f 1670), 
Brunnemann zu Frankfurt an der Oder (f1672) 
und Leyser in Wittenbeeg (f 1752). — 
Ein Freund Wildungen's, der Regierungsrath 
Bunsen in Arolsen, erließ auf dieses «Triumph- 
tieb“ nun folgendes launige Gegengedicht: 
Webrus »n seine Kollegen über die Abtrünnigkeit des 
Herrn bon Wildungen. 
Laßt nur den Apostaten ziehn! 
Verloren ist verloren! 
Frau Themis war doch nicht für ihn. 
Er nicht für sie geboren! 
Gezwungen gab er ihr die Hand, 
Das Herz hatt' er zum Unterpfand 
Dianen längst gegeben. 
Wahr ist's, mein Schalten freute sich 
So oft er referirte 
Und bei Entscheidungsgründen mich 
Gar zierlich allegirte: 
Auch gäb' ich heimlich viel darum, 
Daß seines Abfalls Scandalum 
Nicht so notorisch wäre. 
Man trägt uns leider! ohnehin 
Nicht überall im Herzen, 
Wie wird die Welt ob dem Entfliehn 
Des Veteranen scherzen! 
Sie schließt, ich weiß nicht was, daraus 
Und schüttet unbarmherzig aus 
Das Kindlein mit dem Bade. 
Daß er so fröhlich von uns schied. 
Das nur möcht' ich bestrafen; — 
Sein Abschied war das Jubellied 
Des frei gewordnen Sklaven. 
Man möchte weinen vor Verdruß, 
Sein: «Fahr' er wohl, Herr Mevius- 
Ertönt auf allen Gaffen! 
Doch nur Geduld! es bleibt nicht so, 
Das Räuschchen wird verfliegen; 
Jetzt muß er ex officio 
In Liebchens Armen liegen. — 
Nicht selten, wie das Sprichwort sagt, 
Pflegt, die dem Bräutigam behagt, 
Dem Mann nicht zu gefallen. 
Eins spricht für ihn und drum verzeiht 
Dem raschen Exkollegen! 
Er that's aus Vaterzärtlichkeit 
Der sieben Kindlein*) wegen. 
Sie waren weiland sxurii 
Und sind doch nun legitimi 
Per subsequens **) geworden. 
Diesen Gedichten reihen sich noch einige andere 
an, welche den gleichen Gegenstand behandelnd 
zwischen Bunsen und Wildungen gewechselt 
wurden; so u. a. Mevius an das Publikum: 
«Sabeinus!- und die Antwort Wildungen's: 
«Herr I0tus, ich verbitte mir die naseweisen 
Glossen*, die hier mitzutheilen zu weit führen würde. 
Wie Wildungen die Jägerei auffaßte, und 
daß er nicht aus Jagdleidenschaft allein, wie er sich 
selbst in seiner Autobiographie ausdrückte, Diana so 
innig verehrte, das geht aus seinem Gedichte «Natur- 
hervor, dem er den Matthison'schen Vers 
«So lang' ich bin, soll nichts von dir mich scheiden, 
Natur! Natur!“ 
als Motto vorsetzte. Dort heißt es: 
Um Tigern gleich zu morden, 
In Wäldern weit und breit 
Hab' ich Dianens Orden 
Mich wahrlich nicht geweiht; 
Nein — einem edleren Triebe 
Dank' ich mein grün Gewand; 
Nur dir, Natur, zu Liebe 
Wählt' ich den Jägerstand. 
Dir hat mein Herz geschworen! 
Als Weidmann hast du mich 
Zum Liebling auserkoren 
Des preis' ich, Holde, dich! 
Du machst Gebirg und Felder 
Und selbst die Finsterniß 
Der wild bewachsnen Wälder 
Für mich zum Paradies! 
Entzückt will ich dich preisen 
Natur, so lang ich bin! 
Nichts soll mich dir entreißen. 
Du Allbeleberin ! 
Wohl dem, der dir ergeben, 
Des Daseins froh genießt. 
Und endlich sanft sein Leben 
Im trauten Forst beschließt. 
*) Die sieben „Jagdkalender" sind damit gemeint, 
welche Wildungen schon als Regierungsrath heraus 
gegeben hat. 
**) Bekanntlich besteht die Rechtsnorm, daß uneheliche 
Kinder durch nachfolgende Verheirathung des Vaters mit 
der Mutter legitim werden.
        

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