Full text: Hessenland (1.1887)

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Schiller (schlägt die Hände Wer dem Kopf zu 
sammen): Sie haben ihr schon geschrieben? Guter 
Himmel! Nun, so werden Sie ja eine Antwort 
erhalten — ! (Ab ms Haus.) 
Wärmstein (ruft): Unsere gnädige Herr 
schaft - 
Sensteig (Wärmstein überholend, rasch): Unsere 
lNädige Herrschaft, sie lebe hoch — hoch — 
»och -! 
(Alle stimmen ein.) 
(Borhang fällt.) 
' ■— 
Die Spinnerinnen. 
„Rolle Rädchen! Rolle Rädchen! 
Spinne, süßes kleines Käthchen! 
Laß von seinen Liebesschwüren 
Ja dich nicht zu früh verführen! 
Traue deiner Mutter Worten, 
Liebe giebt's von allen Sorten! 
Meistens flattert sie und flittert. 
Wie ein trüg'risch Sumpflicht zittert. 
Und — dem Spukgesichte trauen, 
Heißt " 
„ Ach Muter, machst mich grauen! 
Was hat meine süße Liebe 
Zu dem holden Herzensdiebe 
Wohl gemein mit Flackerlichten 
Und mit trüg'rischen Gesichten?! 
Ach, in seine braunen Sterne 
Seh' ich, Mutter, gar zu gerne! 
Nimmer kann ihr Glanz mir lügen, 
Nimmer mich mein Herz betrügen! 
Warte nur, bald wird er kommen! 
Hab' von Großmama vernommen: 
Wenn er naht, so bricht das Fädchenl 
Rolle Rädchen! Rolle Rädchen!" 
Und das Rädchen rollt und schnurret 
Und das Mädchen spinnt und murret, 
Immerzu hat sie gesponnen, 
Seiner Treue nachgesonnen — 
Fädchen will und will nicht reißen, 
Ungestört die Spulen kreisen, — 
— Endlich brach in wildem Schmerz, 
— Nicht der Faden -- doch das Herz! 
K«go Arederkkng. 
GrKrrmtrrrß. 
Als ich zum ersten Mal Dich sah. 
Da ward mir offenbar. 
Daß meines Herzens stilles Leid 
Der Liebe Sehnsucht war; 
Doch als Du schiedest, stumm und kühl, 
Dü wußt ich, daß nunmehr 
Mein Herz nach einem kurzen Wahn 
Noch ärmer als vorher! — 
Aataly v. Kschfirnth. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Ein seltsames Leichenbegängniß fand am 
17. Juli 1822 in Marburg statt. Zwei Tage 
zuvor war der Oberforstmeister der Provinz Ober 
hessen, Dr. Ludwig Karl Eberhard Heinrich Friedrich 
von Wildungen, dessen Wiege Diana und die 
Musen beschirmt hatten, gestorben. Schon in den 
Jahren 1805 und 1806 hatte dieser Forst- und 
Weidmann von echtem Schrot und Korn Anordnungen 
wegen seiner Beerdigung getroffen, die er itr 
dem von ihm herausgegebenen „Taschenbuch für Forst- 
und Jagdfreunde" veröffentlichte. 
„Und", so schrieb er, „wenn ich einst entschlummert 
sein werde (jetzt aber bin ich noch gar nicht müde), 
sollen meine Hinterlassenen mein Begräbniß, wie 
folgt, pünktlich veranstalten. Sonst wird mein er 
zürnter Schatten, wenn er kann, gewiß jede-Nacht sie 
beunruhigen. 
Auf meinem Lieblingsplatze im Walde, mit Lerchen, 
Weymouthskiefern, Edeltannen und Lebensbäumen 
von mir selbst bepflanzt (meine Vertrauten kennen 
es wohl) wünsche ich im Tode auch zu ruhen. Der 
in diesem Punkte nützliche Aberglaube wird jene liebste 
meiner Pflanzungen hoffentlich noch lange vor nächt 
lichen Freveln wenigstens schützen. Gewiß wird mein 
Geist, wenn er Urlaub bekommen kann, so sichtbar 
als möglich darin umgehen. 
Rüstige Unterförster sollen mir dort mein Grab 
höhlen, doch der Gebühr des Todlengräbers unbe 
schadet, und ein rauher Basalt soll darüber aufge 
richtet werden, ruhend auf einem kunstlosen Postament 
von bemoosten kleinen Waldsteinen. Außer meinem 
Namen, dem Geburts- und dem Sterbetage soll keine 
andere Inschrift daran zu lesen sein, als die: 
Hier ruhet ein Beschützer der Wälder, 
Der im Leben selten geruhet hat. 
Meinen Sarg zimmere man so schlicht als mög 
lich aus einem zu nichts Besseren tauglichen Eichen 
windfalle. Die natürliche Farbe des Holzes werde 
mit keinem Anstriche übertüncht. Da hinein strecke 
man mich in einem abgenutztesten Waldkittel und 
setze eine Nachtmütze mir auf, wie ich stets, wenn 
ich „in’S Quartier" kam, zu thun gewohnt war. Kein 
Leichentuch bedecke den Sarg. Oben darauf werde 
bis zum Grabe zwischen Brüchen von Eichen oder 
Tannen (je nachdem es Sommer oder Winter ist) 
mein Lieblings-Hirschfänger befestigt.
        

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