Full text: Hessenland (1.1887)

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meiner Unterhaltung —! Aber sowie ich an 
fange vom Heirathen zu reden, will niemand 
mehr etwas von mir wissen —! Dann kann 
mich Niemand mehr leiden —! Es ist um sich 
die Haare — (es Mt ihm ein, daß er eine Glatze hat) 
ja so —! Herr Gott! Und nun schießen -sie 
schon! Man sollte ja meinen, die Franzosen 
seien wieder im Lande —! O, meine Hypochondrie 
— meine Hypochondrie —! 
(Glockengeläute und Hochrufe hinter der Scene.) 
Siebenter Auftritt: 
Frau von Wolzogen, Henriette (in Reisekleidern, treten 
auf durch die Mitte). Man umringt sie. Hochrufe. Die 
Schulkinder singen: „Blühe lieöes Veilchen!" Vorige. 
Frau v. Wolzogen: Ich danke Euch, Ihr 
lieben Leute! Ihr erdrückt mich ja mit Euerer 
Freundlichkeit! 
Schiller (küßt, sich tief verneigend, Frau von Wol 
zogen die Hand): O, meine Theuerste! Alle meine 
Wünsche und Träume haben Sie begleitet, seit 
Sie mir in Mannheim die Hand zum Abschied 
reichten! Der Himmel schenkte uns dies fröhliche 
Wiedersehen —! Wie glücklich bin ich, o, wie 
glücklich! Unsere Freundschaft, die Zusammen 
schmelzung aller Gefühle soll uns diese Welt jetzt 
zum Eden gestalten —! 
Frauv.Wolzogen: Immer der Schwärmer! 
Schiller: Immer, wenn ich Sie sehe, 
Mutter meiner Lotte! — wenn ich der Liebe ge 
denke, die uns alle umfängt, die mir wie der 
rosige Morgen jenseits der waldigen Hügel er 
scheint —! (faßt Henriettens Hand) Und auch Sie, 
meine Beste! Herrlicher und schöner als je 
stehen Sie vor mir! Strahlend öffnet sich uns 
der Blick in die Zukunft! Die bange Kerkernacht 
ist dahin und in Ihrer Nähe winkt mir jetzt die 
goldene Freiheit! Lotte! Lotte! 
Henriette (hebt den Schleier in die Höhe, der ihr 
Gesicht bedeckt hat): Ich bin ja Lotte nicht —! 
Frau v. Wolzogen: Meine Pflegetochter 
Henriette ist es, die Sie noch nicht kennen —! 
Schiller (taumelt zurück): Wie — ? Aber wo 
ist denn Lotte — ? Sie schrieben mir doch — 
Frauv.Wolzogen: Lotte ist nicht hier — 
Schiller (höchst enttiiuscht): Nicht hier — ? 
Aher wo ist sie denn —? Freundin!! 
Henriette (begrüßt Bogt und dessen Frau). 
Frauv.Wolzogen (leise): Beherrschen Sie 
sich, lieber Ritter—! 
Schiller (beiseite, unglücklich): Ritter —! 
Ritter -! 
Frau v. Wolzogen (zu Reinwald): Siehe 
da, der Herr Bibliothekar — 
Reinwald: Frau Geheimrath, auch ich 
könnte es mir nicht versagen, trotz meiner Hypo 
chondrie, an dem schönen Feste Ihrer Bewill 
kommnung Theil zu nehmen! Heil und Segen 
zu Ihrer Ankunft in Bauerbüch! 
Frau v. Wolzogen: Ich danke Ihnen! 
— Judith — Elise —! Und Bogt führt mir 
seine Kleinen vor! — Herr Bürgermeister —! 
Das ganze Dorf hat sich ja aufgemacht, mich zu 
begrüßen! Ich danke Euch, ihr guten Leute, ich 
danke Euch! Euerer Hingebung und Treue bin 
ich stets gewiß! 
Wärm st ein (vortretend, zieht den Hut ab): Ja 
wohl, gnädige Frau! Der Hingebung und Treue 
der Bauerbächer dürfen Ew. Hochwohlgeboren 
stets gewiß sein! Das ist in der ganzen Welt 
ja übrigens bekannt! — Gnädige Frau! Wir 
haben zwar während Ew. Hochwohlgeboren Ab 
wesenheit, die ja ein ganzes, glockenvoll ge 
schlagenes Jahr dauerte — 
Senfteig (Fistelstimme): Ach ne, Gevatter, es 
fehlen noch einige Tage daran — ich hab's 
heute Morgen ausgerechnet — 
Wärmstein: Barbierseele — ! Wir haben 
zwar während Ew. Hochwohlgebvren Abwesenheit, 
die ja ein ganzes, glockenvoll geschlagenes Jahr 
dauerte, mancherlei Streitigkeiten und Scherereien 
mit der Gutsverwaltung gehabt — 
Senfteig (halblaut): Scherereien — ? Er — ? 
Die Gutsverwaltung hat sich immer nur von 
mir scheeren lassen. 
W ä r m st e i n: Das Rindvieh des Dorfes — 
mit Respect zu vermelden! — ist mit dem Rind 
vieh Ew. Hochwohlgeboren — 
Bogt: Ei zum Teufel, Herr Bürgermeister, 
so reden Sie doch nicht von unseren privaten 
Streitigkeiten —! Frau Geheimrath weiß ja 
auch bereits alles —! 
Wärmstein: Sie weiß bereits Alles? (Sehr 
befriedigt.) Ah, dann brauch' ich weiter nicht zu 
reden —! Der Zank thut unserer Liebe und 
Freundschaft weiter keinen Abbruch! Im Gegen 
theil ! 
Frau v. Wolzogen (lächelt-: Ja, ja! Gott 
lob, daß wir hier angelangt sind, daß der 
Odem des Thüringer Waldes uns wieder um 
rauscht ! Nochmals, ich danke Euch, meine Freunde! 
Ich danke Euch —! (Geht mit Henriette ab ins Haus.) 
Schiller (will folgen, für sich): Aber Lotte — ? 
Wo ist Lotte — ? 
Reinwald (zerrt Schiller, der schon auf der Treppe, 
am Rockzipfel grob zurück.) 
Schiller: Was giebt's? 
Reinwald (rasch): Herr Doktor, ich wollte 
Ihnen nur sagen — aber nochmals, werden Sie 
nur nicht gleich böse —! Ich wollte Ihnen nur 
sagen, daß ich Ihrer Schwester bereits geschrieben 
habe —!
        

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