Full text: Hessenland (1.1887)

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den ziemlich steilen Gipfel des BergeS zu den 
von der einstigen Größe der Burg noch Kunde 
gebenden und zum Theil noch wohlerhaltenen 
Ruinen derselben, auf welchen zur Feier des 
Tages einige Fahnen aufgesteckt waren. In den 
Räumen der Burg bewillkommte zunächst der 
jetzige Besitzer derselben, sowie der großen um 
liegenden Waldung und des Schlosses Ramholz. 
Herr Stumm, Rittmeister im 13ten Husaren- 
Regiment, die Ankommenden aufs Freundlichste 
und erquickte die Durstigen mit einem Glase 
vortrefflichen Bieres. Nachdem man die Ruinen, 
zu deren Erhaltung Herr Stumm fortwährend 
mit großem Kostenaufwand bestrebt ist, besichtigt 
und sich an der hier gebotenen herrlichen Aus 
sicht erfreut hatte, hielt Herr Major v. Stam 
ford den angekündigten Bortrag über Ulrich von 
Hutten, und wußte in Il/z-stündiger freier Rede 
durch den auf den fleißigsten Studien beruhenden 
Inhalt die Anwesenden lebhaft zu fesseln, wofür 
ihm allseitig der größte Beifall und Dank zutheil 
wurde.*) 
Der Rückweg wurde dann wieder nach Schloß 
Ramholz angetreten, wo Herr Stumm die Güte 
hatte, den von ihm angelegten Park, welcher die 
Bewunderung Aller, erregte, sowie auch eine 
Sammlung einiger auf dem Steckelberg und 
Umgegend gefundene Alterthümer, welche bis zur 
Steinzeit zurückgehen, zu zeigen. Bon Ramholz 
begab man sich nach einer V* Stunde entfernten, 
eine schöne Aussicht bietenden, im Walde ge 
legenen Stelle dem sogen. Borkel, wo von den 
Komitees in bester Weise dafür gesorgt war, die 
nach den Anstrengungen des Tages recht hungrig 
und durstig gewordenen Seelen durch Speise und 
Trank zu erquicken. Hier zeigte sich bald all 
gemein ein gar reges fröhliches Lehen, welches 
dann auch im Absingen bekannter Lieder 
seinen Ausdruck fand. Die zahlreich vertretenen 
alten Herrn fanden sich zusammen und gedachten 
durch Absingen von Studentenliedern ihrer Burschen- 
zcit, wobei auch „O alte Burschenherrlichkeit" 
nicht fehlte. 
Den Gefühlen aller Anwesenden gab Herr 
Major v. Stamford entsprechenden Ausdruck, in 
dem er dem auch hier mitanwesenden Herrn 
Rittmeister Stumm den Dank der Theilnehmer 
aussprach, worauf diese in das auf denselben aus 
gebrachte Hoch auf das Lebhafteste einstimmten. 
Gleiches war der Fall bei einem Toast des 
Herrn Pfarrer Wiffemann aus Kassel auf die 
Mitglieder des Vorstandes des Geschichtsvereins 
und namentlich dessen Vorsitzenden, Herrn Major 
v. Stamford, ein Toast, welcher gestern vergessen 
)ei. Der Toast fand um so größeren Anklang, 
als Herr Wissemann in einer vortrefflichen, den 
geübten Redner bekundenden Weise seiner Ab 
sicht Worte zu verleihen wußte. Damit war 
jedoch das Ende der so vergnügt verlebten Tage 
gekommen. Die erschienenen Gäste nahmen fast 
sämmtlich Abschied, um von dem nahe gelegenen 
Ramholzer Bahnhof den Weg in die Heimath 
anzutreten, alle aber werden ebenso, wie die 
Damen und Herrn aus Schlüchtern, der zu einem 
wahren Feste sich gestaltenden 53ten Jahres 
versammlung des Geschichtsvereins noch lange ein 
freundliches Andenken bewahren. 
*) Wir werden auf diesen interessanten und bei der Schwierigkeit 
des Themas durch möglichste Unparteilichkeit sich auszeichnenden Bor 
trag in der nächsten Nummer dieser Zeitschrift ausführlicher zurück 
kommen. D. R. 
Margarethe 
Von H. Leller-Iordan. 
Zug, der von Süden kam, fuhr langsam 
IÄI in dep langen, mit Glas überdachten Bahn- 
Atgr Hof Münchens. Ich bog den Kopf zum 
^ Wagen hinaus und sah in die matten Gas 
flammen, die noch um ihr Recht mit dem sich 
senkenden Tage stritten. 
Ich hatte glückliche Künstlerjahre in Isar-Athen 
verlebt, war dann nach Pest übergesiedelt und 
wollte jetzt zu einer Privatausstellung nach Berlin, 
wohin ich esn großes historisches Gemälde voraus 
geschickt halse. EL war das Resultat mühevoller 
Jahre gewfsen und seine Vollendung gab mir 
das Gefühl) als sei ich auf einem Berge an 
gekommen, wo mich eine reinere Luft umwehe 
und mir den Ausblick in ein stilles, verheißungs 
volle- Thal gewähre. 
Ich wollte in München ein paar Tage rasten, 
alte Freunde wiedersehen und die unvergessenen 
Plätze und Straßen begrüßen, über die ich einst 
so harmlos und glücklich gewandelt war. 
Die Zeit mit ihren Sorgen verscharrt so 
manche schöne Stunde unseres Lebens, aber als 
jetzt die Lokomotive pfiff, der Zug stille hielt 
und ich mit meinem kleinen Handkoffer auf den 
Perron sprang, da überkam mich — trotz des 
rauhen Herbstwindes, der mich von den Alpen
        

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