Full text: Hessenland (1.1887)

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begnügen, auf diesen Aufsatz als Ergänzung unseres 
Berichtes zu verweisen. Hinzufügen wollen wir nnr, 
daß durch nachträgliche Auffindung eines mit dem 
römischen Kupferstempel versehenen Stückes eines 
schönen Gefäßes aus tvrra sigillata der römische 
Ursprung der Hanauer Mainbrücke auch für etwaige 
Zweifler gleichsam besiegelt worden ist. 
Alle seine Ausführungen begleitete der Vortragende 
durch Nachweisungen an genauen Wandkarten, die auf 
Grund der Generalstabskarten und Katasteraufnahmen 
in' vergrößertem Maßstabe ausgeführt waren und 
wesentlich zum Verständniß des Ganzen beitrugen. 
Er schloß mit dem Hinweis darauf, daß der Verein 
und er selbst noch mitten in der Arbeit ständen, und 
daß insbesondere von den für diesen Herbst Projektirten 
Ausgrabungen weitere Aufklärungen über die Be 
siedelung und der Kulturzustände des einst römischen 
Hessenlandes zu erwarten seien. — 
Nach Beendigung der Sitzung Mittags zwölf 
Uhr wurden die Gebäulichkeiten des Klosters 
unter der sachkundigen Führung des Herrn 
Seminaroberlthrers Leimbach (als Stellvertreter 
des abwesenden Herrn Seminardirektors) eingehend 
besichtigt und der vortrefflichen Einrichtung der 
selben zu einem Lehrerseminar allgemein die 
größte Anerkennung gezollt. Bon den ursprüng 
lichen Gebäuden, so weit sie dem einst so be 
rühmten Kloster und nach Einführung der Refor 
mation unter dem bekannten Abte Lotichius als 
dann mehrere Jahrhunderte lang einer nicht 
minder berühmten gelehrten Schule gedient haben, 
sind nur noch wenige Reste erkennbar, da sie im 
dreißigjährigen, siebenjährigen Krieg und nament 
lich im Jahre 1813 bei dem Durchgang Napoleons 
mit 30 OM Mann nach der Leipziger Schlacht 
durch Brand und sonstige Verwüstung schwer ge 
litten hatten. Das bcmerkenswertheste Ueber- 
bleibsel aus alter Zeit ist die aus der besten Zeit 
der Gothik stammende Hutten'sche Grabkapelle. 
Nach einer Frühstückspiuse begann um 4 Uhr 
in dem mit Wappenschildern und Guirlanden 
reich geschmückten, sehr geräumigen Saale des 
Gasthofes zum Stern das Festmahl, an welchem 
sich 75 Herrn betheiligt hatten^ Der erste Toast, 
von dem Vorsitzenden des Vereins ausgebracht, 
galt unserem Kaiser, und fanden die begeistern 
den Worte des Redners allseitig den lebhaftesten 
Anklang, worauf ein'ge Verse des von dem 
Musikkorps angestimmten „Heil Dir im Sieger- 
kranz" von den Versammelten stehend gesungen 
wurden. Es folgten dann die Toaste des 
Herrn Dr. Wolff aus Hanau auf die Stadt 
Schlüchtern, des hierfür Dank sagenden Herrn 
Bürgermeisters von E turmfeder auf das fer 
nere Blühen und Gedeihen des Geschichts- 
Vereins 'und des Heren Pfarrers Junghans 
auf die Festkomitees. Daran schlossen sich noch 
eine ganze Reihe von Ansprachen und Toasten, 
von denen namentlich die des Herrn Lenz auf 
die Damen, des Herrn Landraths Roth aus 
Schlüchtern auf das schöne Hessenland und seine 
biederen Bewohner, sowie des Herrn Kreissekre 
tär Hartdegen aus Eschwege auf das deutsche 
Vaterland besonders hervorzuheben sind. 
Während der Tafel trafen Begrüßungs-Tele 
gramme ein von dem für die hessische Geschichts 
forschung hervorragend thätigen Vorstandsmitglied 
Hrn. Major Dahin aus Hanau, dem in gleicherWeife 
thätig gewesenen Hrn. Oberstlieutenant Wille, jetzt 
in Spandau, und von dem Redakteur der Zeitschrift 
„Hessenland" Hrn. F. Zwenger aus Kassel. Herr 
Geh. Rath von Goedaeus in Frankfurt a. M. 
erfreute die Theilnehmer durch die Uebersendung 
einer Anzahl gedruckter Exemplare seiner Ab 
handlung „Deutung hessischer Ortsnamen", so 
wie der Redakteur der „Schlüchterner Zeitung" 
durch Austheilen der Nummer seiner Zeitung 
vom Tage vorher, welche ein Gedicht „an den 
Acisbrunnen" und als Festgruß einen kurzen 
Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse in der 
Geschichte Schlüchterns enthielt. Die jetzt schon 
sehr gehobene Stimmung aller Theilnehmer wurde 
noch erhöht durch das Absingen eines den größten 
Beifall findenden, von Herrn Amtsrichter Türck 
in Sontra eingesandten schönen und ächt patlio- 
tischen Liedes „Mein schönes Hcssenland", welches 
unter der Begleitung der Musik nach der Melo 
die des Liedes aus Raimunds Verschwender „da 
streiten sich die Leut' herum", gesungen wurde. 
Der so zur allgemeinsten Befriedigung ver 
laufene Tag konnte keinen besseren Abschluß 
finden, als auf der etwa eine halbe Stunde von 
Schlüchtern in einem herrlichen Wald gelegenen 
Anhöhe, dem sogen. Acisbrunnen. Hier wurden 
noch inVereinigung mit der reich vertretenen Damen- 
Flora Schlüchterns die letzten Stunden des vom 
schönsten Wetter begünstigten Tages in der heitersten 
Weise verbracht. 
Am anderen Morgen 8 Uhr fanden sich über 
hundert Herrn und Damen ein, um, in Equi 
pagen und auf Leiterwagen den für diesen Tag 
im Programm bestimmten Ausflug nach den 
etwa 9 U Stunden entfernten Ruinen der Hutten- 
schen Stammburg Steckelberg, wo Ulrich von 
Hutten vor 4M Jahren (am 20. April 1488) 
geboren war, anzutreten. Die Theilnehmer ver 
ließen bei dem am Fuße des Steckelberg ge 
legenen Schloß Ramholz die Wagen und er 
stiegen immer im Walde auf bequemen Wege»
        

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