Volltext: Hessenland (1.1887)

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Nehmen als sechzehnpfündige Singerinnen oder 
Schlangen, und sagt deßhalb in der 10. Regel 
seine- „Kriegshandell" (Cautela, das ist etliche 
hochnothwendige Punkten, die ein jeder Kriegs« 
fürst wohl und fleisfig in acht haben soll): »So 
er einen Feind gegen sich im Felde hat über 
nehme er sich nit mit so viel grobem Geschütz: 
denn dadurch ist ehemal einer auf's maul ge 
schlagen, auch viel guter Gelegenheit versäumt 
worden." 
Die hessischen Geschütz" oder Büchsenmeister 
waren zum grüßten Theile keine ständigen 
Diener, sondern wurden auf Zeit angenommen 
und erhielten einen monatlichen Sold von 12 
Gulden. Im Hosetat de-Landgrafen Wilhelm IV. 
kommen jedoch auch ein Zeugmeister und 18 Ge 
schützmeister vor, die ständige Diener waren. Der 
Zeugmeister und 8 Geschützmeister gehörten dem 
großen Zeughaus in Kassel an, das der Land» 
graf erbauen ließ und mit der von seinem Bater 
gegründeten Geschützgießerei, die auch zum Gusse 
größerer Geschütze eingerichtet wurde, vereinigte. 
An diesem Zeughaus stellte der Laydgraf noch 
an: 1 Zeugwart, 1 Zeugschreiber, 1 Büchsen 
oder Stückgießer, 1 Pulvermacher, 1 Zeugschmied, 
1 Zeugschlosser, 1 Zeu-bän-er, 1 Zeugwagner, 
1 Zeugzimmermann und 1 Geschirrmeister. 
Wilhelm IV. schätzte den Frieden höher al- 
den Krieg, wollte aber für den letzteren gerüstet 
sein, wenn er ihm nicht mehr ausweichen konnte. 
Aus diesem Grunde ist Hessen-Kassel unter seiner 
Regierung auch nur wenig an den Streitigkeiten 
betheiligt gewesen, die in dieser Zeit in Europa 
stattfanden, und nur mit geringen HülfStruppen 
unterstützte er die Hugenotten, den Prinzen von 
Oranien und den König Heinrich IV. von Frank 
reich. Bei den HülfStruppen, die er dem Letzteren 
im Jahre 1591 gegen die Guisen sendete, befanden 
sich auch einige Geschütze. 
Ein vom Landgrafen auf Grund der Erfahrungen 
aus den Feldzügen von 1546 und 1552 aufge 
stellter monatlicher Kostenanschlag für einen 
Geschützpark von 34 Stücken, nebst Munition--, 
Zeug- und Brückenwagen, ergibt die Summe von 
9000 Gülden, und zwar: 
1. An Sold für die Pferde der Geschütze und 
Munitionswagen, pro Pferd 8 Gulden, pro Fuhr- 
knecht**) 6 Gulden, und für jeden der 34 Büchsen 
meister 12 Gulden. In Summa 5342 Gulden. 
**) Die Fuhrknechte scheinen auch als Handlanger bei der Be 
dienung der Geschütze verwendet worden zu sein, weil keine besondere 
Bedienung-mannschaft vorkommt. 
2. Für 74 Brücken« und Zeugwagen mit 
Fuhrknechten und Pferden 1480 Gulden. 
3. An Sold für die sonstige Mannschaft 
2178 Gulden, und zwar 
1 Zeugmeister 
für: 
pro Monat 
100 Gld. 
4 Trabanten desselben 
ff 
ff 
16 
ff 
1 Zeugwärter 
ft 
ff 
40 
ff 
2 Trabanten desselben 
ft 
ff 
8 
„ 
1 Zeugschreiber 
1f 
ff 
24 
ff 
1 Gegenschreiber 
ff 
tt 
18 
ff 
1 Schanzmeister 
ft 
tt 
40 
ff 
1 Obergeschirrmeister 
ft 
tt 
24 
ff 
2 Trabanten desselben 
tt 
ff 
8 
ff 
2 Untergeschirrmeister 
ft 
ff 
16 
ff 
1 Wagenmeister 
tt 
ff 
18 
ff 
2 Zeugdiener 
tt 
ff 
28 
ff 
6 Geschützschmierer 
tt 
fl 
36 
ff 
4 Pulverhüter 
tt 
ff 
24 
ff 
10 Zimmerleute 
tt 
ff 
60 
ff 
4 Schmiede 
tt 
ff 
24 
ff 
3 Wagner 
ff 
tt 
18 
ff 
1 Faßbänder 
ff 
tt 
6 
ff 
1 Profoß 
ff 
ff 
12 
ff 
2 Steckenknechte deffelben 
tt 
ff 
12 
ff 
1 Spielmann 
tt 
ff 
12 
ff 
1 Prädikant 
tt 
ff 
12 
ff 
1 Wundarzt 
tt 
ff 
12 
ff 
1 Extra-Wagen 
tt 
19 
10 
ff 
400 Schanzbauern 
tt 
tt 
1600 
ff 
Summa pro Monat 2178 Gld. 
Die Gesammtkosten dieses Geschützparkes, der 
berechnet war aus 6 Singerinnen oder Schlangen, 
10 Sturmbüchsen, 8 Aposteln oder Falkoneten 
und 10 Eisenkeilbüchsen, die V* Pfund Blei 
schossen, betrugen also monatlich 9000 Gulden, 
gleich 22781 Mark 25 Pfennige des gegenwärtigen 
deutschen Reichsgeldes. Eine hohe Summe für 
den damaligen Werth des Geldes. 
Verpflegen mußte sich ein jeder Mann von 
seinem Sölde, und ebenso die ihm zugetheilten 
Pferde für das für sie ausgeworfene Geld. Der 
Kommandirende des Corps sorgte für die Lieferung 
des Bedarfes, ließ ihn auf den Lagermarkt bringen, 
durch den Proviäntmeister abschätzen und nnter 
der Aufsicht des Profoßen verkaufen, oder ließ 
ihn rations- und portionsweise vertheilen und 
bei der Soldzahlung in Anrechnung bringen. 
Der damalige'Gulden betrug 27 hessische Albus, 
«an denen 32 einem'Reich-thaler gleich waren; 
er war also genau gleich 2 Mark und 53*/, 
Pfennige gegenwärtiger Reichsmünze.
        

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