Full text: Hessenland (1.1887)

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Die Pilgerfahrten 
der Landgrafen Ludwig I. und Wilhelm I. von Kesse« «ich dem heiligen Grude. 
Von C. v. Stamford. 
(Fortsetzung.) 
'Unvollendet war das fromme Werk, die Pilger 
2 | verließen Jerusalem am 23. August unter 
äJ der Mamalucken Schutze, lagerten die erste 
Nacht auf dem Felde und „die Heiden» 
thätenu uns alle buber.y so ihnen nur möglichen» 
zu thuenn was, undt nahmen uns unsere röcke, 
bareth, flaschen, was ihnen werdten mochtte." 
Schachten selbst ward eine Flasche mit gutem 
Wein genommen und er dazu über den Hals 
geschlagen. In Ramla hielt man den Zug 
wieder drei Tage hin und als er zur Galee 
überfahren wollte, wurde ein letzter Tribut aus 
gepreßt, bei Ungefügigen mit Schlägen. Nahe 
bei Famagusta (Eypern) schlichtete Landgraf Wil 
helm einen Streit zwischen den Pilgern und dem 
Patron, der gegen ihren Willen wegen Krankheit 
dort landen wollte. Gegen sein Versprechen 
wurden aus dem Aufenthalte zwölf Tage. Der 
Landgraf benutzte sie zu eintm Ritte durch die 
seit IV2 Jahrzehnten im Besitz der Benetianer 
befindliche herrliche Insel. Die furchtbaren Spuren 
des Erdbebens, welches im April desselben Jahres 
die Insel heimsuchte, waren überall noch sichtbar; 
vier in acht Tagen einander folgende Stöße 
ließen das verzweifelte Volk den Untergang der 
Insel fürchten. Auf des Landgrafen Verwendung 
veranlaßte endlich der Kapitän der Stadt den 
Patron zur Abreise. Korsaren kamen unterwegs 
in Sicht, man bereitetete sich zu Kampfe vor, 
allein jene griffen ein anderes venetiauisches 
Schiff an und raubten es aus. Diesem half 
dann das Pilgerschiff mit Brod und Wein aus. 
Widrige Winde verzögerten die Fahrt, erst am 
4. Oktober ankerte-die Galee vor Rhodos. Ludwig 
Wilhelm entschloß sich, dieselbe zu verlaffen, was 
leicht begreiflich ist. Der Patron wollte ein-von 
dem Großmeister dem Landgrafen geschenktes 
Roß nicht aufnehmen, da ließ dieser seine Effekten 
aus dem Schiffe laden. Der Patron wohl in 
Besorgniß wegen Almdung seines Verhaltens in 
Venedig, bat den Fürsten dringend zu bleiben, 
doch erfolglos. Wilhelm nahm sein Losament 
wie beim ersten Aufenthalte in dem Hospitale 
des Ordens. In den nächsten Tagen erkrankte 
Werttenschlehe und starb bald darauf; er wurde 
in der Kirche St. Antoni feierlich mit allen Ehren 
eines Johannisritters beigesetzt. Der Landgraf 
durchstreifte die Insel, geleitet von Graf Ulrich 
von Montfort; des Ordens Macht, seine Ein 
richtungen zur Abwehr der Türken erfüllten die 
Fremden mit Bewunderung. 800 Türken und 
andere Sklaven mußten Tag für Tag schanzen, 
nur an wenigen hohen Festtagen durften sie 
ruhen. „Man treibt sie an die Arbeit wie in 
Deutschlandt das viehe, undt wenn sie zu nachtt 
thun ihr gefängniß geführt werden, liegen sie 
auf einander wie die schweine," hören wir. Da 
ist ein greller Gegensatz zu dem Krankenhause' — 
aber es waren ja Ungläubige, folglich im Geiste 
des Zeitalters eigentlich keine Menschen. 
Landgraf Wilhelm miethete ein Schiff für sich 
und seine Diener allein um 170 Dukaten, wofür 
es ihn, „bis wo er absitzen wollte, 1000 Meilen 
weit" zu bringen hatte und Niemanden sonst auf 
nehmen durfte. Nach siebzehntägigem Aufenthalte 
verabschiedete Wilhelm sich von dem Großmeister 
und den Rittern und verließ diesen äußersten Vor 
posten gegen die heranwogende türkische Barbarei, 
dann ging es dem Abende zu. „W. G. F. n. H. 
saß auf das Schieff und machten im Namen 
Gottes mit guttem wiendte feget." Bald darauf 
traten Regen und Sturm ein, Alles war in 
Angst, da erblickten Schiffsleute „den lieben 
Herrn St. Helmus auf dem mastbaume" und 
waren aus aller Noch. Doch kamen noch mehr 
Fährlichkeiten, dabei die beständige Sorge vor 
Seeräubern. Am 27. Oktober beunruhigte es 
die Pilger, daß sie am Tage Simonis und Judae 
uueingedenk des Tages Fleisch verzehrt hatten, 
der Ungestüm des Wetters wurde so arg, daß
        

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