Full text: Hessenland (1.1887)

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der alte Krieger, „Packe sich der Herr doch über den 
Rhein und sage mir, was für pferdemäßige Wirth 
schaft diese Menschen dort getrieben haben." „Der 
sittlich gute Mensch vergilt nie Böses mit Bösem", 
antwortete der kosmopolttische Kapuziner. „Wir auch 
nicht," sprach der Katte, sonst schlügen wir sie alle, 
vor die Köpfe oder ließen sie erfrieren. „Liebet eure 
Feinde," rief das Männlein. „Meinen Feind kann 
ich lieben, aber die Feinde Gottes und des Vater 
landes kann ich weder lieben, noch soll ich's. Mein 
Beruf war sonst, sie todt zu schlagen, uird fordert'- 
der Landgraf noch von mir, so thue ich's 
mit Freuden." In dem Augenblick ward ein halb 
verfaulter Citoyen vom Wagen gehoben und etwas 
unsanft auf Stroh gelegt. „Ach! helft doch, helft 
dem Leidenden!" schrie das Männlein, das zwei ge 
sunde Fäuste hatte, dem Invaliden zu. „Thnt's doch 
selber," antwortete dieser trocken, und zeigte ihm, daß 
er nur noch eine Hand habe. „Die andere liegt bei 
Saratoga oder da herum," setzte er gelassen dinzn. 
„Laßt sie Euch doch vom Landgrafen bezahlen," sagte 
der Kosmopolit spöttelnd, „er hat sie ja theuer genug 
an die Menschenfleischhändler in England verkauft." 
Da riß dem alten Hessen die Geduld, er schlug den 
Weltbürger mit der gesunden Faust hinter die Ohren 
und rief glühend vor Zorn „ich brauche nur eine, 
um jeden Hallunken, der meinen Landgrafen für einen 
Seelenverkäufer hält, die Zähne in den Hals zu 
schlagen." Der kosmopolitische Jesuit fand für gut 
sich von dannen zu schleichen." 
„Die Hessen, die ich auf meiner Wanderung studirt 
habe, sind ein ehrwürdiges, treffliches Volk, das muß 
ich als Preuße anerkennen. Der Landgraf weiß, daß 
sie ebenso unvergiftbar, wie als Soldaten unüber 
windlich sind." 
Der Verfasser erzählt dann einen anderen Vorfall: 
„In Schlüchtern sprach ich einen hessischen 
Riesen, der sein altes Schwert Hinteren Ofen immer 
mit Wohlgefallen ansah. „Ich denke doch nicht," sagte 
ich, „daß an dem alten Brakenfelder Franzoscnblnt 
klebt." „Bins auch zufrieden," sagte der Hesse gleich- 
müthig, „indessen sollte der alte Seelenhauer noch 
gute Arbeit machen, wenns dazu käme." „Ich weiß 
wohl," sagte ich, „wenn der Hesse einmal gezogen hat, 
so steckt er die Klinge nicht ungefärbt wieder in die 
Sch ide. Euern Herrn habt ihr lieb und kämpft mit 
ihm, weil er euch auch nicht verläßt." „Nun ja," sagte 
der Hesse, „aber wenns auch nicht wäre, so soll den 
Franzosen, der uns Weib und Kind und Haus und 
Vieh antasten wollte, die Schwerenoth holen. Bei uns 
schlüg jeder drein, daß die Knochen herumfliegen sollten, 
wir Hessen sind keine alten Weiber, laßt sie kommen, 
keiner soll ganzbeinig wieder über den Rhein zurück." 
„Ein preußischer Offizier sagte mir, als ich von 
den hessischen Soldaten sprach: O, diese Hessen sind 
von Mutterleibe an zum Soldaten gestempelt, ich 
habe sie mehr als einmal im Feuer gesehen, es sind 
vortreffliche Soldaten." R.-K. 
Anmerkung. Es ist bekannt, daß in den 90er Jahren des vori 
gen Jahrhunderts die republikanischen Truppen Frankreichs in 
Deutschland arg gewüthet haben, und daß sie, was die Ausrüstung 
gnbelangt, sich in einem sehr desolaten Zustande befanden, der sich 
freilich unter Bonaparte ändern sollte. Obige Schilderung' kann 
übrigens als ein getreues Spiegelbild für die Anschauungsweise 
gelten, die damals in Hessen gegen die Franzosen und alles was von 
denselben herkam, herrschte, und schon um deswillen ist dieselbe von 
Interesse. D. Red. 
* 
❖ & 
Die Ritterkapclle in Haßfnrt. Es wird 
auch in weiteren Kreisen bekannt sein, daß sich zu 
Haßfurt, im jetzigen bayerischen Untersranken, ein herr 
liches Denkmal altdeutscher Baukunst, die sogenannte 
Ritterkapelle, befindet. Bekannt ist auch wohl, daß 
derselben eine große Anzahl von Wappen zur Zierde 
gereichen. Man nahm seither an, die Ritterschaft 
in Franken habe solche erbauen lassen. Das ist nun 
aber nach dem, was die Kirchenverwaltung zu Haß 
furt bekannt gemacht hat, nicht ganz richtig. Die 
Kirchenverwalbnng bittet nämlich um Beiträge zur 
Herstellung der Giebelseite des Langschiffs, nachdem 
schon früher ein Adelsverein den Chor unter Heideloff's 
Leitung hat herstellen lassen. Aus dem fraglichen Auf 
rufe geht hervor, daß an der Kapelle nicht bloß Wappen 
fränkischer Ritter sondern solcher aus ganz Deutsch 
land angebracht sind, nämlich aus Franken, Schwaben, 
Bayern, Sachsen, Oesterreich, der Schweiz, den Rhein 
landen, Thüringen, Hessen. Pommern, Schlesien, den 
Niederlanden, Tyrol und Elsaß und, was die Haupt 
sache ist, daß dieses Gotteshaus das Andenken an 
eins der schönsten, erhebendsten Ereignisse der deutschen 
Geschichte, an die Aussöhnung und Freundschaft Lud 
wigs des Bayern und Friedrichs von Oesterreich er 
halten soll. Im Ganzen sind es 248 Wappen, darunter 
selbstredend die von Oesterreich und Bayern, sodann 
das des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, des 
Grafen Friedrich von Hohenzollern, genannt Ostertag, 
und vieler anderen Angehörigen des hohen Adels. Wir 
finden ferner die Wappen von Otto und Bodo von 
Eulenburg und Derer von Dohna, beide damals noch 
auf ihren uralten Stammsitzen im Meißnerlande. Was 
aber vor Allem unser Interesse erwecken muß, das 
sind die Namen und Wappen aus Hessen. Ob in der 
Angabe der Länder, denen die Ritter entstammten, 
nicht hin rnd wieder ein Irrthum untergelanfen ist, 
— sie rührt, wie es den Anschein hat, von der Kirchen- 
verwaltung her, jedenfalls ist sie neueren Datums. — 
bleibe dahingestellt. Den Hessen voran steht Otto, 
der Landgraf. Wann die Kapelle erbaut ist, weiß ich 
nicht: ist dies, wie anzunehmen, in dem ersten Drittel 
des vierzehnten Jahrhunderts geschehen, so ist der 
Landgraf Otto, des Landgrafen Heinrich I. Sohn aus 
dessen erster Ehe mit Adelheid von Braunschweio, ge 
meint. Es werden sodann als Hessen aufgeführt: 
Cuno von Fallenberg, Reinhard von Rosenbach (weiß 
Jemand von einem Geschlechte dieses Namens in 
Hessen etwas?), von Bnttler, Heß von Wigdorf (Wich- 
dorf, Amts Gudensberg), von Rumrod (Romrod), 
Wolf Riedesel, von Buscck, von Frankenberg (bei 
welchem Namen wohl auch ein Fragezeichen zu setzen 
wäre). Nach Hessen, dem späteren Umfange nach, 
würden noch gehören: Hans und Eitel Schelm von 
Bergen, Fuchs von Bimbach (doch wohl aus dem 
alten Buchenlande), Philipp, Ulrich und Kraft Grafen 
von Hanau und Knebel von Katzenelnbogen. G.
	        

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