Full text: Hessenland (1.1887)

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Mit besonderer Liebe wird von dem großen, 
prächtigen Hospitale berichtet, welches der edle 
Großmeister Anton von Fluvian aus den für 
seinen Hofhält bestimmten Geldern etwa fünfzig 
Jahre früher erbaut halte. Es war nach Ein 
richtung und toleranter Verwendung eine Muster 
anstalt für jene Zeiten. Jeder Kranke, arm 
oder reich, fremd oder einheimisch, erhielt ein 
mit Vorhang umgebenes gutes, s ruberes Bette, 
sehr gute in Silber servirte Kost, mehrcremale 
des Tages Wein (wie die starken griechischen 
Weine überhaupt mit Wasser). Ein dienstthuen 
der Rilter, der einen Stab führte, ließ jedesmal 
die Nahrung austheilen. Zwei Leib- und zwei 
Wundärzte waren in dem Spital geschworen, 
je zwei deise.den hatten Vormittags wie Nach 
mittags einen Umgang bei allen Kranken zu 
halten. Zur Bedienung waren vier Knechte 
bestimmt. Für den Unterhalt dieser Anstalt 
wurden jährlich 10 000 Dukaten aufgewendet, 
das Silbergeschirr derselben besaß einen Werth 
von 16000 Dukaten. Am Schlüsse seiner Er 
klärung ruft Schachten aus „und ob leinn ander 
guctt werk in Rvdis geschehe, dann dieses, so 
verdienten sie dennoch allen Danck gegen Gott 
den Allmechtigcn!" Die Galee verließ am 15. 
Juli wieder die „Pforte des Meeres", wie man 
damals einen Hafen nannte. Des Schiffes Lauf 
ging auf Cypern, dann nach Jaffa. Allein das 
Schiffsvolk erkannte die syrische Küste nicht und 
so segelte die Galee auf Alexandria, bis der 
Irrthum zu Tage trat und gewendet wurde. 
Am 25. Juli warf das Schiff vor Jaffa die 
Anker aus. Die Fahrt erscheint als ein Tasten 
längs der Küsten hin; man mußte mehrfach die 
Vorräthe ergänzen, weil die Galeen wegen ihrer 
Bestimmung als Rudcrschiffe eine ganz andere, 
flachere Bauart als die heutigen Seefahrzeuge 
haben mußten, daher nicht so großen Laderaum 
besaßen. Dann aber wurde das Mittelmecr, 
zumal seine östlichen Theile, schon längst von den 
muselmännischen Korsaren unsicher gemacht. 
Schiffe friedlichen Charakters mit guter Beute 
für jene Räuber machten daher ihre Fahrten 
nahe dem Lande, schrittweise; von begegnenden 
Schiffen wird äußerst selten Meldung gethan. 
Die- Pilger hatten volle sechs Wochen in den so 
ungünstigen Verhältnissen, in beständiger Sorge 
vor Korsaren hingebracht; sie athmeten ans, als 
das ersehnte Land vor ihnen lag. Dennoch sollte 
das Schlimmste hier erst kommen. 
Das Pilgerschiff mußte zu Jaffa vor Anker 
bleiben, bis der Statthalter von Jerusalem das 
Geleite schickte, was oft acht Tage dauerte. Der 
Patron sandte feinen Schreiber an's Land, der 
hier den Befehlshaber von Zagaria (Jagür) traf,' 
man hoffte schneller zum Ziele zu kommen, da 
letzterer auch beim Geleite mitzuwirken hatt«' 
Allein die beiden Gewalthaber veruneinigten sich 
und es wurde ein Bote nach Kairo entsendet, 
des Sultans Befehle einzuholen, worüber vier 
zehn Tage vergingen. Die Pilger mußten in 
dieser Zeit auf der Galee sich halten, da am 
Land ihr Leben ohne Geleite vogelfrei war. 
Aber auch das Meer drohte mit einem Ueberfaile 
durch seine Räuber, und von der „unsäglichen 
Hitze wurden viele kranck, und auch nicht allein 
von Hitze, sondern anch vom bösen geschmacke 
(.der Nahrung) und gcstancke, von schüfen undt 
viehe, welche anst der galee wahren undt übell 
schmackettcnu, auch das brot hartt undt voller 
wurme, schwartz. schimmelich undt ohngesaltzenn, 
das man in unserem landte kau», jchweinen oder 
hundten zu essenn gäbe." Es starben denn auch 
in den nächsten Tagen sechs der Pilger. Der 
Patron, welchem die Kosten des Aufenthaltes 
unbequem wurden, gedachte nach Cypern „hiendter 
sich zu fahren«," in Zwist mit den Pilgern, da 
langte Befehl von Kairo an, die Befehlshaber 
von Jerusalem und Jagur sollten gemeinsam 
das Geleite geben. Der Guardian von Jerusa 
lem traf ein, ebenso Rcitereskorten, über 1000 
Mann, und deren Oberster,^ der Statthalter von 
Jerusalem, war ein Renegat. Die zweihundert 
Pilger betraten am 10. August das Land, werden 
genau gemustert, abgezählt und müssen ihre 
Namen angeben. Darauf werden sie in zwei 
„Löcher" untergebracht, wobei es zweifelhaft ist, 
ob dieses elende Räume in Häusern oder Höh 
lungen im Freien bezeichnen solle. Mamalucken 
bewachen und schützen zugleich die Christen gegen 
Mißhandlung ja Tödtung durch die rohe, fana 
tische Bevölkerung. . Diese Reiter, eine Elite der 
Krieger des Sultans, hatten köstliche behende 
Pferde, nach ihrer arrt woll gezicrett, lange 
weiße Kleider, die huete mit weißen düchernn 
umwickeltt, oft bei 40—50 cllenn, das solches 
eine tust anzusehen« ist," u. A. Nach 3 Tagen 
kamen die Treiber mit den Eseln an, welche für 
große. Beträge gemiethet wurden. Der Patron 
hatte an die Machthaber in Jaffa große Geschenke 
gemacht, was zur Förderung der 'Sache beitrug, 
ob er, wie cs in der Regel die ^Verträge vor 
schrieben, seine Schutzbefohlenen weiter führte, 
ist nicht ersichtlich. Der Zug setzte sich in Be 
wegung, die beiden Befehlshaber an der Spitze, 
die Pilger auf Eseln, Waffen- und wehrlos, die 
Thiere ohne Sattel und Zau:>u, nur mit einem 
Strohsack versehen. In langer Reihe hinterein,- 
ander, neben jedem Pilger ein Mamaluck, deren
        

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