Full text: Hessenland (1.1887)

Das „HeffenlauL*', Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich, zu Anfang 
nnd Mitte jeden Monats, in dem Umfange von 1'/, K-ge« Quartformat. Der Abonnementspreis beträgt gleichmäßig 
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stellungen an. In der Post-Zeitungsliste findet sich das „Hrffevlv«d" eingetragen unter Nr. 2547a, 1. Nachtrag für 1887. 
-R Ful-uf! -R 
Qj'it längst vergangener alter Zeit, 
dl Als noch der Mann nt Waffen ging 
Und jede Stadt die Läng' und Drett' 
^ Umgab der Mauern fester Uing, 
Regal» sich's, daß ein starkes Heer 
Vor Gaffel lag und drängt' es sehr. 
Einst hatt' die wack're Bürgerschaft 
Der Feinde Anprall abgewehrt, 
Und um ;u sammeln neue Graft 
Sich heimgewandt ;u Rett und Heerd, 
Indeß der Wächter auf dem Thurm 
Vermelden sollt' erneuten Sturm. 
Und währen- nnn in stiller Uacht 
Die Rürger in den Federn rnh'n, 
Gibt auf dem Thurm der Wächter Acht, 
Was -rauß' im Feld die Feinde thun; 
Auf einmal — morgens war's um drei — 
Merkt er, daß was im Werke sei. 
Im Lager lief man Kren; und guer 
Und schleppt' Geschütze schon heran, 
Auch Leitern trugen sie daher, 
Und Alles war- gan; still gethan — 
Der Wächter sah's und laut den Ruf 
Stieß er in's Horn: „Ful-uf! Fnl-uf!" 
„Ihr Faulen auf!" so meinte er, 
(Das ward im Hörne zu „Ful-uf!" 
Denn Hochdeutsch ist zu blasen schwer) — 
Indeß verstanden ward der Ruf, 
Und ehe man es sich versah, 
Stand jeder Mann in Waffen da.' 
Als nun der Feind zur Mauer kam, 
Fand er unhöflichen Empfang, 
Was ihn -ermaßen Wunder nahm, 
Daß er davon lief feig und bang 
Uno noch am selben Tag das Feld 
Verließ mit Roß und mit Gezelt. 
Und zur Ermn'rung an den Sturm 
Erschallt' noch lange Zeit der Ruf 
Um drei Uhr vom Sanct Martinsthnrm 
Wie damals laut: „Ful-uf! Ful-uf!" 
Dis diesen, wie so manchen Rrauch, 
Die Neuzeit hat begraben auch. 
Ulchl.
	        

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