Full text: Hessenland (1.1887)

„alten" schule, auf welche die „naturalistischen" 
Neuerer mit einer gewissen Geringschätzung herabi- 
blicken, zu jener Schule, welche die Dichtung noch 
als eine Kunst betrachtet und sich nicht in dem Ab 
klatsch der Erscheinungen gefällt. Ihre Novellen sind 
mit sicherer Hand aufgebaut, die Charaktere zumeist 
scharf umrissen, die Handlung lebensvoll, die Sprache 
von Wohllaut und seltener Kraft. Jeder der drei 
Novellen gebührt die Bezeichnung „vortrefflich"; ein 
zelne Partien sind geradezu mnstergiltig. 
Von Julius W. Braun, unserem in Berlin 
lebenden hessischen Landsmann, Herausgeber der be 
kannten Kritikenwerke Le s sing, Göt he, Schi ller 
im Urtheile ihrer Zeitgenossen", ist in aller 
Kürze die Veröffentlichung eines großen Tendenz- 
Romans in vier Bänden „Umsonst gelebt!" zu 
erwarten. Der Roman, in den guten Kreisen der 
nrodernen Gesellschaft spielend, behandelt den Kampf 
des Idealismus mit dem Materialismus und den 
Sieg des ersten über den letzlern. Als Motto hat 
Braun die Worte unseres Dichters Wilhelm von 
Ising benutzt: 
Was Du nicht ertr ägst. 
Dem Unglück sieh ins Angesicht, 
Zu jedem ist Dir Kraft gegeben. 
Rur Eines, Mensch, erträgst Du nicht, 
Den Blick ans ein verlorenes Leben. 
Der Roman spielt zum großen Theil in Kassel und 
viele hier stadtbekannte Persönlichkeiten haben dein 
Verfasser Modell gestanden. Wir werden auf diese 
neueste Arbeit Brauns s. Z. des Ausführlichen 
zurückkommen. 
Armand-Strubberg, der durch seine Indianer- 
Romane der hessischen nnd deutschen Leserwelt be 
kannte Schriftsteller, hat in dritter Auflage die lesens- 
werthe Jugendschrift „Karl Schar n h o r st, Aben 
teuer eines deutschen Knaben in Amerika", erscheinen 
lassen. (Verlag von Ferd. Keßler, Kassel 1887.) 
Das Buch, welches die romantischen Schicksale eines 
jugendlichen Hessen schildert, ist ganz besonders werth 
voll, weil die gebotenen Darstellungen und Schil 
derungen aus dem Leben heraus geschöpft sind: be 
kanntlich hat Armand lange Jahre in Amerika ge 
weilt nnd manchen Strauß mit den Rothhäuten be 
standen. Nach Prof. Offterdingers Aquarellen sind 
sechs prächtige Farbendruckbilder beigegeben, die im 
Verein mit der prächtigen Ausstattung das Buch zu 
einem sehr eleganten Weihnachtsgeschenk (für Knaben 
von 10—16 Jahren) machen. Preis 4 l j. 2 M. 
Unsere so rasch bekannt gewordene Landsmännin 
Rata ly v. Eschstruth bereichert den Weihnachts 
tisch mit einem Bande Novellen. (Potpourri. 
Dresden und Leipzig. E. Piersons Verlag 1887.) 
Das reiche Talent der Verfasserin zeigt sich in diesen 
Verantwortlicher Redakteur F. Zw eng er. 
S Geschichten; sie versteht bald humorvoll zu plaudern, 
1 bald ernste und ergreifende Töne anzuschlagen, immer 
aber zu befriedigen. . Die Sprache zeichnet sich durch 
! eine außerordentliche Lebendigkeit nnd Anschaulichkeit 
i aus. -r- In Katz' und Maus (Berlin. Verlag 
> von Gebr. Pqetel 1886), erzählt dieselbe Verfasserin 
' in gebundener Rede die. Schicksale eines rauhen, kern- 
! braven hessischen Junkers, Robert von Frankenstein, 
^ der nach allerlei. Fährlichkeiten die Dame seines Her 
zens, Petronella von Eschwege — eine bezähmte Wider 
spenstige oder auch Z'widerwuyz'n — heimführt. 
Mit außerordentlichem Geschick behandelt die Dichterin 
den Vers und nicht wenige Partien des epischen Ge 
dichtes siyd.von großer poetischer Schönheit. — Auch 
. auf den im Jahre 1884 bei Bonz & Comp, in Stutt-- 
. gart erschienenen Roman von Nataly von Eschstruth 
? „Wolfsbürg" möchten wir hier verweisen; ex 
, spielt ebenfalls auf hessischem Boden und ist spannend 
und lebendig geschrieben. , S. 
Srieftrastk«. 
Vielen Mitarbeitern nnd Freunden in 
j Nah und Fern. Wir bitten um Nachsicht, wenn 
wir so manchen freundlichen und aufmunternden Brief 
bisher noch nicht beantworten konnten. Die Vor 
arbeiten für das „Hessenland" nahmen unsere Zeit 
! so sehr in Anspruch, daß wir beim besten Willen 
' unserem _ Vorsätze nicht nachzukommen vermochten. 
* Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Einstweilen 
- besten Dank. 
W. M. Hanau. Natürlich wird das „Hessenland" 
sein besonderes Augenmerk auf die zeitgenössisch e hessische 
Literatur richten. Sie finden schon in der heutigen 
Probenummer eine Reihe von Vücher-Besprechnngen 
und wir denken diese Rubrik regelmäßig fortzuführen. 
K. K. Hanau. Manuskript-Sendungen erbitten 
wir unter der Adresse: Redaktion des „Hessenland", 
Kassel. 
_ B. Marbnrg. An Blättern, politischen und son 
stigen, welche sich mit Tagesfragen beschäftigen, ist 
kein Mangel. Aus unserem Programm ersehen Sie, 
daß wir kein Parteiblalt sein wollen nnd können. 
Di\ E. Hannover. Freundlichsten Dank. Viel 
leicht wandelt Sie doch einmal die Lust an, das 
„Hessenland" mit einem Beitrag zu bedenken, dann 
- sind Sie herzlich willkommen. 
E. v. H. Berlin, J. Gr., Dresden, Prof. A. M., 
Chemnitz. Wir bitten um Zusendung der in Aus 
sicht gestellten Beiträge, ausführliche Antwort nns 
vorbehaltend. 
K. X. Kessclstadt. Wegen Raummangels für 
die nächste Nr. (1. Januar) aufgespart. 
und Vertag von F. Zw eng er in Kassel.
        

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