Full text: Hessenland (1.1887)

178 
einige der wilden Gegner mitten zwischen die 
Grenadiere dringen. Schon holte ein langer 
rothaariger Bergessohn mit dem breiten Schwerte 
aus, um einen Hieb nach Prinz Friedrich zu 
führen, da warf der herangedrungene.Hennes 
als letztes Mittel, seine Waffe konnte er im Ge 
dränge nicht brauchen, schützend den linken Arm 
empor und sing den Hieb auf, der dem 
Prinzen leicht das Leben kosten konnte. Nieder 
sank der Arm von der furchtbaren Waffe ge-, 
troffen, und im nächsten Augenblick bohrte sich 
auch die Spitze des Degens des Prinzen in des 
Hochländers Herz, während dessen Genossen unter 
den Streichen der Grenadiere fielen. 
Vom alten Wuttginau geführt: 
„Mit Trommelschlaz und Hörnerklang, 
„Dem Hefsenmarsch trom trom," 
griff jetzt Donop in's Gefecht ein, die neüge- 
ordneten Grenadiere warfen mit unwiderstehlichem 
Vorsturm alles vor sich nieder, Mansbach wieder 
holte mit besserem Erfolg den Flankenangriff, 
ein kurzes wildes Ringen noch, und die Hoch 
länder, Todte und Verwundete liegen lassend, 
gingen eilfertiger zurück als sie gekommen waren 
und verschwanden bald in wilder Flucht in den 
Bergen. 
Hennes aber, mit seiner schweren Wunde im 
Arm, lag vor dem alten Wiederhold, der ihn 
verband, neben seinem Bruder, der ebenfalls 
schwer litt. 
Da lagen die beiden Hessenjungen, blutend 
im fernen Schottland, nachdem sie gefochten wie 
die Löwen für des Hessenlandes Ehre. 
(Schluß folgt.) 
£=4=S 
Waldeinsamkeit. 
Bieberstein, 1852. 
Himmelanstrebende Bergesgipfel! 
Blumendurchwirkte üppige Wiesen! 
Ueber der düsteren Tannen Wipfel 
Schimmernd des Schlosses Zinnen grüßen. 
Halb verborgen in grüner Hülle 
Schaut es hinaus in die Lande weit, 
Ernst und stolz aus träumender Stille 
Waldumflüsterter Einsamkeit. 
Manch eine unvergeßliche Stunde 
Stand ich hier oben, der Tag entwich. 
Leise erzählten die Wälder im Grunde 
Tausendjährige Märchen sich. 
O dieser Stunden duftige Blüten, 
All meiner Seele stürmisches Leid 
Hast du gewandelt in seligen Frieden 
Milde, versöhnende Einsamkeit. 
Wenn sich die Erde im Frühlingswehen 
Jubelnd befreit von des Winters Lasten, 
Wieder werd' ich hier oben stehen, 
Lasse mein müdes Herz dort rasten. 
Bürg' es auch noch so brennende Wunden! 
Bärg' es auch noch so bitteres Leid: 
An deinem Busen muß es gesunden. 
Mütterlich tröstende Einsamkeit. 
Sorgen entschwinden in nebelnder Ferne, 
Lichte Gestalten drängen heran, 
Die mir geleuchtet als tröstliche Sterne 
Auf der umdunkelten Lebensbahn. 
Freundliche Bilder steigen hernieder, 
Die mir entrissen des Schicksals Neid, 
Alle die Lieben gibst Du mir wieder 
Geisterumdrängete Einsamkeit! 
Allen entsend' ich denn grüßende Lieder 
Wandernde Bögelein tragen sie fort. 
Eines, das aus dem Süden wieder 
Kehrt zu dem frühlingserwachenden Nord. 
Bringet auch Dir im schwellenden Liede 
Einen Gruß voll Lust und Leid, 
Dir du junge, du liebliche Blüthe 
Aus meiner Seele Einsamkeit. 
Vorstehendes, auf Schloß Bieberstein bei Fulda ent 
standenes Gedicht unseres reichbegabten hessischen Lands 
mannes Toni Morchutt ist einer Jugendfreundin ge 
widmet und uns von befreundeter Seite mitgetheilt worden. 
Toni Morchutt war geboren am 6 März 1828 zu Fulda 
als der Zweitälteste Sohn des damaligen Öbergerichtsan- 
waltes, nachmaligen Pölizeidirektors zu Kassel, Heinrich 
Morchutt (gestorben im Winter 1857/58 als Staats- 
prokurator in Fulda). Da Toni Morchutt, der sich gleich 
falls der juristischen Laufbahn gewidmet hatte, der Eintritt 
in den kurhessischen Staatsdienst versagt wurde, so trat er 
:ht den herzoglich hessen-kobura-gothaischen Dienst und starb 
am 30. Oktober 1874 zu Waltershausen bei Gotha als 
Staatsanwalt. Hier in Kassel halte er seine Gymnasial 
studien gemacht, und hier zählt er noch eine große Anzahl 
von Jugendfreunden, die ihm ein treues Andenken be 
wahren. Er besaß ein schönes Poetisches Talent, wie er 
denn überhaupt in geistiger Beziehung eine hervorragende 
Persönlichkeit war. D. R.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.