Full text: Hessenland (1.1887)

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„Jetzd, druff Hennes!" brummte Jmhof, 
der Kasselaner, ingrimmig. 
Die Schotten stutzten bei dem weithin hallen 
den „Schurri!"*) der Grenadiere, und dem selt 
samen Anblick als ein einzelner Krieger, dessen 
riesenhafte Gestalt' durch die Bärenmütze noch 
schreckenerregender wurde, gleich dem rasenden 
Ajas auf sie losstürzte. Ein junger Hochländer 
rannte aus ihn zu, des Heunes Muskete flog 
an die Wange, krach, und hochaufspringend stürzte 
der auf's Antlitz. 
Der Schottenhäuptling, der als Erster die 
Reihen der Musketiere brach, warf sich ihm ent 
gegen. 
Ei« Sprung und ein Stoß des HenneS und 
das Bayonnet fuhr dem Hochländer durch den 
Leib bis zur Mündung des Gewehres. Mit so 
furchtbarer Kraft schleuderte der Hennes dann 
den Körper zur Seite, daß da- Bayonnet abbrach.. 
Schnell wie der Blitz faßte er die Waffe am 
Ende des Laufes und wirbelte sie in so raschen 
und tödtlichen Schwingungen um'S Haupt, daß 
rechts und links die Feinde niedersanken. Von 
dieser schier übermenschlichen Kraft und Wildheit, 
denn der HenneS focht mit dem Zorn, wie er 
nur den Germanen im Kampfe begleitet, dieser 
riesenhaften Gestalt, wichen die Schotten. 
„Schürn!" Nieder sank wiederum ein Hochländer 
mit zertrümmertem Schädel, der Kolben brach 
ab, aber das schwere Ende des Laufes that in 
der Hand unseres Hennes gleiche Wirkung — 
es gab Raum. Da lag der Barthel, Blut floß 
von Haupt und Brust. 
„Leweste, Junge?" 
«Jo, Hennes!" tönte es schwach. 
„Lich stille." 
Ueber ihn stellte sich der Hennes und der 
Gewehrlaus wirbelte von Neuem gleich einer 
Weidengerte durch die Luft. Keiner wagte ihm 
zu nahen. 
Da klangen die Trommeln der Grenadiere 
zum Angriff. 
„Der Hesse kommt, 
„Der Hesse kommt, 
„Der Hesse kommt zum Sturme 
„SLlvire deine Knochen, du Schelmfranzos. 
„Ein rechter Hessengrenadier 
„Der giebt dir kein quartier, 
„Der haut dich in die Pfanne, 
,.Zum bon plaisir," 
gellte schrill die Querpfeife dazwischen, Und 
dröhnenden Schrittes rückten die ehernen Reihen 
heran. Hennes aber bog sich nieder, nahm den 
Barthel wie ein Kind in seine starken Arme und 
*) Scharrt! war der Schlachtruf der hessischen Truppen bis in 
dieses Jahrhundert hinein und wurde erst während der Freiheits 
kriege durch das „Hurrah" verdrängt. 
trug ihn rasch aus dem Kampfe. Sein umher 
irrendes Auge suchte den Feldscheer. Dort fand 
er den alten Wiederhold, der sein Verbandzeug, 
seine Messer und Zangen sorgfältig vor sich 
ausgebreitet hatte. Zu seinen Füßen legte er 
den Bruder, und der Alte war auch gleich da 
bei, die Wunden des bewußtlosen Barthel zu 
untersuchen- Angstvoll, nichts weiter um sich 
vernehmend, harrte der Hennes auf das Wort 
des erfahrenen Wundarztes. 
„'S eß nix Hennes, 's wird Widder heile." 
Ein tiefer Seufzer der Erleichterung entrang 
sich der Brust des Grenadiers und dann stürzte 
er mit jubelndem Schurri! zurück zu den Seinen, 
die hart mit dem Feinde rangen. Zwei Com 
pagnien Mansbach hatten versucht die Schotten 
in der Flanke zn nehmen, waren aber auf ver 
zweifelten und wohlgeleiteten Widerstand gestoßen. 
Die wilden gewandten Bergessöhne kämpften wie 
Rasende mit Schwert und Messer, Leib an 
Leib mit den Unseren. Da wo die Bärenmützen 
der Grenadiere ragten eilte der Hennes hin. 
Hart rangen die Hessen mit einem todes- 
muthigen Feinde von so ungewohnter wilder 
Kampfwxise. 
Die Grenadiere hatten, mit dem Bayonnet vor 
dringend, das Gefecht im Centrum wieder her 
gestellt, waren aber selbst in das Gedränge ge 
rathen, als sie plötzlich heftig gleichzeitig in 
Front und Flanke angegriffen wurden, letzteres 
von einem von Westen her neu ins Treffen 
eingreifenden Haufen Hochländer. Inmitten der 
Grenadiere befand sich der Prinz, der den Degen 
gezogen hatte und die Seinen mit hellem 
„Schurri, Grenadiere!" anfeuerte. 
Das war die Lage des Gefechts, als Hennes 
bei seinen Kameraden eintraf. 
Die Schotten hatten keine Aussicht zu siegen, 
denn unter dem gelaffenen Kommando des greisen 
Wuttginau, bewahrten die Truppen im wildesten 
Handgemenge bewundernswerthe Ruhe und Ord 
nung — und schon rückte Donop, unter klingen 
dem Spiel, im Eilschritt heran. 
Die ganze Kraft des Angriffs hatten die Hoch 
länder noch einmal gegen die Grenadiere gerichtet, 
um diese zu vernichten. Heiß wogte der Kampf 
zwischen dem Bayonnet und dem Claymore. 
Hennes eilte in's dichteste Getümmel. In 
seine Arme stürzte der zum Tode getroffene 
Sergeant: „Ich honn's weck — ich wußt's," 
stöhnte dieser sterbend, „Jesus" — und Hennes 
legte ihn zu Boden. 
Der Fall des Sergeanten, der tapfer gekämpft 
hatte, eine augenblickliche Bestürzung seiner Leute, 
— ein neuer rasender Angriff der Schotten ließ
        

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