Full text: Hessenland (1.1887)

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Der lange Henne«. 
Eine Geschichte ans dem vorigem Jahrhundert von Franz Treffer. 
(Fortsetzung statt Schluß.) 
ereinzelte Reiter, englische Dragoner, jagten 
in rasender Eile in einiger Entfernung 
vorbei. 
„Die Rothröcke laufen ja" bemerkte der Prinz 
gleichmüthig. 
„Haben's verdammt eilig!" brummte der alte 
Oberst, 
„Bringt doch ein Paar von den Kerls her, 
damit man erführt was vorging!" ließ Prinz 
Friedrich sich vernehmen, und auf diesen Befehl 
wurden rasch zwei der flüchtenden englischen 
Soldaten vor ihn geführt. 
Mit ironischem Lächeln redete der Prinz die 
athemlosen erschöpften Leute an: 
„Why do you run so?“ 
„The Highlanders! The Highlanders!“ 
stammmelte der eine, auf dessen Zügen Entsetzen 
lagerte. 
In diesem Augenblick nahte auch schon in 
wildem Ritt ein hessischer Offizier, der auf den 
Prinzen zujagte, sein schnaubendes Roß parirte 
und salutirte. 
„Was giebts Lieutenant von Schenk?" 
„Der Feind, Fürstliche Gnaden." 
„Kurz! Wo? Wie? Wann?" 
„Mit Tagesanbruch überfielen die Hochländer, 
die zum Theil über die Felsen herabgeklettert 
sein müssen, die englischen Kompagnien. Diese, 
vollständig überrascht, wehrten sich tapfer, sind 
aber bis auf Wenige vernichtet. Die Schwerter 
der Schotten haben sie im vollen Sinne des 
Wortes in Stücke gehauen," 
„Oberst Howard?" 
„Fiel im Getümmel, fürstliche Gnaden." 
„Wie stark schätzt Ihr die Hochländer?" 
„So weit ich im Morgenlichte beurtheilen 
konnte, auf fünf- bis sechshundert, doch scheinen 
aus dem Passe noch weitere Schaaren hervor 
zu dringen." 
„Werden sie uns angreifen?" 
„Sie sind bereits auf dem Wege hierher." 
Ein Adjutant sprengte heran und meldete dem 
Prinzen das Herannahen des Feindes. 
„So rüsten wir uns Wuttginau," sagte lächelnd 
der Prinz zu dem alten Obersten, „wir müssen 
den Herrn Schotten einen artigen Empfang be 
reiten." 
Er sah sich um, erblickte seine Bataillone in 
schöner schlachtbereiter Ordnung, nickte dem Alten 
freundlich zu und ritt den nahen Hügel hinan, um 
Umblick zu gewinnen. 
Der Wind hatte mit dem Nebel so gut auf 
geräumt. daß der Blick zu den Bergen frei war. 
In zwei langausgedehnten Gliedern nahten 
sich die Hochländer. Die hessischen Feldwachen 
und vorgeschobenen Piquets zogen sich langsam, 
hier und da einen Schuß abgebend, auf die 
Stellung zurück. 
Nach kurzer Berathung mit dem alten kriegs 
erfahrenen Wuttginau beorderte der Prinz die 
Musketire vom Regiment Maximilian vor, welche 
sich alsbald in geschlossener, lang ausgedehnter 
Ordnung vorwärts bewegten um den Feind zu 
empfangen. Flügel und Rücken deckten die Kom 
pagnien von Mansbach und die Grenadier 
kompagnien aller Bataillone. 
In unregelmäßiger Linie aber flinken Schrittes 
rückten die Schotten heran. Ihre Pfeifer ließen 
den wilden Pibroch, das Schlachtlied hören, über 
den Reihen flatterten die bunten Banner im 
frischen Morgenwinde, und ihre Häuptlinge 
schritten vorher, die breiten Schlachtschwerter in 
der Hand. 
Einen wilden kriegerischen Anblick boten die 
Söhne des Hochlandes, als sie im flatternden 
Plaid, theils mit Flinten und Pistolen, theils 
nach der Väter Weise nur mit Schwert und 
Schild bewaffnet, unter den gellenden Tönen 
des Dudelsacks furchtlos heran rückten. 
Fest standen die schweigenden hessischen Linien, 
wie aus Erz gehauen, Gewehr im Arm, die 
alten Fahnen, welche in mancher heißen Schlacht 
über den Häuptern der Söhne des Chattenlandes 
geweht, entfaltet. Nach ihrem Gebrauch erwarteten 
sie schweigend das Feuer des Feindes, um es 
dann um so wirkungsvoller zurückzugeben. Er 
wartungsvolle Stille herrschte — das Schweigen 
vor dem Sturm. 
„Bihn großen Christoffel, se honn nackichde 
Beine," brummte mit einem Male eine gedämpfte 
Baßstimme inmitten der Grenadiere. 
Unterdrücktes Lachen lief durch die Reihen, 
so weit die Aeußerung vernommen wurde, auch 
der Prinz, der hinter den Reihen hielt, lachte 
mit. 
„Werdet Jhr's denn mit den Burschen dort 
aufnehmen, Kerls?" fragte der Prinz, dem der 
bevorstehende Kampf die gute Laune stärkte.
        

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