Full text: Hessenland (1.1887)

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Angelegenheiten, der Landstände unseres Reg.-Bez., 
wie nicht minder des hiesigen Magistrates, eine statt 
liche Festschrift herausgegeben, zu welcher außer 
hiesigen Mitgliedern zahlreiche answärtige nam 
hafte Gelehrte literarische Beiträge lieferten.*) 
Der Tag selbst wurde durch eine Festsitzung mit 
nachfolgendem Mahle gefeiert. Anläßlich dieses Ju 
biläums erwählte der Verein zu Ehren-Mitgliedern 
den Herrn Oberpräsidenten Staats-Minister Gra 
fen zu Eulenburg, den Herrn Landesdirektor von 
Hundelshausen, den Herrn Geh. Regieungs-Rath 
Wendelstadt und den Herrn Sanitätsrath Dr. med. 
et phil. Eisenach (letzterer in Rotenburg a. F.). 
Aus der Zahl seiner Mitglieder, welche am Schluffe 
des letzten Geschäftsjahres aus 10 Ehren-, 65 korre- 
spondirenden und 86 wirklichen Mitgliedern bestand, 
riß der Tod die sämmtlich in hohem Alter stehenden 
Geh. Med. Rath Dr. 8. Schotten, Verlagsbuchhänd 
ler Th. Fisher, Hofmauermeister Cred6, sämmtlich 
in Kassel, kgl. Rath F. C. Ehrlich in Linz und den 
Geh. Bergrath Professor D. W. Dunker iu Marburg 
— letzterer der geliebte Lehrer vieler Vereinsmit 
glieder, ein hervorragender Kenner unseres Heimat 
landes und ein besonderer Freund des Vereins. 
Die Tyätigkeit des Vereins blieb auch in den ver 
flossenen beiden Jahren die seit langer Zeit ge 
wohnte. Durch Besprechung hervorragender Tages 
fragen naturwissenschaftlichen Charakters, durch Mit 
theilungen neuer Beobachtungen und Forschungsresul- 
tate sowie orientirende Vorträge einzelner Mit 
glieder über wichtige Spezialgebiete der Forschung, 
durch Demonstrationen von interressanten Apparaten 
und Naturalien suchte der Verein nach Kräften der 
Aufgabe gerecht zu werden, die Verbreitung natur 
wissenschaftlicher Erkenntniß in Kassel zu fördern. 
Es wurden 22 Sitzungen abgehalten, 10 in den 
beiden Sommersemestern, 6 zn jedem Wintersemester. 
Die Gesammtzahl der Besucher derselben betrug 335. 
Neunzehn größere Vorträge wurden gehalten, vierzig 
zum größten Theil mit Vorzeigungen verbundene 
kleinere Mittheilungen gemacht. Von ersteren ge 
hörten an der Astronomie 3, der reinen und tech 
nischen Physik 2, der .einen und technischen Chemie 
2, der Medizin 2, der Ornithologie 2, der Entomo 
logie 4, der Botanik 2, der Geographie 1, dazu 
kommt rin Bericht über eine wissenschaftliche Ver 
sammlung; von den kleineren Mittheilungen waren 
18 aus dem Gebiete der Zoologie, je 8 aus dem 
der Botanik und Mineralogie, je 3 aus Physik und 
Geographie. —- Was die auswärtigen Beziehungen 
anbelangt, so sind dieselben nicht nur fortgesetzt die 
freundlichsten geblieben, sondern die Verbindungen 
des Vereins mit anderen gelehrten Gesellschaften 
haben sich sogar noch erweitert, indem 19 neue 
Tauschverbindungeu angeknüpft worden sind, so daß 
die Zahl der Gesellschaften, mit welchen der Verein 
seine Schriften austauscht, jetzt 329 beträgt. Es 
kann darnach der Kreis dieser Wechselbeziehungen zu 
den naturforschenden Gesellschaften der gesammten 
*) Dieselbe ist bei F. Keßler dahier erschienen und noch in einigen 
Exemplaren käuflich zu haben. 
eivilisirten Erde als ein nahezu vollständiger und btc 
Bereinsbibliothek in Beziehung auf Gesellschaftsschriften 
wohl als die reichste des Hessenlandes angesehen 
werden. 
Von Mitgliedern und Gönnern erhielt außerdem 
noch die Bibliothek die bedeutende Zahl von 210 Ge 
schenken. Aber nicht bloß in dem Tauschverkehr äußerten 
sich die guten Beziehungen zu den auswärtigen Ge 
sellschaften, sondern auch durch freundliche Einladungen 
zu Festlichkeiten n. dgl., welche Einladungen in der 
Zahl 21 während der beiden Geschäftsjahre einliefen. 
Außer der Einladung zum 50 jährigen Jubiläum 
des hiesigen Vereins für hessische Geschichte und Lan 
deskunde war der Verein außer Stande einer der 
anderen Folge zu leisten. — Als wissenschaftliche 
Beigabe enthält der vorliegende Bericht eine Abhand 
lung von S. Schlitzberger über die Pilzflora in der 
Umgegend von Kassel, welche die große Zahl von 
572 verschiedenen Arten aufweist. — 
Mögen dem Vereine in dem zweiten Semisäknlum 
von Jahr zn Jahr neue Mitglieder zugeführt werden, 
neue Freunde und Gönner eystehen, damit er immer 
erfolgreicher die Zwecke zu verfolgen im Stande sei, 
welche seine Begründer im Auge gehabt haben, das 
sind einmal Erforschung der natürlichen Produkte des 
heimatlichen Bodens uns eres „ H e s s e n l a n d e s" 
dann aber auch, und zwar in allen Kreisen des Lebens 
und der Gesellschaft, die Weckung und Pflege der 
Liebe zu den jetzt unbestreitbar die Welt beherrschenden 
Naturwissenschaften, dem Einzelnen zur Freude, Er 
holung und Erhebung, der Gesammtheit zum Vortheil 
und Nutzen. A. 
Hessische Mcherschim. 
Ludwig Mohr hat ein Bändchen Gedichte — 
vorwiegend romanzenhaften Charakters — herausge 
geben unter dem Titel: „Eddergold. Poetischer 
Sagenschatz aus dem Lande der Hessen. Gedichte von 
Ludwig Mohr. Kassel 1886. Verlag von Gustav 
Klaunig, Hofbuchhandlung". Der Name des Autors 
hat im Hessenlande einen guten Klang und auch die 
vorliegende Sammlung von Poesien wird einer freund 
lichen Aufnahme, insbesondere in der engeren Heimath, 
sicher sein dürfen. Es sind zumeist alte bekannte 
Gestalten, die der Dichter behandelt hat, Gestalten 
aus hessischer Sage und Geschichte. In allen Stücken 
bleibt sich die liebevolle und kenntnißreiche Behandlung 
des Stoffes gleich, während der poetische Werth der 
einzelnen Gedichte ein verschiedener ist. Bon beson 
derem Interesse ist der Cyelus der Quintenlieder. —> 
Wir benutzen diese Gelegenheit, um hier auf die be 
kannte Erzählung Mohrs „Roth-Weiß", die bei 
Ernst Kleimenhagen in Kassel erschien und sich auch 
äußerlich vorzüglich zum Weihnachts-Geschenk eignet, 
aufmerksam zn machen. 
Von Frau H. Keller-Jordan ist ein Bändchen 
Novellen (Aus der Gegenwart. Drei Novellen. 
Stuttgart. Verlag von W. Kohlhammer. 1887.) 
erschienen, welches auf keinem hessischen Weihnachts 
tische fehlen sollte. Die Verfasserin gehört zn jener
        

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