Full text: Hessenland (1.1887)

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Meiner? SL^rnester?. 
Mein guter Engel steht zur Seite mir. 
Wenn Deine Hand die meine hält umfangen, 
Geführt von Dir muß ich zum Ziel gelangen. 
Und seines Preises Krone — dank ich Dir! — 
In Dir vollendet sich mein Thun und Sein, 
Und gleich dem Schutzgeist, uns gesandt von droben, 
Hältst schirmend, hütend Du die Hand erhoben. 
Dein Leben meines Glückes Dienst zu weih'n! 
Und was mein hitz'gcr Sinn im Eifer fehlt, 
Dein mildes Wort bringt's in die rechte Bahn, 
Auf Dornen streust Du Rosen allerwegen. 
Dein edles Vorbild ist's, das mich beseelt. 
Stehst Du am Steuer — sicher treibt der Kahn, 
Und immer treibt er mich dem Heil entgegen! — 
llcttctltj t><m GfÄljLruttz. 
Gin Trnnrn. 
Ich wandle im schönsten der Gärten 
Mit meinem Liebchen allein, 
Rings um die blühenden Büsche 
Webt kosender Mondenschein. 
Und um uns Rosendüften, 
Und über uns Nachtigallsang, 
Und in uns im schwellenden Herzen 
Der Liebe Jubelklang. 
Wir sprechen von öden Zeiten, 
Da wir uns noch nicht gekannt, 
Und flüstern von seligen Strnden 
Da Eins das Andere fand. 
Und wir gestehen einander, 
Wie wir uns vom ersten Sehn 
Herzinnig geliebet und dennoch 
Die Liebe nicht mochten gesthen. 
Da wacht ich auf aus den Träumen 
Bon Lieb und Seligkeit, 
Im finsteren Walde schreit' ich 
Von Dir, mein Lieb, so weit! 
Und um mich Schneegestöber, 
Und über mir Sturmeswuth, 
Und in mir, im brennenden Herzen 
Verzehrender Flammen Gluth. 
Stephan. 
Ans alter und «euer Jett- 
Abt Eigil von Fulda. Der 15. Juni gilt 
für den Todestag des hl. Eigil, des vierten Abtes 
von Fulda. Nur fünf Jahre war es ihm vergönnt, 
dem berühmten Kloster Fulda, dieser Pflanzstätte der 
Kultur, vorzustehen, von 817. bis 822, aber in diese 
Zeit fällt die Erbauung der dem hl. Michael ge 
weihten Kirche, deren heute noch im wesentlichen er 
haltene Rotunde ein kunstgeschichtliches Denkmal von 
unschätzbarem Werthe ist. Eigil entstammte gleich 
seinem Anverwandten, dem hl. Sturmius, dem Be 
gründer Fulda's, einer vornehmen bayerischen Familie. 
Bekannt ist seine Schrift „Vita Sturmi“, eine für 
die Anfänge von Fulda sehr wesentliche Geschichts 
quelle, die Aufnahme in die Monumenta Germaniae 
(Script. II. 365—377) gefunden hat. Seine Haupt 
thätigkeit widmete Eigil der Schule und der Baukunst. 
Unter der Leitung des baukundigen Mönches Racholf 
ließ er die prachtvolle Klosterbasilika vollenden und mit 
zw i Krypten versehen, so daß am 1., November 819 
der Bau von dem Erzbischof Haistulph eingeweiht 
werden konnte. Auch ließ Eigil den Leichnam des 
hl. Bonifatius, des Apostels der Deutschen, in ein 
neues prächtiges Grab übertragen und begann noch 
mit dem Bau eines ausgedehnten Klostergebäudes. 
Durch solche Leistungen bekam Fulda den Ruf einer- 
hohen Schule der Baukunst, so daß Karl's 
des Großen Geheimschreiber und Bauleiter, Einhard, 
welcher seine Studien im Kloster Fulda gemacht und 
wegen seiner kunstreichen Arbeiten nach dem Werk« 
meister der Stiftshütte den Beinamen „Beseleel" er 
halten hatte, einen Vertrauten nach Fulda schickte, 
um sich über eine dunkle Stelle des Marcus Vitru- 
vius Pollio (lebte unter Augustus und Tiberius), 
dessen Schrift „de architectura“ das einzige Werk 
über die bürgerliche Bauknnst ist, welches wir aus 
dem Alterthume überkommen haben, Aufklärung zu 
verschaffen. Unter Eigil war Rhabanus Maurus, 
unstreitig einer der geistig bedeutendsten und gelehr 
testen Männer seiner Zeit, welcher in der Geschichte 
den Ehrennahmen „Magister Germaniae“ führt, Leiter 
der Fuldaer Schule, die durch ihn zu ihrer größten 
Blüthe gelangte. Rhabanus Maurns war auch der 
Nachfolger Eigil's als Abt von Fulda, bis er im 
Jahr 847 auf den erzbischöflichen Stuhl zu Mainz 
erhoben wurde. K. Z. 
* . * 
* 
Hessische Tapferkeit. Ein schönes Beispiel 
hessischer Tapferkeit berichtet uns G. B. Kriegk in 
seinen „Deutschen Kulturbildern aus dem 18. Jahr 
hundert". „Wie der 2. Dezember 1792". so lesen 
wir dort, „einer der militärischen Ehrentage Hessens 
ist, so war das Jahr 1474/75 eines seiner Ehren 
jahre und eines der glänzendsten der deutschen Geschichte! 
Damals wurde Prinz Hermann von Hessen, seit 
einem Jahre Administrator und später Kurfürst des 
Erzbisthums Köln, durch Karl den Kühnen von 
Burgund bekriegt, und sein Bruder, Landgraf 
Heinrich HI. von Hessen schickte ihm nicht bloß 1000 
Mann zu Fuß und 500 Reiter zu Hilfe, sondern
	        

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