Full text: Hessenland (1.1887)

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eures jeden Meisterwerkes ist unbezahlbar und kann ^ 
nur durch die Aufnahme desselben ausgewogen werden. 
Ich hoffe, im Stande zu sein, durch eine würdevolle 
Ausstattung mein Scherflein zu Ihrer Zufriedenheit 
beizutragen. Die Proben haben bereits begonnen. 
Der wackere Spohr (für dessen Besitz hinsichtlich 
Ihrer Empfehlung wir Ihnen noch den besten Dank 
abstatten) umfaßt Ihr Werk mit hoher Liebe. De- 
moiselle Canzi, eine höchst angenehme, talentvolle 
Sängerin, ist von nur für einen Aufenthalt bis Ostern 
gewonnen worden, nur namentlich Ihrem „Freischütz" 
und Spohr's „Zemire und Azor" eine würdige Re 
präsentantin zu werden. An äußeren: Glanz und 
scenischer Präcision soll nichts fehlen und so hoffen 
wir Ihr Werk dem hiesigen Theater-Publikum in dem 
Geiste vorzuführen, der ihm nicht abgehen darf, wenn 
sein hoher Werth empfunden und erkannt werden soll. 
Binnen sechs Wochen hoffe ich Ihnen melden zu 
können, daß Max auch hier den Königsschuß gethan 
und das Herz aus der Gunstscheibe des Publikums 
sich herausgeschossen habe." Das Letztere ist aller 
dings keine Phrase geblieben, wogegen die „hohe Liebe" 
Spohrs für Weber etwas in Frage gestellt werden 
könnte. Für die erste dekorative Ausstattung des 
„Freischütz" war der Theatermaler Benther in Braun 
schweig gewonnen worden, welcher m diesem Behufe 
nach Kassel kam und die sämmtlichen Dekorationen, 
mit Ausnahme der Wolfschlucht, uralte, diese wurde 
von einem Berliner Künstler ausgeführt. Bemerkens 
werth ist dabei, daß der Teufelsspnk in der ursprüng 
lichen Wolfschlncht so furchterregend war, daß Spritzen 
und Feuerwehr während der ersten „Freischütz"-Abende 
auf dem Theaterplatz aufgestellt waren, um bei einem 
etwaigen Brand sofort in Thätigkeit treten zu können. 
Die Freischütz-Dekorationen wurden im Laufe der Zeit 
bis jetzt noch zweimal erneut, zuerst in den fünfziger 
Jahren und dann gelegentlich der 150. Aufführung 
am 28. Dezember 1868. Diese von Harke gemalten 
Dekorationen sind noch heute in Gebrauch. Bei der 
ersten Darstellung fang Gerstäcker, der Vater des 
Reise- und Roman-Schriftstellers, den „Max", Bert- 
hold den „Caspar", Demoiselle Dietrich die „Agathe" 
und die bereits in Feige's Brief erwähnte Demoiselle 
Canzi das „Aennchen". Tie zweihnndertste Auf 
führung der Oper am 18. Dezember 187!) wird noch 
in frischem Gedächtniß sein. Bon den 253 Vor 
stellungen des „Freischütz", die bis jetzt stattgefunden 
haben, war eine — 26. September 1824 — nur für 
das Militär bestimmt, der Ertrag der Vorstellung 
am 18. August 1826 fiel den Hinterbliebenen des 
Komponisten zu. Die zweite bedeutende Oper Webers, 
„Euryanthe", wurde hier zum ersten Male am 
28. Juli 1824 Hionnement suspenän „zur Feier des 
höchsterfreulichen Geburtsfestes Seiner ^ königlichen 
Hoheit des Kurfürsten" gegeben. Den „König" sang 
Berthold, Gerstäcker den „Adolar", Demoiselle Roland 
die „Euryanthe", Demoiselle Schopf die „Eglantine"* 
Hauser den „Lysiart". Trotz ihrer großen Schön 
heiten erlebte diese Oper bisher nur 27 Aufführungen, 
Oberon dagegen hat es bis zu 90 Darstellungen 
gebracht. Die Premiere desselben fand ebenfalls zur 
Geburtstagsfeier des Kurfürsten Wilhelm It im Hahrü 
1827 statt und war der Andrang dazu so groß, daß 
die kurfürstliche Hoftheater-Direktion die nachfolgende 
„Bekanntmachung" erließ: „Um dem Wunsch mehrerer 
Fremden zu entsprechen, welche zu der heutigen Vor 
stellung des „Oberon" keine Billets erhalten konnten, 
ist die Veranstaltunb getroffen worden, daß morgen 
eine Wiederholung dieser Oper stattfinden wird." Aus 
der ersten Besetzung seien die folgenden Namen her 
vorgehoben: „Oberon" Demoiselle Roland, „Puck" 
Demoiselle Heinefetter d. ä., „Huon" Herr Wild, 
„Rezia" Demoiselle Schweizer, „Fatime" Demoiselle 
Heinefetter. Am 18. Dezember 1885 wurde Oberon 
mit aufgehobenem Abonnement zum Besten des in 
Eutin, dem Geburtsorte des Komponisten, zu errich- 
! tenden Denkmals gegeben und waren an diesem Abend 
j bekanntlich mehr Personen auf der Bühne beschäftigt, 
! als sich im Zuschauerraum eingefunden hatten. Am 
! 3. Januar 1886 war dieselbe Oper als Fest-Bor- 
I stellung zur Feier des 25 jährigen Regierungs-Jnbi- 
! läums Sr. Maj. des Kaisers und Königs ausgewählt 
! worden. Nun bleibt noch des „Abu Hassan" zu ge- 
l denken, welcher zum ersten Male am 15. Jan. 1877 
zur Darstellung gelangte und zwar zum Benefiz für 
die Penüons - Anstalt des königlichen Theaters. Der 
verstorbene Emil Schmitt sang die Titel-Partie, Frt. 
Görtz, die nunmehrige Frau Brandt, die „Fatime". 
Die kleine gefällige Oper wurde seither noch 8 Mal 
wiederholt. Möge dieser kurze statistische Abriß ern 
Bild davon geben, wie sehr die Weber'sche Musik 
an dem hiesigen Kunst-Institut gepflegt worden ist 
und noch gepflegt wird, als der künstlerische Erguß 
einer für das Schöne und Edle in wahrer Begeisterung 
entflammt gewesenen Seele. 
Wilhelm Bennecke. 
A«s dem Ntremslkbkn i« Hesse«. 
Der Verein für Naturkunde zu Kassel 
gab vor wenigen Tagen den Bericht über die beiden 
letzten Vereinsjahre, über sein 49. und 50. Lebens 
jahr heraus. Wir entnehmen demselben einige Mit- 
theilnngen von Interesse. Seit Juni 1884 befirrdet 
sich nächst den dem K. Museum einverleibten Vereins- 
Sammlungen auch die Bibliothek des Vereins in dem iog. 
Kunsthans am Steinweg, worin seitdem auch die Sitzungen 
abgehalten werden. Die Bestimmung dieses Gebäudes, 
ein Heim für die naturhistorischen Sammlungen ab 
zugeben, ist auch äußerlich dargethan dnrch eine Ge 
denktafel an Papin, welcher gerade an dieser Stelle 
des Steinwegs, dem früheren Hosraum des Gebäudes, 
seine ersten gelungenen Versuche mit einer größeren 
Dampfmaschine angestellt hat. Aus der Initiative 
des Vereins für Naturkunde und mit Beihilfe von 
sieben anderen Vereinen ähnlicher Tendenz in unserer 
Stadt ist die genannte Gedenktafel errichtet worden. 
— Das bedeutungsvollste Ereigniß in dem verflossenen 
Zeitraun: war für den Verein die Feier der 50. Wieder 
kehr des Tages, an welchem er ins Leben trat. Zu 
Ehren desselben wurde unter dankenswerther pekuniärer 
Beihilfe des Herrn Ministers der geistlichen re
        

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