Full text: Hessenland (1.1887)

Wenn wir nun zum Schluß den berühmten 
Baumeister in seinem Privatleben betrachten, so 
sind auch hier die Worte seiner Grabschrift 
„Drum anspruchslos, wie er im Leben war", 
bezeichnend. 
Ein Zeitgenosse schreibt von ihm: 
„Auch als Mensch war er der höchsten Achtung 
werth. Einfach in seinem Leben, bescheiden, offen 
und bieder, in seinem ganzen Thun, seine viel 
seitigen, reichen Kenntnisse nie zur Schau tragend, 
genoß er die Hochschätzung und Liebe aller derer, 
welche Kunst und ächte Humanirät zu schätzen 
wußten. Er war nie verheirathet und mit ihm 
ist sein Name ausgestorben." 
Der lange Keanes. 
Gme Geschichte aus dem vorigem Jahrhundert von Franz Trelter. 
(Fortsehnn«.) 
ennes, Hennes", stotterte 's Kathrinliß, „was eß 
dann das?" 
„Ich bin Grenadier, Kathrinliß, bih 
Maximilian." 
„Ach Du allemächtiger Gott! Ach Du alle 
mächtiger Gott!" schrie das Mädchen auf, und 
wiederholte nach einer Weile mit demselben Aus 
druck des Entsetzens: „Ach Du allemächtiger Gott!" 
„Sig net bese, Kathrinliß, 's ging net angerscht, 
ich muß midde." „So, nu eß Alles verbih," 
und das starte Mädchen lehnte sich an den Thür 
pfosten, sonst wäre es umgesunken. Hennes er 
zählte dann, wie es gekommen, daß er Handgeld 
genommen habe. Bei dem Mädchen hatte sich 
der herbe Schmerz in Thränen Lust gemacht, sie 
hielt die Schürze vor die Augen und weinte 
leise. 
„Io, vun den Barthel, den Taugeniß kemmet 
alles Unheil." 
„Sprech das net, Kathrinliß, he eß 'n guter 
Junge, nurd 'n bischen verzogen." 
„Awer wenn he dumme Streiche macht, dann 
bruchst Du se jo net midde ße machen." 
„Gucke mo, Kathrinliß, wie min Bader starb, 
ich saß bih emme ungen am Bedde, de Mudder hadden 
me ewen begrawen, sprechen kunnde he net meh, 
do gock he so uff den kleinen Barthel, der uff'n 
Boddem spehlte, un's Wasse< trat- emme in de 
Augen, un dann gock he mich ahn — un ich 
verstunn 'n, un sprach:" 
„Bader, so lange ich lewe, kimmet he me 
pet vun der Side, un so lange ich was honn, 
hodd der Barthel au was. Do fach he ganz 
sefredden uß, un ging so zun liewen Godd." 
„Jo, schluchzte das Mädchen leise, he eß de 
jo liewer als Alles uff der Welt, liewer wie ich 
un Alles." 
„Sprech das net, Kathrinliß — Du weißt, 
ich denn de gut, — awer den Jungen alleine in 
den Krieg ziehen lan — dann kennd ich min 
Badder un min Mudder net vor Augen 
kommen, do drowen im Himmel." 
„Ach me äß so leihermiedig, Hennes — wann 
se dich nu dodschießen un de Greßten schießen 
se immer am ersten dod." 
Da lachte nun der junge Grenadier und faßte 
ihre Hände nnd zog sie an sich: „Sterwen, Liß, 
kann ich au hie, un der liewe Godd eß in 
Kriege au." 
„Nn wann se dich zu 'n Krippet schießen, 
was honn ich dann ?" 
„Wie's kemmet, muß ich's nehmen. Ich bliewe 
de tret min Lewen lang, wenn de mich net 
Meh wedd, wann ich heim kumme — na, so 
muß ich's au hinnehmen." 
„Ne, Hennes, wann ich'dich nidd krigge, dann 
well ich Keinen nidd hon— das eß gesprochen." 
Sie sprachen nun noch manches und der Hennes 
ging nach herzlichem Abschied davon. 
Furchtbar wurden die jungen Krieger auf dem 
Exerzierplätze gedrillt, aber die anstelligen Jäger 
bursche waren bald die ersten beim Bataillon — die 
Freude der Offiziere. Gegen den Herbst ging 
das Bataillon nach den Niederlanden, zum Re 
giment, und empfing bei Roermonde die Feuer 
taufe. 
Tapfer hielten sich die Burschen im französi 
schen Kugelregen, aber nach jeder Salve des 
Feindes guckte der Hennes nur, ob sein Barthel 
noch stand, und nickte ihm der zu, so feuerte er 
lustig seine Donnerbüchse auf den Franzmann ab. 
Nach kurzem Feldzug in den Niederlanden 
ward das Regiment im Frühjahr 1746 nach 
Schottland eingeschifft, denn die Schotten in den 
Bergen waren rebellisch geworden gegen den 
König Georg von England, weil sie einen Stuart 
auf dem Throne haben wollten, und unser Land 
graf schickte den Engländern 6000 Mann zu 
Hülfe. Prinz Friedrich aber befehligte die 
Hessen.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.