Full text: Hessenland (1.1887)

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Gläubigen auf. Viele Tausende unternahmen 
ungeachtet der drohenden Schrecken und Gefahren 
die unsäglich mühselige Reise, nicht etwa nur 
geringere Leute, sondern auch Fürsten und Vor 
nehme. Diese sogar in überwiegender Zahl, da 
der weite Weg, welcher größtentheils zur See 
zurückgelegt wurde, beträchtliche Mittel erforderte. 
Aermere begnügten sich meist mit Wallfahrten, 
zu den in allen christlichen Ländern mit Heilig 
keit begabten, dafür bestimmten Orten. 
Die Landessürsten von Hessen hatten mehrfach 
mit ihren Rittern und Mannen in den Kreuzes 
heeren gestritten. Der Bruder Landgraf Lud 
wigs I. von Thüringen und Hessen, Udo, Bischof 
von Naumburg, zog mit König Konrad III. 
1147 in das gelobte Land, er wurde ein Opfer 
dieses menschenwürgenden Kreuzzuges. Ludwigs 
Enkel, Ludwig III., ein ritterlicher Fü'st, dem 
Kaiser Friedrich Rothbart, seinem Oheim, treu 
ergeben, führte ihm einen Hcerhaufen zu, als 
er 1189 zu dem fast das ganze Abendland in 
Bewegung setzenden Kreuzzuge die Heimath ver 
ließ. Der tüchtige Landgraf leistete im Heere 
große Dienste, vorzüglich bei der Belagerung 
von Akkon; allein eine Krankheit raffte ihn 1190 
hinweg. Sein Bruder und Nachfolger Hermann 
nahm ebenfalls das Kreuz, als er nach Bedräng 
nissen und Kämpfen einige Ruhe in seinem Lande 
hergestellt hatte. Er führte seine Thüringer und 
Hessen 1197 nach dem Morgenlande, wo Sultan 
Saladins Tod der christlichen Herrschaft neuen 
Aufschwung zu verheißen schien. Dennoch blieben 
die ohne hinlängliche Kräfte und ohne Ueberein 
stimmung unternommenen Angriffe resultatlos. 
L- Hermann ging in die Heimath zurück. Als 
Kaiser Friedrich II. dem Drängen des Papstes 
auf einen Kre.uzzug sich nicht länger entziehen 
konnte, bewog er auch den Landgrafen von 
Thüringen und Hessen, Ludwig IV., zur Hceres- 
folge. Der erst-'27jährige, doch kriegserfahrene, 
tapfere und angesehene Fürst, einer der mächtigsten 
des Reiches, wurde von seinem kaiserlichen Vetter 
dazu ersehen, den Oberbefehl über alle deutschen 
Krieger im Kreuzheere zu führen. Im Früh 
jahre 1227 zog er aus, ergreifenden Abschied 
von seiner Gemahlin Elisabeth nehmend, welche 
einige Tagereisen mit ihm zog und sich gar nicht 
von ihm trennen wollte. Ihre schlimme Ahnung 
wurde Wahrheit. Noch in Süditalien, zu Otranto, 
wo die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers 
seuchenartige Krankheiten unter den Kreuzfahrern 
hervorrief, erkrankte auch Landgraf Ludwig und 
starb nach kurzer Krankheit, tiefbektagt — ein 
unersetzlicher Verlust für den Kaiser und das 
Heer, wie für seine Lande. 
So hatten vier der thüringisch-hessischen Fürsten 
der Pflicht genügt, welche in jener Zeit frommer 
Begeisterung der Glaube auferlegte, drei derselben 
hatten ihre Treue mit dem Tode besiegelt. Dabei 
fällt ins Gewicht, daß ihr Stamm meist nur auf 
vier Auge» stand; in Ludwigs IV. des Heiligen 
Bruder starb die männliche Linie aus. Die 
immer trauriger sich gestaltenden Dinge im 
deutschen Reiche, zugleich die Trennung Hessens 
von Thüringen ließen eine Betheiligung hessischer 
Fürsten an einer Kreuzfahrt nicht zu. Mit dem 
Falle Akkons 1291 ging der letzte Posten ver 
loren, welchen die Christenheit noch inne gehabt 
hatte. Die Wiedereroberung überstieg die Kräfte, 
welche etwa noch dazu aufzubringen waren, die 
Begeisterung war bei der Mehrzahl geschwunden. 
An die Stelle mächtiger Heereszüge treten die 
Fahrten demüthiger Pilger, über drei Jahr 
hunderte lang, bis in das siebzehnte währten 
diese, dem frommen Bedürfnisse genügenden 
Wanderungen. Doch war es nicht immer der 
religiöse Drang allein, dem die Pilgrime folgten, 
auch bloße Reiselust, der Trieb ferne Länder 
kennen zu lernen, politische oder Handelsauf 
träge u. A. bewogen jene. Bei vielen war es 
der Wunsch, Ritter vom heiligen Grabe zu 
werden, was nur in Jerusalem selbst möglich 
war. 
Sowie den Hessenfürsten in den nach Lüdwigs 
des Heiligen Tode bis zum Ende der Kreuzzüge 
vergangenen 64 Jahren, die Verhältnisse ihres 
Landes nicht gestatteten, es zu verlassen, blieb 
es auch fernerhin. Eine lange Zeit verging, 
in welcher eine Reihe von Landgrafen aus bra- 
bantischem Stamme fast unaufhörlich in Fehden 
und Kriege verwickelt waren und mehrfach um 
ihre Existenz zu kämpfen hatten. Erst dem Sohne 
Hermanns des Gelehrten, Ludwig dem Fried 
fertigen, war eine mehr gesicherte Herrschaft be 
schicken. Er unternahm denn auch eine Fahrt 
nach dem gelobten Lande, nachdem er den alten 
Erbfeind Hessens, den Erzbischof von Mainz, 
so schwer getroffen hatte, daß er Frieden gab 
und fernerhin ernste Gefahr Hessen von dem 
Mainzer nicht drohte. Der junge Fürst, welcher 
bereits so manche Proben seiner Weisheit, Mäßigung 
und Kraft abgelegt hatte, war von tiefer Frömmig 
keit. Das Beispiel seiner Vorfahren, der thüringi 
schen Landgrafen, welche gegen die Feinde Christi 
gezogen, der Ruhm seiner frommen Aeltermutter 
Elisabeth, leuchteten ihm voran, mahnten ihn 
zur Nacheiferung. Da zog im Jahre 1429 der 
Landgraf als Pilger aus, das heilige Grab zu 
besuchen; ein Bericht über diese Reise ist nicht 
vorhanden, sodaß nur das Allgemeine derselben
        

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