Full text: Hessenland (1.1887)

der Liebling der Götter und Menschen, Baldur, 
nimmer, wie er ein Kind noch, die Todeswunde 
empfing im Dienste des Landes. Rührt die 
Waffen zum Todesgruß wie für einen gefallenen 
Krieger." Da schlugen Alle schweigend die 
Waffen dreimal zusammen, dumpf hallte es im 
Walde wieder. 
Bei Thenda löste sich der unendliche Schmerz, 
Ktriversch«ikHkn. 
Vor der Welt, Du meines Lebens Lust, 
Berg' ich tief mei« Glück iu meiner Brust, 
Wie im Wald sich birgt das scheue Reh 
Merkt es, daß der Jäger ihn durchgeh'. 
Stillverschwiegne Liebe will allein, 
Nur zu Zwein und ohne Lauscher sein. 
Braucht es gleich, wenn Herz zum Herzen spricht, 
Um sich zu verstehn der Worte nicht. 
Hoch in blauen Lüften schwebt der Weih, 
Auszuschann wo Beute für ihn sei. 
Minder scharf nicht böse Neugier späht 
Ob geheime Lieb' sich nicht verräth. 
Feodor Löwe. 
I« der Heimttz. 
Als ich nach manchem Jahr 
Zur Heinrath jüngst gekommen war, 
Da fand ich, ach! verwandelt nnd zerstört. 
Was einst mir angehört. 
als der Alte ihren Wolnoth mit dem Götterliebling 
verglich, in einenr Strom von Thränen. 
Trockenen Auges stand auch jetzt noch Merwig, 
nur in seinen Zügen zuckte es seltsam. Dann 
faßte er fast rauh den Arm der Frau, nnd wie 
tief aus dein Inneren kommendes Schluchzen, 
herzbrechend, klang es: „Weine nicht, Weib, er 
starb für's Chattenland." 
Die Plätze heimlich traut, 
Da ich gespielt, die sind verbant 
Und Fremde seh' ich gehen ein nnd ans 
In meinem Vaterhaus. 
Das Dorf durchschreit' ich sacht; 
Nicht Einer nimmt des Wand'rers Acht, 
Nicht Einer weiß, noch fraget, wer ich sei — 
Stumm eilen sie vorbei. 
Zum Kirchhof führt mein Weg, 
Umbuscht von grünem Dvrngeheg. 
Die mich geliebt, die meiner Jugend Hort, 
Die Meinen schlafen dort. 
An ihren Gräbern bin 
Still weinend ich gesunken hin 
Und über meinem Haupt der Lebensbanm 
Rauscht meiner Jugend Traum. 
Es fällt vor meinen Fuß 
Ein grüner Zweig gleich liebem Gruß. 
Ob unerkannt durch's Heimathsdorf ich schlich — 
Die Todten kennen mich. 
D. Saul. 
DlkWeberschen S-ern nfdmHisttzkalkr nKaffel. 
Am 18. Dezember 1886 feierte nicht allein die 
deutsche Kunstwelt, sondern auch das deutsche Volk 
den hundertjährigen Geburtstag des Komponisten des 
„Freischütz", denn kein anderer Tondichter ist mit 
seinen Weisen so in das Herz des Volkes gedrungen, 
als Karl Maria von Weber. Das König!. Theater 
in Kassel brachte zur Feier dieses Gedenktages die 
musikalisch-dramatischen Werke Webers in einem Cyclus 
zur Darstellung, welcher am Sonntag, den 12. De 
zember, mit „Abu Hassan" und „Preciosa" begonnen 
hat und am 18. Dezember, dem Geburtstage des 
Komponisten, mit „Oberon" schloß. Bei dieser Ge 
legenheit dürste ein Rückblick auf die Aufführungen 
der Weber'schen Werke an der Kasseler Hofbühne 
nicht uninteressant sein. Den Reigen derselben er 
öffnet „Preciosa", welche am 19. August 1821 
znm ersten Male gegeben wurde. Die Titelrolle 
spielte Madame Feige, die Gattin des damaligen 
Bühnenleiters, Löwe den „Alonzo", der später dem 
Wahnsinn verfallene Wüstenberg de» Schloßvogt. 
Am 18. Dezember 1880 wurde „Preciosa" zum 
100. Male aufgeführt, die Vorstellung am Sonntag 
war die 110. Der „Freischütz", welcher ans 
„Preciosa" folgte, kam am 1. März 1822 zur ersten 
! Darstellung und war die erste Oper, die von Louis 
! Spohr nach Antritt seiner Stelle als Kapellmeister 
> des Kasseler Hoftheaters cinstudirt wurde. Spohr 
! selbst war übrigens auf Empfehlung Webers nach 
Kassel gekommen, da der letztere die ihm nach dein 
‘ Abgang Guhrs angebotene Stellung nicht angenommen 
hatte, lediglich aus dem Grunde, weil er sich in 
Dresden damals vollständig wohl fühlte. Der Brief, 
welchen der Generaldirektor Feige über die Annahme 
des „Freischütz" an Weber schrieb, ist in der von 
Lynker verfaßten Theatergeschichte mitgetheilt und 
hat folgenden Wortlaut: „Der eigentliche hohe Werth
	        

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