Full text: Hessenland (1.1887)

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„Ei, Blasekopp! Sprech vor der Pfarr: 
„Ech sein e Christ! — Das es ja wahr — 
„So kommst'e dorch's Exame - 
„Un bräüchst Dich net ze schäme." 
Wie weggeblase hatte sich 
De letzte, Thräncspure 
Bon insr Justus Aangesicht 
Sellaageblicks verlure. 
Flugs zieht 'e. in de Kerje rin, 
Postirt sich vor der Past'r hm. 
Der spricht : „Mein Sohn, sag was Dü bist!" — 
Un Justus sonner Zage: 
„Herr Pfarr! Ech sein, waaß Gott« e Christ!" — 
„Die Antwort auf die Frage 
„War gut," spricht fir 'n der Herr Pfarr, 
„Ich frag', wie üblich, weiter: 
„Und woher, mein Sohn, weißt Du das?" — 
Justus der würd' bal roth bal blaß, 
Un heilend platzt' e raus: ,,S' es wahr! 
„Gesprüche hat mer'sch der Schandar!" 
Philipp pptt 31tnBnaxx. 
Aus alter und nrver M. 
Ein Schutzbrief für das Kloster Frauen 
berg bei Fulda. Schon in alten Zeiten war es 
üblich zur Sicherstellung von Personen, einzelnen 
Gebäuden oder ganzen Ortschaften in Feindesland 
Schutzwachen zu stellen, um dieselben vor Erpressung, 
Plünderung, wie überhaupt vor allen Belästigungen 
durch Truppen zu schützen. Denselben Zweck hatten 
die Schutzbriefe und Schutzanschläge. Erstere,-vom 
kommandirenden General unterzeichnet, letztere, meistens 
mit dem Wappen des Kriegsherr« geschmückt, be 
drohten alle diejenigen mit harter Strafe, selbst mit 
dem Tode, welche sich eine Verletzung der befohlenen 
Schutzmaßregel zu Schulden kommen ließe«. 
Zu keiner Zeit wurde wohl ein so ausgiebiger Ge 
brauch von Schutzwachen, Schutzbriefen (gewöhnlich 
sauye garde oder salva guardia genannt) re. ge 
macht, als während des dreißigjährige« Krieges. Die 
zunehmende Verwilderung der Heere, die immer lockerer 
werdende Bande der Disziplin, hielten mit der fort 
schreitenden Verwüstung des deutschen Vaterlandes 
und der dadurch bedingten Schwierigkeit der Ver- 
pfiegung der Truppen gleichen Schritt, so daß jeder, 
der überhaupt noch etwas im Besitz hatte, bemüht 
war, sich vor dem Raubweseu der Soldaten auf best 
mögliche Weise sicher zu stellen. Fürsten zahlten 
große Geldsummen an die höheren Befehlshaber, um 
sie zu veranlassen dem anmaschirenden Heere eine 
andere Richtung zu geben und die drohende KriegS- 
geisel von ihrem Lande abzulenken; Städte und Dörfer, 
Schlösser und Klöster machten de» Offiziere« „eine 
Verehrung" in Geld, Schmuck, Pferden, Wein, Kleidern 
u. s. w. um sich vor Plünderung zu bewahre» und 
einen Schutzbrief von freilich immerhin zweifelhaftem 
Werth zu erkaufen. Für die Schutzwachen erhöhten 
sich außerdem die Kosten noch bedeutend dadurch, daß: 
Geld- und Naturalverpflegung für Offiziere und 
Mannschaften derselben, demjcmgen zur Last fiel, der 
nm dieselbe gebeten hatte. 
Das Original- eines solche» Briefes wurde mir 
von befteundeter Seite zur Verfügung gestellt und 
lautet dasselbe folgendermaßen: 
„Ich Thilo Albrecht vom Usslar Erbsass Zu denn 
Alttenn gleichen» vundt Wackerm, Königl. Maytt. 
inn Schweden« bestalter Obrister über Ein» Regiment 
Zu Roß vundt Fuß, fürst!/ Heßischer Geuerall Wacht 
meister, fnege hiermtt menniglich Zu wißen», demnach, 
die Herrn patres Bahrfüßrr ordenns des Closters 
Frauenbergk, Sie sampte ihrem Closter wundt deße» 
Zugehörunge in meineqn Schutz Zurnehmen mich er- 
suchett, vundt ihnen» deßwegen ein schriftliche Salv an» 
guardiam Zur ertheilen« freundtlich erbeten«, da ich dann 
ihrem suchen» auß erheblichen Uhrsachen raum vundt 
stadt -gegeben, Alß ist hiermit ann alle vundt jede 
hohe vundt Niedere Kriegsosficier vundt insgemein 
ann alle Soldaten« Zur Roß vundt Fuß meine ernster 
Befehlig, das wie obbemeltes Closter Frauenbergk, 
sampt deßen pfertinentien vundt Zugehörunge« wir 
die genandt werden muege«, mit außplündern, Brandt 
schatzen oder welcherley eß auch begehehenn möchte, 
im geringsten« Keinen« schaden« Zur fingen, sonder« 
Sie vundt alle das Ihrige »nangefochtenn vundt 
Salvagnardiret verpleiben laßen sollen, sich auch dießer- 
wegen vor «nsaußpleidlicher ernster straffe huetenn, 
Uhrkundlich habe Ich dießes mit eigenen»'Handen« 
unterschrieben vundt mit meinem Adelichen Ange- 
borneun pittschast «nterstegeldt. Geben im quartier 
Vulda am 31. Octobrie Anno 1631." 
„Tilo Albrecht von Usler 
K. M. S. O." 
Das links von dem Name» stehende noch sehr gut 
erhaltene Lacksiegel zeigt das von Uslar'sche Wappen 
und ist offenbar der Abdruck eines zierlichen Siegel» 
ringes. Zu-beiden Seiten des Helms/sind die Buch» 
staben T. A.-V. V» die Anfangsbuchstaben des Namens 
des Unterzeichners. 
Der Schutzbrief ist anf die eine Hälfte eines Groß 
foliobogens von nicht all zu starkem Papier schön 
und deutlich geschrieben: der Bogen hat als Wasser 
zeichen den zweiköpfigen Reichsadler. Das zusammen 
gefaltete Blatt trägt die Aufschrift: Originale Salue 
Guardae F. Franciscanis de Observantia in Monte 
Mariano dat. 1631. 31. Octobris. Darunter ist von 
. anderer Hand, ebenfalls lateinisch, in der Uebersetzung 
ungefähr so lautend, geschrieben: „9. November 163t 
neuen Stils betraten zum ersten male unser Gebiet 
von Fulda mehrere Fähnlein hessischer, Reiter, von 
welchem ich Bruder Michael Stang anderen Tages 
diesen Schutzbrief erhalten habe." 
Es geht hieraus hervor, daß der Schutzbrief nach 
dem alte« Kalender ausgestellt ist, während Bruder 
Michael Stang bereits «ach dem neuen verbesserten 
Gregorianischen Kalender rechnet. Leide« fehlen alle 
weiteren Angaben/ ob uud wann dieser Schutzbrief
        

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