Volltext: Hessenland (1.1887)

— 149 
an. Dann seufzte er und sagte nur: „Bleibe 
hier, ich will nach Kassel", damit ging er. Vom 
Förster, bei dem er zuerst vorsprach, eilte er mit 
langen Schritten nach der Residenz. In Kassel 
suchte er den, Lieutenant v. Donop aus. 
„So traurig Hennes? Was giebt'S?" 
„Ich will in's Regiment Maximilian, Herr 
Baron." 
„ÄiUs tonUerrss! Brav Bursche!" und. deS 
Lieutenants Augen strahlten vor Vergnügen über 
diesen seltenen Grenadier. 
„Aber.unter einer Bedingung, Herr Baron." 
„Nun?'* 
„Ich muß es schriftlich haben, daß ich von 
meinem Bruder nicht getrennt iverde." 
Richtig, Ihr seid ja Insexurablss, und der 
Junge hat ja gestern Handgeld genommen, kann 
von Glück sagen, hätten ihn sonst eingelocht. 
Werdet schon zusammen bleiben, nur getrost." 
„Schriftlich muß ich's haben, sonst geh' ich 
nicht" sägte Hennes fest. Und richtig, um den 
reckenhaften Grenadier' zu gewinnen, der außer 
dem eine Schütze wie Wenige war, mußte die 
schriftliche Zusage des KriegskomnnssariatS ge 
schafft werden. 
Aschenbrödel. 
• Ich sitze mit der Kunkel 
Einsam und allein, 
Allmählig bricht das Dunkel 
Ueber das Thal herein. 
Die Andern ruh'n und rasten 
Von des Tages Lasten, 
Allen in der Runde 
Schlug die Feierstunde, 
Nur mir nicht ! 
ch wollte gerne spintien 
tä in die dunkle. Nacht, 
Wenn droben über den Zinnen 
Das bleiche Mondlicht wacht; 
Die andern dürfen säumen. 
Geliebt und selig, träumen, 
Jedem ärmsten Kinde 
Lächelt Liebe linde, 
Nur mir nicht! G»n»v »«str-w. 
De Kerjenprrfung. 
(Marburger St»dtmrmdart). 
Gs es m'r gar net lange her, 
As inse Millersch Juste 
"Mel unner'm Komfermanteheer 
Zur Kerjeprifung mußte. 
Am andern Tage schwuren die Beiden auf die 
Fahne, und als Prinz Friedrich die Rekruten 
später musterte, freute er sich, den lange» Bursche» 
. darunter zu sehen, und rief ihm leutselig wie er 
war, ein freundlich Wort zu. 
jSo waren die Brüder, gemeinsam Grenadiere 
im Regimente „Maximilian". Eine schwere 
Stunde stand dem 'Hennes noch bevor — sein 
Kathrinließ mußte wissen, daß er unter den 
Soldaten war. Am dritten Tage, nachdem er 
die Montur anhatte, machte er sich beklemmten, 
Herzens auf den Weg nach der Schloßfreiheit 
und klingelte an des Herrn Geheimraths Thüre. 
Da machte das Mädchen selbst' auf und erkannte 
ihn anfangs nicht in der Montur und der mili 
tärischen Haarfrisur, wär' aber dann vor Schreck 
gleich in Ohnmacht gefallen, wenn's nicht ein 
hessisch Bauernblut gewesen wäre, als sie ihren 
Hennes im Soldatenrock erkannte. Denn da 
mals hieß Soldat sein, für alle Zeit Abschied 
vom bürgerlichen Leben, und bei den unaufhör 
lichen Kriegen der Zeit, auch Abschied von der 
Heimath nehmen, von den Gefahren deS Kriegs 
lebens zu schweigen. 
(Fortsetzung folgt). 
De Jungens spräche'- allsammt laut: 
„Der Jüste waaß der Wingste*) 
„Un rechtig. wisse thut'e Rauht**) — 
„Das gibt m'r beese Pingste!" 
Der Pfarr,met Wird' sich an 'n wendt. 
Spricht vor 'n: „Sohn, bekenne, 
„An wen Du festen, Glaubens bist, 
„Den Herr des Heiles nenne." 
Der Juste kratzt sich hinner'M Ohr, 
Da wertlich net de Frage, 
Wie in d'r Stund' gestellt wor 
Un waaß m'r Rauht ze sage. 
Da sprach d'r Pfarr met zorn'ge Sinn: 
„Entweich dem Gotteshaüse, 
„Und bis Du weißt der Frage Siu», 
„So lange bleibst Du drauße!" 
Betriibt schlich Justus vor de Thir, 
Met komwullsihwschem Beewe 
Setzt er sich för de Kerje fir 
Un drillt grad wie so'n Leewe. 
Da kommt der Wege justament 
Der Herr SchaNdar in Eile, 
Der, heert, worum der Juste flennt, 
Es dauert '» sei Heile: 
*)'£>«» Wenigste. **) Nichts.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.