Full text: Hessenland (1.1887)

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des Innern, von Hanstein, vertrat die Anklage. 
Moog wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit 
verurtheilt, und zur Verbüßung der Strafe nach 
Magdeburg gebracht, dessen Uebergabe an die 
Preußen ihn befreite. 
Dem Verräther Roth, das ganze Dorf nannte 
ihn den Judas, ging es nach Verdienst. Kein 
Goßfelder erwiderte seinen Gruß. Die Kinder 
schimpften hinter ihm her. Die Hausthüren 
schlossen sich vor ihm. Jn'S Wirthshaus zu 
gehen, wäre der eignen Aufforderung, ihn mindestens 
halb todt zu schlagen, gleichgekommen. Die 
Plätze auf der Kirchenbank, auf der er auch den 
seinigen hatte, blieben leer. Schließlich konnte 
er es nicht mehr ertragen, er zog von Goßfelden 
weg in das am Wollenberg, Caldern gegenüber, 
liegende einzelne Haus, das Eichhaus genannt. 
Im Frühjahr hausirte er mit Rechen, die er im 
Winter geschnitzt. An der Lahn kaufte von ihm 
Niemand, er mußte nach Niederhessev wandern, 
wo man ihn nicht kannte, und so hielt er denn 
auch jedes Frühjahr seine Rechen auf der Kasseler 
Fuldabrücke feil. 
Wir müssen uns noch einmal nach Moog um- 
sehen. Er hatte Eigenschaften, die ihn zum Führer 
qualificirteu Er hatte Muth und Geistes« 
gegenwart und war in der Wahl der Mittel 
nicht verlegen. Irgend welche Verlegenheit kannte 
er überhaupt um so weniger, als eine die Wahr 
heit verschleiernde Höflichkeit ihm selbst der Be 
zeichnung nach fremd war. Im Jahre 1817 
oder 18 wurde für die Lahn zwischen Sterz 
hausen und Goßfelden ein neues Bett gegraben, 
ein für damalige Zeiten bedeutendes Unternehmen. 
Witdungen, der nun wieder kurfürstlich hessicher 
Oberforstmeister, und Hanstein, der kurfürstlich 
hessischer Regierungsrath, beide in Marburg ge 
worden waren, besuchten eines TagS. die Arbeits 
stelle und stießen hier aus unsere» Moog, der 
dort auch als Taglöhner beschäftigt war. Hanstein, 
dem eine gewisse Leutseligkeit nicht abzusprechen, 
klopfte Moog mit den Worten auf die Schulter: 
„Ei, da ist ja auch der brave alte Hesse! Moog 
wies jedoch dies Lob mit den an beide Herren 
gerichteten Worten zurück: „So, sei mer alle 
weil oach werrer gaud hessisch? Ehr zwö wart 
verdammt franzesch!" 
Durch diese Worte entstand nicht,' wie es irr 
Theatersprache heißt, ein tableau, sie wirkten 
wie eine Versenkung. 
In der 17. Erzählung theilt, uns- Münscher 
einen Vorfall mit, der sich 1812 iy Marburg 
ereignete. Die Landsmannschaft der Hessen hatte, 
die Anwesenheit böhmischer Musikanten benutzend, 
einen Kommers oder dergleichen arrangirt. Im 
Verlauf dieser geselligen Vereinigung läßt ein 
Student den Erzherzog Karl, ein -anderer den 
Kurfürsten Wilhelm leben, es fehlt auch nicht 
an einem Hoch auf Deutschland, an einem Pereat 
auf die Franzosen. Tags daraus, beziehungs 
weise einige Tage später werden wegen dieses 
Vorfalls sieben Studenden gefänglich eingezogen, 
und von diesen vier nach Dassel transportirt. 
Unter den letzteren befand sich der 1885 ver 
storbene Superintendent Schüler zu Aflcndorf 
und der Geheime Regierungsrath Schröder zu 
Kassel. Während nun bei Schüler besonders 
erwähnt ist, daß er in den Befteiungskriegen 
mit Auszeichnung gedient, er war freiwilliger 
hessischer Jäger, ist von Schröders Theilnahme 
an diesen Kämpfen nichts ausdrücklich bemerkt. 
Als sich 1815 der Ausmarsch der Hessen ver 
zögerte, trat Schröder in ein preußisches Regiment,' 
in welchem er den Feldzug mitmachte und dann 
in sein Vaterland zurückkehrte. Aehnlich verfuhr 
Bach, später Obergerichtsanwalt in Kassel, der 
in das Füsilierbataillon des fünfzehnten Regiments 
trat, welches bekanntlich die Spitze der die Franzosen 
nach. der Schlacht bei Waterloo verfolgenden 
Preußen bildete, und dessen kühnem und rast 
losen Draufgehen hauptsächlich die Auflösung der 
französischen Armee z« danken war. 
Nachstehendes habe ich ans Schröder's Muud: 
Als die nach Kaffel transportirten Studenten 
dort anlangten, wurden sie in eins der Büreaux 
der hohen Polizei geführt. Sie fanden da einen 
jungen Schreiber, der sie selbstverständlich ohne 
dazu das geringste Recht zu haben, mit Vor 
würfen über ihr illoyales Betragen empfing ^ 
und wissen Sie,-sagte Schröder zu mir, wo ich' 
diesen Burschen wieder sah ? an der kurfürstlichen 
Mittagstafel, er' war immittrlst geadelt, war Ge«. 
heiMrath «. s. w. geworden. Ich überlasse es 
dem Leser, Vergleiche zwischen den verschiedenen 
Personen anzustellen, die ich hier vorführte.
        

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